Kleve

Der Plan von der Abschaffung des Kleingelds

Kleve - 01.02.2016, 09:00 Uhr

Unnötige Kosten? Allein in der Herstellung fallen für eine Ein-Cent-Münze 1,65 Cent, für eine Zwei-Cent-Münze zwei Cent an. (Foto: Jakub Krechowicz)

Unnötige Kosten? Allein in der Herstellung fallen für eine Ein-Cent-Münze 1,65 Cent, für eine Zwei-Cent-Münze zwei Cent an. (Foto: Jakub Krechowicz)


Die niederrheinische Stadt Kleve will in Deutschland die erste sein, die Ein- und Zwei-Cent Münzen verbannt. Stattdessen soll auf volle Fünf-Cent-beträge gerundet werden. Von Seiten der Apotheken ist die Resonanz noch gering. Viele sind sich unsicher, zumal die Preisbindung einen Strich durch die Rechnung macht. 

„Die Zeit ist reif dafür“, sagt Marie Barth, angestellte Apothekerin in der 123Apotopfit-Apotheke in Kleve. Sie machen mit bei der Aktion des Klever City-Netzwerks, die den Plan von der Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab dem 1. Februar 2016 in die Tat umsetzen wollen. Zumindest in der 48000-Einwohner Stadt am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Damit soll der Ort im Grenzgebiet zu den Niederlanden der erste Deutschlands werden, der die Ein- und Zwei-Cent Münze verbannt.

Runden und sparen

„Bei uns hat sich das eigentlich ohnehin bereits so eingeschlichen“, berichtet Barth. Man habe viele Kunden aus den Niederlanden und dort ist das Runden auf volle Fünf-Cent-Beträge bereits üblich. „Viele Leute runden bei uns ohnehin. Wenn da 99 Cent drauf stehen, geben die den Euro“, sagt Barth. Die Aktion des City-Netzwerks habe es da gar nicht gebraucht. „Die Leute sprechen uns auch so darauf an“, sagt die Apothekerin.

Die Idee dahinter ist, Kosten zu sparen. Die Bearbeitung von Bargeld kostet Geld. Allein in der Herstellung fallen für eine Ein-Cent-Münze 1,65 Cent, für eine Zwei-Cent-Münze zwei Cent an, begründet der Vorstand des Klever City-Netzwerks die Aktion. Dazu kämen die Gebühren, die die Händler zahlten, wenn sie Kleingeldrollen beschaffen und auch wenn sie das Kleingeld wieder  bei der Bank einzahlten. „Über kurz oder lang rechnet sich das Runden für den Verbraucher, denn diese Gebühren sind ja sonst bei den Händlern irgendwo im Preis mit drin“, erklärt Petra Hendricks vom Klever City-Netzwerk.

Rundung per schwedischem Modell

Viele Länder in der Euro-Zone haben auf die kleinen Münzen bereits verzichtet. Neben den Niederländern und Belgiern runden auch die Finnen und Schweden sowie seit Anfang November 2015 die Iren auf volle Fünf-Cent Beträge. Dieses Modell ist als „Schwedisches Rundungs-Modell“ bekannt und gilt allerdings nur bei Barzahlung – für Kartenzahlung wird es nicht angewendet. Beträgt die Summe des Einkaufes dann etwa 10,21 Euro, wird der Betrag auf 10,20 Euro abgerundet, bei 10,23 Euro oder 10,24 Euro wird auf 10,25 Euro aufgerundet. Dieses Modell soll nun auch am Niederrhein funktionieren. Natürlich seien die Münzen aber auch in Kleve weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel, erklärt Hendricks. „Die Aktion ist freiwillig und wer auf den korrekten Betrag besteht, soll den auch erhalten.“

In den meisten Apotheken in Kleve werden die Kunden aber wohl auch in Zukunft erstmal noch mit dem Kleingeld bezahlen können. Denn die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel und festgelegte Gebühren machen den Apothekern einen Strich durch die Rechnung. Auch bei der 123Apotopfit-Apotheke gilt die Aktion nur für frei verkäufliche Arzneimittel und andere Waren ohne die gesetzliche Preisbindung.

Viele Klever Apotheker haben sich deshalb ganz dagegen entschieden, teilzunehmen. „Wir wollen das einheitlich halten“, sagt etwa Maren Janßen, PTA in der Stechbahn-Apotheke. Da es mit den Arzneimittelpreisen keine Möglichkeit zum Runden gebe, nehme man auch für die Rezeptfreien nicht an der Aktion teil. „Wir sind uns da auch noch nicht einig und unsicher, ob das vom Finanzamt her überhaupt erlaubt ist“, sagt etwa Lisa Lagarde, Angestellte der Adler Apotheke. Diese Unsicherheit gebe es allerdings bei vielen Einzelhändlern in der Stadt noch, berichtet sie.

Gerundet in Hessen

„Rund ein Drittel unsere Mitglieder hat sich bislang für die Aktion ausgesprochen und nimmt teil“, erklärt Hendricks. Unter den 60 positiven Rückmeldungen seien bislang zwei Apotheken. „Einige Händler werden wohl auch erstmal abwarten, wie die Aktion bei den anderen läuft“, sagt sie. Bei anderen, vor allem größeren Ketten und Märkten müsse auch erstmal geklärt werden, wie die Kassenelektronik mit dem Runden umgehen soll. „Aber alle Umfragen bisher zeichneten ein sehr positives Bild.“

Beispiele, dass das Runden auch in Apotheken funktioniert, gibt es bereits aus anderen Regionen in Deutschland. Die Abschaffung des Kleingelds in Irland seit Anfang November 2015 hatte sich etwa Klaus Ohlendorf, Inhaber der Marien-Apotheke im hessischen Hünfeld bei Fulda, zum Anlass genommen, seitdem die Summe der frei verkäuflichen Einkäufe auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag abzurunden. Beschwert habe sich da kein Kunde, sagte er der Fuldaer Zeitung.

Die Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage des Instituts myMarktforschung.de aus dem Jahr 2015 für eine Abschaffung der kleinen Münzen, allerdings nur etwas mehr als die Hälfte, 52,7 Prozent der Befragten. Gegner der generellen Abschaffung sind etwa Hilfsorganisation wie das Deutsche Kinderhilfswerk, die um die Einnahmen aus den Spendendosen fürchten.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Freiheit

von Peter Brunsmann am 02.02.2016 um 10:48 Uhr

Sicherlich gibt es gute Argumente für die Abschaffung des Bargeldverkehres. Doch das Bare ist auch das Wahre. Stellen Sie sich einen totalitären Staat vor(Tendenzen : D. Trump oder Polen), was glauben Sie was ein solcher dann mit seinen Bürgen macht??

Finger weg von diesen Ideen. Die Freiheit hat ihren Preis auch wenn es sich nur um teure 1 oder 2 Cent handelt.

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Geldverkehr

von Heiko Barz am 01.02.2016 um 11:48 Uhr

Aufrunden, abrunden welch eine Diskussion, wobei die " hohe " Politik schon länger mit der Abschaffung des Bargeldes schwanger geht.
Das sichtbare Geld in der Hand ist immer noch der Beweis für die eigene geleistete Arbeit. Auf jeden Fall wird die Kaufentscheidung eines Produktes mit dem Geldschein nicht ganz so locker erfolgen, wie beim " Zücken " der - Karte - Das erfreut nicht nur die unter Erfolgsdruck stehenden Verkaufsmanager, sondern auch die wie Pilze aus dem Boben schießenden Geldverrechnungsinstitute. Dort verdienen uns völlig Unbekannte an der Strategie von Käufer und Verkäufer, ohne auch nur einen Finger zu bewegen und ohne jede Verantwortung.
Übrigens war das Auf - und Abrunden auch in Apotheken vor geraumer Zeit absolut Gang und Gäbe.
Was machen nun aber die Krankenkassen, die sich dazu verleiten lasen - 1 Cent - Regresse durchzuführen?

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