Berufspolitik

Deutschsprachige Apotheker suchen ihre Rolle

Schladming - 22.01.2016, 11:20 Uhr

Dominique Jordan, Andreas Kiefer, Max Wellan und Maximin Liebl (v. l.) diskutieren über den Apothekerberuf. (Foto:  DAZ)

Dominique Jordan, Andreas Kiefer, Max Wellan und Maximin Liebl (v. l.) diskutieren über den Apothekerberuf. (Foto: DAZ)


Nicht nur in Deutschland ist Bewegung im Berufsbild der Apotheker. In der Schweiz hat sich der Beruf bereits stark geändert, auch Österreichs Apotheker haben sich auf den Weg gemacht. Das wurde bei einer Diskussion der „Apotheker-Präsidenten“ aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol auf dem Pharmacon klar.

Über die Herausforderungen für die Apotheker in ihren Ländern und die Lösungsansätze dafür ging es in der „berufspolitischen Veranstaltung“ auf dem Pharmacon-Kongress. Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Dr. Andreas Kiefer, diskutierte am Donnerstag mit seinem Amtskollegen aus Österreich, Max Wellan, dem ehemaligen Präsidenten des Schweizer Apothekerverbands PharmaSuisse, Dominique Jordan, und dem Präsidenten der Apothekerkammer Südtirol/Bozen, Dr. Maximin Liebl.

Unterschiedliche Fortschritte bei der Kompetenzerweiterung

Trotz der unterschiedlichen Ausgangssituation in den deutschsprachigen Ländern war sich die Runde einig, dass die Zukunft des Apothekerberufs in der Kompetenzerweiterung und im Angebot neuer Dienstleistungen liegt. In Österreich haben nach Wellans Angaben bereits über 1000 der 6000 Apotheker die Fortbildung zum Medikationsmanagement absolviert. Es sei in Österreich keine Frage, dass das Medikationsmanagement eine apothekerliche Aufgabe sei. Allerdings sei man von einer Vergütung noch weit entfernt.

Schweizer Apotheker können bereits seit einigen Jahren einen Polymedikations-Check mit den Krankenkassen abrechnen. Doch damit ist die Kompetenzerweiterung nicht abgeschlossen. Mit dem Mitte 2015 verabschiedeten neuen Medizinalberufsgesetz dürfen Apotheker nun – nach einer Schulung – impfen, und sie dürfen bestimmte häufige Krankheiten diagnostizieren. Die für 2016 erwartete Revision des Heilmittelgesetzes soll laut Jordan den Apothekern die Möglichkeit einräumen, bestimmte Arzneimittel zu verschreiben.

Auch in Italien steht das Medikationsmanagement auf dem Plan, wie Liebl berichtete. Außerdem könnten neuerdings alle Heilberufe außer verschreibenden Ärzten ihre Tätigkeit auch in Apotheken ausüben. Es gebe bereits Pläne für eine Kooperation mit Psychotherapeuten, einige Apotheker stellten Krankenschwestern ein, um beispielsweise Injektionen verabreichen zu können.

Das Kreuz mit den Ärzten

Ein großes Thema war auch die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker. Für Kiefer ist das vor allem eine Frage des persönlichen Vertrauens, das sich entwickeln müsse. Jordan appellierte, sich nicht von Bedenken der Ärzteschaft bremsen zu lassen: „Wie kann man akzeptieren, dass die Ärzteschaft entscheidet, was die Apotheker in Zukunft machen? Wir entscheiden auch nicht, was die Ärzte machen sollen“. Die Apotheker sollten aufhören, sich mit den Ärzten messen zu wollen, so Wellan. Es handle sich um verschiedene Berufe mit ganz unterschiedlichen Aufgaben.

Optimistischer Blick nach vorne

Einig waren sich die vier Präsidenten, dass der Apothekerberuf bei allen aktuellen Problemen eine Zukunft hat. Dafür müsse man aber die Herausforderungen aktiv angehen. „Vergessen Sie nicht, die Zukunft vorzubereiten“, appellierte Jordan. Für ihn sei klar, dass diese Zukunft nicht in der Rolle als „reiner Verteiler von Medikamenten“ liege. Auch für Kiefer ist der Ansatz, die Berufsausübung und die Rolle der Apotheker weiterzuentwickeln, „genau der richtige“. Dazu sei eine weiterhin enge Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen wichtig.


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

Wer das falsche Ziel hat....

von Reinhard Rodiger am 22.01.2016 um 22:10 Uhr

kann über alles reden, aber nichts folgt. So liegt die Zukunft des Apothekerberufs ja nicht nur im Anbieten von späteren Leistungen, sondern in der Akzeptanz der heutigen. Warum wird nie über das eigentliche Übel gesprochen? Das besteht in der Unfähigkeit, den Nutzen des Berufs für die Gesellschaft in das politische Bewusstsein zu bringen. Die Ursache dafür ist die Nichtachtung für das eigene Tun. Dies wird von oben nach unten durchdekliniert. Die Realität wird ausgeblendet. Ein grosser Teil der zukünftig erwünschten Leistungen wird aus wirtschaftlicher Selbsterhaltung schon heute geleistet. Vielleicht nicht von allen, aber von vielen. Wo ist die Achtung? Aber alle werden von der standespolitisch gewollten Frequenzabhängigkeit und der selbst erzeugten Bürokratie stranguliert. Soweit man hört, sind hier Österreicher und Schweizer eher praxisorientiert. Hätte man hier nicht fragen und einhaken können? Nein, stattdessen Gemeinplätze. "Die Rolle weiterentwickeln" - so unser BAK-Präsident. Welche eigentlich? Den ertragslosen Bürokratieexecutor? Den Gegenwartsignoranten? Den Zukunftspessimisten? Den Elitevertreter?

Ohne Akzeptanz des heutigen Tuns und ohne konsequente öffentliche Vertretung des Nutzens sieht die Politik doch keinen Grund zur Änderung.Einfach, weil sie ihn nicht sieht. Nicht verwunderlich, wenn sich niemand um Klärung bemüht. Wenn die Kernaufgaben zugunsten akademischer Vorstellungen in der gesellschaftlichen Bedeutung kleingeredet werden, ist doch die Reaktion verständlich. Die Politik sieht doch, was läuft, und wartet ab-bis was kommt. Dieses Nichthandeln und Laufenlassen ist die eigentliche Gemeinheit. Es ist Irreführung, auf imaginäre Sondertätigkeiten zu setzen. Gerade, weil sie nirgends wirtschaftlich tragfähig sind.







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AW: Aufmerksamkeit

von Tilman Hecht am 24.01.2016 um 16:26 Uhr

...einmal in geselliger Runde am frühen Abend aufstehen, und vernehmlich kundtun: "...tschüß ich geh dann..ich muß zum Nachtdienst!" Sofort prasselt Aufmerksamkeit und Wertschätzung auf uns ein.
Aber nach "Nachtdienst schieben" kommt leider laaaange nichts (bzw. "Schächtelesverkäufer"), und dann vieles von dem, für das wir von Politikern und Bevölkerung geliebt werden wollen.
Da muß selbst unsere Schattenpräsidentin Kossendey lange dafür youtuben, bis sich daran etwas ändert....

Dann sucht 'mal schön ..........

von Gunnar Müller, Detmold am 22.01.2016 um 19:57 Uhr

.......... Solange die eigene Berufsvertretung kein Dilemma aus dem status quo macht und - statt kernig bei der Politik für den Beruf und seine gegenwärtig bereits beispielhaften Leistungen in die Bütt zu gehen - krampfhaft eine ebenso unstrukturierte und wie ziellose Flucht betreibt in zukünftig vermeintlich attraktive, neue Berufsfelder !
Nein, die "Bemühungen" der ABDA waren, sind und bleiben auch in 2016 allemal halbherzig (und das bemerkt auch die Politik!) und sind ein Schlag ins Gesicht all der Kolleginnen und Kollegen, die nach etlichen Berufsjahren das Schild abhängen und den Schlüssel unter die Matte legen müssen - ohne einen Nachfolger zu haben. Auch in diesem Jahr.

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