Versorgungsatlas veröffentlicht Impfquoten

HPV-Impfung setzt sich nur schwer durch

Berlin - 15.01.2016, 12:55 Uhr

Zwei kleine Pikse - und das Risiko, dass HP-Viren Gerbärmutterhalskrebs verursachen, sinkt beachtlich. (Foto: TK)

Zwei kleine Pikse - und das Risiko, dass HP-Viren Gerbärmutterhalskrebs verursachen, sinkt beachtlich. (Foto: TK)


Seit Mai 2007 empfiehlt die STIKO für Mädchen die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) – seit 2014 bereits ab dem Alter von neun Jahren. Die Impfung soll insbesondere Gebärmutterhalskrebs vorbeugen. Doch in Deutschland sind weniger die Hälfte der Mädchen tatsächlich geimpft.

Eine im Versorgungsatlas veröffentlichte Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigt: Die von der ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene HPV-Impfung, die insbesondere Gebärmutterhalskrebs, aber auch anderen durch die verschiedenen HP-Viren verursachten Erkrankungen, vorbeugen soll, hat sich noch nicht breit durchgesetzt.

Da ein bundesweites Monitoring der HPV-Impfquoten nicht existiert, errechneten die RKI-Wissenschaftler die Quoten aus bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für das Ende des Jahres 2013. In der Gruppe der zwölfjährigen Mädchen hatten demnach bundesweit weniger als ein Prozent die drei erforderlichen Immunisierungen erhalten. Dann steigen die Kurven linear zum Alter: Bei den 17-Jährigen hatten 40 Prozent die komplette Impfung erhalten.

Höhere Impfquoten im Osten

Die regionalen Unterschiede sind beachtlich. Einmal wieder zeigt sich, dass die Menschen in Ostdeutschland Impfungen offener gegenüberstehen. Während die zwölfjährigen Mädchen in Baden-Württemberg und Bremen nur zu 0,3 Prozent vollständig geimpft waren, steht Sachsen-Anhalt hier mit einer Quote von 2,2 Prozent an der Spitze. Bei den 17-Jährigen sind die Quoten in Bremen mit 30 Prozent am geringsten. In Mecklenburg-Vorpommern sind hingegen 59 von 100 Mädchen gegen eine HPV-Infektion geschützt.

Anteil der Mädchen der Geburtskohorte 1996 mit in 2013 vorhandener erster, zweiter und dritter HPV-Impfung nach Bundesländern (soweit vorhanden) (Grafik: Versorgungsatlas.de)

Wer früher impft, braucht nur zwei Impfdosen

Seit Mai 2007 ist die HPV-Impfung für Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren empfohlen. 2014 setzte die STIKO das Impfalter herab: Zwischen neun und 14 Jahren soll der Piks nun erfolgen. Zum einen um sicherzugehen, dass die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt – denn die ansteckenden humanen Papillomviren sind sexuell übertragbar. Zum anderen führt eine Impfung im jüngeren Alter offenbar zu einem besseren Ansprechen gegen HPV. Daher kann bei jüngeren Mädchen nach einem Zwei-Dosen-Schema geimpft werden: Nach der Erstinjektion ist nur eine weitere Injektion sechs Monate später erforderlich. Möglicherweise kann dies künftig dazu führen, dass mehr Mädchen komplett geimpft sind. Bei älteren Mädchen (14 oder 15, je nach Impfstoff) sind dagegen drei Impfungen nötig. Wurden Impfungen versäumt, so rät die STIKO, diese spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachzuholen.

Hoher, aber kein hundertprozentiger Schutz

Die beiden derzeit verfügbaren Impfstoffe Gardasil und Cervarix richten sich gegen zwei besonders riskante krebsauslösende HPV-Typen: HPV 16 und 18. Diese lösen 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebsfälle aus. Gardasil schützt überdies gegen die Niedrigrisiko-Typen HPV 6 und 11, die vor allem für die Entstehung von Genitalwarzen verantwortlich sind. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass die Impfung auch teilweise vor Infektionen mit anderen krebsauslösenden Typen (z.B. HPV 31 und 45) schützt, gegen die der Impfstoff nicht direkt gerichtet ist. Ein weiterer Impfstoff – Gardasil 9 – ist seit letztem Jahr zugelassen, hierzulande allerdings noch nicht verfügbar. Er soll zusätzlich Schutz bieten vor den HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58. Da es also noch mehr gefährliche HP-Viren gibt, weisen Frauenärzte darauf hin, dass die Impfung die jährliche Krebsfrüherkennung nicht obsolet macht.

Die verfügbaren Impfstoffe gelten als sicher und gut verträglich. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen von Gardasil sind Hautreaktionen an der Einstichstelle mit Rötung, Schmerzen, Schwellung oder kleinem Bluterguss, und eine vorübergehende Temperaturerhöhung. Dennoch wurde in den letzten Jahren viel über Nebenwirkungen diskutiert: von Allergien über Herz-Kreislauf-Probleme und chronischen Schmerzen bis hin zu Todesfällen. Ob sie allerdings wirklich durch die Impfung ausgelöst wurden, ist nicht bewiesen. Vielmehr entlastete die Europäische Arzneimittelbehörde EMA im vergangenen November die HPV-Impfstoffe vom Verdacht, zwei schwere Krankheiten zu verursachen: POTS, eine Erkrankung, die mit Herzrasen, Schwindel und Übelkeit einhergeht, und das CRP-Syndrom, das zu Bewegungsstörungen und chronischen Schmerzen führt.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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