FAZ Zu Gesundheitskosten

Chronisch Kranke zahlen am meisten zu

Berlin - 07.01.2016, 08:08 Uhr

Mehr Versicherte, weniger von Extrakosten befreite chronisch Kranke: Bei Arzneimitteln sind die Zuzahlungen laut BMG gemessen am Gesamtdurchschnitt am stärksten gestiegen. (Foto: Andrzej Tokarski / Fotolia)

Mehr Versicherte, weniger von Extrakosten befreite chronisch Kranke: Bei Arzneimitteln sind die Zuzahlungen laut BMG gemessen am Gesamtdurchschnitt am stärksten gestiegen. (Foto: Andrzej Tokarski / Fotolia)


Kassenpatienten werden zur Kasse gebeten, titelt die FAZ am Donnerstag. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums müssen die Deutschen 2016 nicht nur mehr Geld für ihre Versicherung zahlen. Auch im Sanitäts- und Krankenhaus und in der Apotheke werden die Menschen mit höheren Zuzahlungen belastet. 

Schon vor der aktuellen Erhöhung der Zusatzbeiträge durch zahlreiche Krankenkassen mussten gesetzlich Versicherte nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) für ihre medizinische Versorgung mehr Geld ausgeben. Ihre zu leistenden Zuzahlungen seien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Allein in den ersten drei Quartalen beliefen sich die Ausgaben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf 2,84 Milliarden Euro, das sind 125 Millionen Euro mehr als im Vergleichszeitraum im Jahr 2014. Es sei zu erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Weniger chronisch Kranke von Extrakosten befreit

Kassenpatienten müssen in 2016 laut FAZ nicht nur für ihre Versicherung mehr zahlen, auch im Sanitätshaus, im Krankenhaus und in der Apotheke werde es teurer. Dies ließen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr vermuten. 2012 und 2013 waren die Zuzahlungen noch relativ konstant geblieben. 

Die Kosten verteilten sich heute aber auf mehr Menschen, berichtet die FAZ, weil weniger Versicherte von der Zuzahlung befreit waren. Ende September 2015 galt dies noch für 4,9 Millionen Menschen, im Vorjahresmonat waren es 100.000 Kassenpatienten mehr. Laut BMG sei die Zahl der Versicherten, die von der Zuzahlung befreit sind, um 2,2 Prozent gesunken.

Laut FAZ sind die Zuzahlungen in allen Bereichen gestiegen, also bei den Heil- und Hilfsmitteln genauso wie in der Physiotherapie oder den ersten 28 Tagen im Krankenhaus. Den größten "Batzen" machten laut FAZ allerdings die Zuzahlungen in der Apotheke aus. Insgesamt 1,6 Milliarden Euro waren es von Januar bis Ende September 2015, knapp 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Diese Summe sei nach Feststellung des BMG mit 6,3 Prozent überproportional hoch ausgefallen, schreibt die FAZ. Nicht erwähnt wird allerdings, dass dieses Geld nicht in den Apotheken bleibt, sondern an die Kassen durchgereicht wird. 

Die ABDA wird dazu noch an diesem Tag ein Statement abgeben. 


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

ABDA kritisiert Aktuelle Berichterstattung

Kassen könnten Patienten schnell entlasten!

ABDA kritisiert Berichterstattung zu Arzneimittelkosten

„Die Apotheken tun ihr Bestes“

FAZ-Bericht über Selbstbeteiligung

Zuzahlung pro Packung steigt jährlich um 10 Cent

GKV-Finanzergebnisse im 1. Halbjahr 2016

Rabattverträge entlasten Kassen um 1,81 Milliarden Euro

Analyse zu den GKV-Arzneimittelausgaben

Differenziertere Betrachtung notwendig

Vorläufige GKV-Finanzergebnisse 2016

Kassen horten 25 Milliarden, Hersteller laufen Sturm 

Seit 2011 Anzahl fast halbiert

Immer weniger Arzneimittel ohne Zuzahlung

3 Kommentare

Keine Antwort der ABDA

von Reinhard Rodiger am 07.01.2016 um 18:25 Uhr

Auf ihrer Web-site gibt die ABDA zwar windelweich die Zuzahlungsregeln bekannt und weist darauf hin, dass höhere Arzneimittelpreise nicht zu höheren Zuzahlungen führen.Das reicht aber nicht, um zu klären, ob die Steigerungen nicht etwa darauf zurückzuführen sind, dass die Kassen vermehrt Zuzahlungen verlangen. Es ist kein Geheimnis.dass viele Rabattarzneimittel nicht mehr zuzahlungsfrei sind.
Interessant wäre auch, wie hoch die Beträge sind, die die Patienten auf die Rabatte zahlen müssen. Der echte Preis für die GKV ist ja niedriger als die Berechnungsgrundlage für die Zuzahlung. Der durchschnittliche Generika-Preis liegt bei ca 30 €. Überschlägig ergibt sich bei 20% Rabatt ,dass die Kasse ca 20% mehr erhält, als ihr zusteht(ca. 3€ statt
2,40€ ). Oder man muss sagen es sind 12% Zuzahlung. Nur eine Möglichkeit, die Kassenaussage, dass es in den Apotheken teurer wird zu kontern.
Schliesslich sind die Rabatte der Industrie an die Kassen um mehr als 10 % gestiegen (1-9).

Aber sicher liegt das ja alles vor und wird nur nicht genutzt?? Es besteht der Eindruck,hier hat niemand ein Interesse, das Bild " in der Apotheke wird es teurer" zurecht zu rücken.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wozu gibt es die Überforderungsklausel?

von Kerstin Kemmritz am 07.01.2016 um 14:16 Uhr

So richtig verstehe ich das nicht, schließlich gibt es ja gerade für die chronisch Kranken die 1-%-Überforderungsklausel. Wenn also die Zuzahlungen nun in ihrer Gesamthöhe so dramatisch(???) angestiegen sind (weil nicht mehr so viele Hersteller ihre Präparate für 30 % unter Festbetrag verramschen oder die Anzahl der chronisch Kranken angestiegen ist), dann ist doch der Einzelne nicht mehr "überfordert" als bisher. Klingt alles irgendwie nach Jammern auf hohem Niveau oder dem Sack Reis in China...

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Dramatische Höhe????

von Reinhard Rodiger am 07.01.2016 um 19:18 Uhr

In 1-9/2015 sind die Zuzahlungen mit rd 6% gestiegen, die Gesamtkosten um 5% und die nicht gesetzlichen Industrierabatte um über 10%.Die Kassen profitieren überproportional von ihren Erpressungen und zocken zusätzlich die Patienten ab.Davon wird wirksam abgelenkt. Und ABDA wieder ohne Antwort-

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.