„Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?“

Apotheke protestiert gegen Test in „medizini“

Stuttgart - 04.01.2016, 08:00 Uhr


An der Januarausgabe des Kindermagazins "medizini" gibt es Kritik: an einem Test zum Thema Figur. Eine Apotheke aus Baden-Württemberg gibt das Heft nicht ab - und erhält Lob von Eltern und Kollegen. 

„Im Januar wird es bei uns kein Kindermagazin 'medizini' geben. Warum wir uns für diese Maßnahme entschieden haben, möchten wir Ihnen gerne erklären“ – so beginnt ein Post auf der Website der Post-Apotheke aus Edingen-Neckarhausen vom 31. Dezember 2015. 

Die Aktion hat Folgen: In den Sozialen Medien, vor allem auf Facebook bedanken sich Eltern wie Kollegen bei dem Team der Apotheke. Ein User schreibt, er habe "Medzini" als Kind vor allem wegen der Tiere und Poster geliebt. "Wenn ich eine 'Bravo' gewollt hätte, wäre ich zum Kiosk gelaufen, nicht in die Apotheke!" Am Wochenende berichteten dann auch mehrere Tageszeitungen wie der Kölner Stadtanzeiger und die Berliner Zeitung über die Aktion der Pharmazeuten aus Baden-Württemberg. 

„Das Wichtigste an der kostenlose Beilage für Kinder sei in der Regel das Tierposter", heißt es etwa in der Berliner Tageszeitung. Doch dieses Mal enthalte das Heftchen einen Test, und der stehe im Fokus der Kritik, zitiert die Berliner Zeitung den Apotheken-Protest.

Zu früh, kein Druck

Die Januar-Ausgabe von „medizini“ frage „Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?“, schreibt das Team um Thomas Luft aus Neckershausen. „Medizini“ richte sich nach Angaben des Wort & Bild-Verlags, der die Zeitschrift herausgibt, an Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. „Als Eltern von kleineren und größeren Kindern finden wir es falsch, bereits in diesem Alter Druck in Richtung ‚Bin ich zu dick?’ aufzubauen bzw. den Blick in Richtung Schlankheitswahn zu schärfen.“ 

Test wollte für Thema sensibilisieren

Thomas Luft war durch einen Beitrag auf der Facebook-Seite der Apothekerin Ann-Katrin Kossendey-Koch auf das Thema aufmerksam geworden. Dort schreibt sie unter anderem:

"Lieber Wort- und Bildverlag, hast Du schon mal darüber nachgedacht, dass keine 5jährige superenge Hosen tragen sollte oder sich darüber Gedanken machen sollte? Wieso druckst Du ein Foto von einem kleinen Mädchen, dass sich beschämt im Spiegel betrachtet? Das ist einfach nur inakzeptabel!"

Kossendey-Koch hat dann am 30. Dezember mit dem "Medizini"-Chefredakteur telefoniert, dieser habe ihr seine Motivation erklärt. "Der Test soll helfen, Kinder vor Magersucht zu retten. Das Thema sei längst in der Schule und man versuche, die Kinder da abzuholen." Doch die Umsetzung dieses Ansatzes stört nicht nur Kossendey-Koch. 

„Wir halten den gewählten Weg aber für falsch. Unsere Aufgabe als Eltern - und auch als Apotheker und PTA - ist es, Kindern die Grundlagen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu vermitteln. Dabei sollte im Kindesalter noch nicht auf die Figur geachtet werden, da diese durch verschiedene Wachstumsphasen geprägt ist und sich oft verändert", schreibt das Team um Thomas Luft aus Neckarhausen.

Scheinbar haben wir da aber einen Nerv getroffen, berichtet Apothekenleiter Thomas Luft DAZ.online,  "Ich bin erstaunt und erfreut, welche Kreise unsere kleine Aktion inzwischen zieht."


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6 Kommentare

mehr soziale Medien

von Stavenhagen-Neumann am 04.01.2016 um 19:37 Uhr

auf jeden Fall positiv, dass es bei Facebook gelandet ist. Ist schon mal als Imagepflege zu werten. Nach dem Motto: "Tue Gutes und rede darüber". Die Apotheken wirken zu sehr im Hintergrund und stellen ihr Licht permanent unter den Scheffel. Und die ABDA ist auch nicht anders, nur noch verstaubter.

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Einfach herausnehmen

von Stefan Haydn am 04.01.2016 um 19:22 Uhr

Protest beim Wort und Bild Verlag muß sein.

Ich für meinen Teil habe die Einlage mit dem Test einfach herausgenommen und kann so zumindest das Tierposter noch abgeben. Wenn jemand nach dem zweiten Poster fragt kann ich das so wenigstens im persönlichen Gespräch noch mal ansprechen.

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Medi und Zini

von Dr. Albrecht Emmerich am 04.01.2016 um 18:24 Uhr

Man sollte diese Aktion verbinden um gegen das Diktat: "Holen Sie sich Ihre Zeitung in der Apotheke" vorzugehen. Aber wie immer - alle schimpfen und keiner tut was.
Wieviel kostet die Kundenzeitschrift jedes Jahr die Apotheke ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Man muß sich dem Verlag ja nicht beugen!

von Damian Ott am 05.01.2016 um 15:21 Uhr

Dann schimpft nicht nur, sondern unternehmt etwas. Ich habe die Zeitschriften des Verlags aus meiner Apotheke verbannt, es gibt ja auch noch andere Kundenzeitschriften, die nach einer Zeit der Umgewöhnung von den Kunden durchaus geschätzt werden.

Da sehen .....

von gabriela aures am 04.01.2016 um 13:43 Uhr

...wir mal wieder, was mit ehrlichem Engagement erreicht werden kann.
Ich schäme mich für diese (teure und ..neee, nettiquette ! )Standesvertretung - sie tut es nämlich sicher nicht !

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Klasse Aktion!!

von Rolf Lachenmaier am 04.01.2016 um 12:32 Uhr

... aber umso enttäuschender, dass die ganze bezahlte Riege um Hrn. Dr. Kern so gar nichts (be-)merkbares hinbekommt. Es könnte so einfach sein. Aber da steht dann auf der ABDA-facebook-Seite eine Information zur (vermeintlichen) "Erhöhung der Notdienstpauschale". Einfachste Kommunikations-Modelle nicht verstanden? Und die DAK & Co. retaxieren frech weiter.
Ein DAV-Vorsitzender verpasst es regelmäßig bei öffentlichen Statements, den Kassenabschlag beim Honorar zu erwähnen (zu finden: Überlegungen zu Rezepturberechnung) ... etc. Fettnapf über Fettnapf.
Da werden für teuer Geld Überlegungen zum Berufsbild angestellt - wobei ein Minister Gröhe das Ganze schon fertig gepackt und geschnürt hat... Wahnsinn!

Wie gesagt, Daumen hoch für AKK-K und T. Luft!! So funktionierts!

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