Vitamin D

Schützt es oder nicht?

Berlin - 18.12.2015, 17:25 Uhr

Viel wird erhofft, wenig ist erwiesen: eine Vitamin-D-Supplementation ist nicht unumstritten. (foto: andriano_cz- Fotolia.com)

Viel wird erhofft, wenig ist erwiesen: eine Vitamin-D-Supplementation ist nicht unumstritten. (foto: andriano_cz- Fotolia.com)


In der zweiten Jahreshälfte 2015 gab es zahlreiche Diskussionen darüber, ob eine Vitamin D-Supplementation überhaupt Sinn macht. Anlass dazu hatten die negativen Ergebnisse mehrerer Studien gegeben.

Auch die Stiftung Warentest hatte sich mit dem Thema beschäftigt und kommt in ihrer September-Ausgabe zu dem Fazit: „Nach jetzigem Kenntnisstand schützen Vitamin-D-Präparate nur bedingt vor Krankheiten.“ Zu den Erkrankungen, vor denen das sogenannte Sonnenvitamin schützen soll, gehören beispielsweise Krebs, Diabetes, Depressionen, Herz-Kreislauf- und Autoimmunkrankheiten. Doch Studien hatten gezeigt, dass das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs maximal um 15 Prozent gesenkt werden könnte. Stiftung Warentest empfiehlt daher vor allem Risikogruppen die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, also Babys (im ersten Lebensjahr und zweiten Winter, Senioren ab 65 Jahren, dunkelhäutigen Menschen sowie Menschen mit sehr wenig Sonnenkontakt (z. B. Pflegeheimbewohner) und nach wie vor Osteoporose-Patienten.

Kein Schutz vor Osteoporose bei Frauen

Auch eine im Fachblatt JAMA veröffentlichte Studie brachte aus Sicht der Befürworter einer Vitamin D-Supplementation enttäuschende Ergebnisse. Darin eingeschlossen waren 230 postmenopausale Frauen bis 75 Jahre ohne Osteoporose, die Vitamin D-unterversorgt waren. Jedoch erbrachte nach einer Beobachtungszeit von einem Jahr weder die Normaldosis-Therapie (1-mal täglich 800 IE Vitamin D3) noch die Hochdosistherapie (zweimal monatlich 50 000 IE) bei den sekundären Endpunkten Knochenmineraldichte (an Wirbeln, Hüfte, Oberschenkelhals), Trabekel-Mikroarchitektur oder der Muskelmasse irgendwelche positiven Veränderungen.

  • DAZ 47/2015 

Kein Nutzen in der Chemoprävention

Auch die Hypothese, dass Vitamin D das Wiederauftreten von kolorektalen Karzinomen verhindern könnte, konnte in einer randomisierten Studie mit Vitamin D und Calcium nicht bestätigt werden. Darin wurden rund 2260 Patienten über drei bis fünf Jahre mit Vitamin D (1000 IE/d), Calciumcarbonat (1200 mg/d) oder einer Kombination behandelt, doch das Risiko für neue kolorektale Karzinome ließ sich damit nicht signifikant reduzieren.

Mehr Klarheit in 2016?

Prof. Dr. med. Helmut Schatz, Direktor a.D. der Medizinischen Universitätsklinik Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum vertritt in einem DAZ-Beitrag (44/2015) die Ansicht, dass gesunde Menschen kein Vitamin D zu supplementieren brauchen und auch ihre Vitamin D-Spiegel nicht bestimmten lassen sollten. In der Osteoporose-Therapie sei der Nutzen unbestritten, während eine Prophylaxe nur bei Risikopatienten (s.o.) durchgeführt werden sollte.

Derzeit laufen zwei große Studien mit jeweils 20.000 Teilnehmern (die VITAL-Studie in den USA und die VIDAL-Studie in Großbritannien) die klären sollen, ob Vitamin D vor Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebserkrankungen schützt. Mit den ersten Ergebnissen rechnet man 2016.


Dr. Claudia Bruhn, Apothekerin / Autorin DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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