Kossendeys Gegengewicht

Freut euch, aber nicht zu früh!

Stuttgart - 17.12.2015, 10:45 Uhr


Die berufspolitischen Geschenke zu Weihnachten fallen in diesem Jahr eher unter die Rubrik „Socken oder Töpfe“, meint Apothekerin Ann-Katrin Kossendey:  Man hat es sich nicht gewünscht,  kann es zwar benutzen, freuen tut  man sich allerdings nicht. 

Nur noch acht Tage, dann ist wieder Heilig Abend. Und damit die Zeit der Weihnachtswunder und der großen und kleinen Wünsche. Meine Mutter sagte früher immer: „Wünschen kann man sich alles, ob man es auch bekommt, ist eine andere Frage!“ Dass mich dieser Satz nicht nur durch meine Kindheit, sondern auch durch mein Berufsleben als selbstständige Apothekerin begleiten würde, hätte ich nicht geglaubt. 

Und dass meine berufspolitischen Wünsche alle unerfüllt bleiben würden, hätte ich mir erst recht nicht gedacht. Meine Wünsche für das diesjährige Weihnachtsfest? Eine Anhebung unseres Fixums auf das Niveau von 2015, ein gleichberechtigtes Mitwirken am Medikationsplan gegen Honorar und endlich Klarheit im Retax-Dschungel und damit Planungssicherheit für uns Apotheker. Wie gesagt, wünschen kann man sich alles. Das Gute ist ja, dass ich jedes Jahr gar nicht bis Weihnachten warten muss, um wieder mal enttäuscht zu werden. 

Hoffnungen gemacht

Große Reden „Weg vom Fixzuschlag“ zerfielen zu einem jämmerlichen „Na gut, wenn nichts anderes geht, dann eben doch Erhöhung des Fixzuschlags“. Unsere Honorarforderungen bleiben freundlich und leise, nicht dass uns noch einer damit hört.

Einhergehend mit den ellenlangen Online-Diskussionen über unser Berufsbild und dem wertlosen Perspektivpapier wurde uns Apothekern Hoffnung gemacht, dass wir bald am Medikationsplan mitarbeiten dürfen, natürlich nur nach vorher absolvierter kostenpflichtiger Fortbildung und ohne jegliche Aussicht auf eine Entlohnung. Da sind wir Apotheker ja so leicht manipulierbar. Es braucht nur der kleinste Hoffnungsschimmer am Horizont erscheinen, schon werden im vorauseilenden Gehorsam diverse Fortbildungen besucht, mit der Begründung, dass wir erst Geld für unsere Arbeit verdient haben, wenn wir unser eigenes hohes Niveau selber noch toppen können.  

Und was sagt die Realität (mal wieder)? Eene meene meck und wir sind weg - keine gleichberechtigte Mitarbeit am Medikationsplan und vor allem keine Entlohnung. Und was machen wir Apotheker? Wir kriechen zu Kreuze und bieten unsere kostenlose Mitarbeit als Hilfsassistent des Arztes an. Und wäre das nicht schon schlimm genug, versucht unsere ABDA das ganze Drama noch als Erfolg zu verkaufen. Wenn dies das Ergebnis dieser Undercover-James-Bond-Arbeit unserer ABDA ist, dann möchte ich die geheimen Erfolge lieber erst gar nicht wissen.

Verein zu Weihnachten

Sicherheit vor ungerechtfertigten Retaxationen gibt es auch nicht. Aber wenigstens hat die DAK mal vorgelegt, wie man erfolgreich einen neuen Pressesprecher einführt, nämlich mit der knallharten Aussage, wir Apotheker seien doch selber Schuld an den Retaxationen, verpackt als Sorge um die Patientensicherheit. Chapeau! Von dem ABDA-Pressesprecher habe ich so was noch nicht gehört - allerdings kann ich mich auch gar nicht erinnern, da überhaupt mal was gehört zu haben.

Und was bekomme ich nun berufspolitisch zu Weihnachten? Einen eingetragenen Verein. Das ist wie Socken oder Töpfe zu Weihnachten. Man hat es sich nicht gewünscht,  kann es zwar benutzen, freuen tut  man sich allerdings nicht. Naja, bis auf den ABDA-Vorstand, der hat sich ja riesig gefreut.  

Wiedermal sind sich alle trotz desaströser Kommunikationspolitik des Vorstands einig, und in Berlin herrscht im demokratischsten aller demokratischen Vereine vorweihnachtliche besinnliche Stimmung. Neuwahlen braucht es bei soviel Einigkeit nicht, alle sind mit den Superagenten der ABDA-Spitze rundum zufrieden. Und können sich pünktlich zu Weihnachten selbst bescheren, mit einem neuen Eigenheim in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofes. Ach, wer braucht schon mehr Geld für seine geleistete Arbeit, kaufmännische Planungssicherheit oder ein selbstbestimmtes Berufsbild bei so viel Harmonie? Wenn sich doch alle berufspolitischen Probleme so leicht und friedvoll lösen ließen. 

Und was bringt mir nun der eingetragene Verein? Vielleicht bekommen wir Apotheker ja jetzt Spendenquittungen für unsere Zwangsbeiträge. Dann wäre das Geschenk ja doch nicht so nutzlos, wie es auf den ersten Blick aussieht. Und nächstes Jahr, da wünsche ich mir dann das Scheitern des Antikorruptionsgesetzes, das Ende der Rabattverträge, eine erfolgreiche ABDA und ein regenbogenfarbenes Einhorn mit Glitzermähne... wünschen kann man sich ja alles!


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13 Kommentare

Einer alleine darf sich etwas wünschen,

von Christiane Patzelt am 17.12.2015 um 14:08 Uhr

viele zusammen müssen fordern! Wir leisten tagtäglich mit unserem Engagement eine ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung unter den widrigsten Umständen! Ich fordere genau dieses zu Konditionen, unter denen sich diese Aufgabe aufrecht erhalten lässt. Es kann doch wohl nicht angehen, dass wir unter den menschenfeindlichsten Umständen fürs Geimwohl prostituiert werden! Ich habe doch nicht Pharmazie studiert, um als Leibeigene des Gemeinwohls mit einer 80-Stundenwoche am Stock zu gehen, seid ihr denn alle bekloppt? Mir ist egal, was andere Berufsstände wie erreicht haben, ich fordere von den von mir gewählten Vertretern eine ZUKUNFT! Logischerweise auch finanziell!! Was ist eigentlich mit den Standesvertretern passiert, dass sie den Finanzierern permanent in die Beine schiessen? Wollen sie uns tanzen oder bluten sehen?? Um Frau Kemritz zu zitieren, wir gucken nicht nach vorne, wir gucken nur nach unten!! Schluss damit!! Ich will meine Zukunft zurück, ihr macht mich arm und krank!!

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AW: Jetzt mal nicht übermütig werden ;)

von Ann-Katrin Kossendey-Koch am 17.12.2015 um 15:57 Uhr

Liebe Christiane,
also gleich eine ganze Zukunft zu wollen...und dann noch fordern und nicht wünschen, das geht nun wirklich nicht ;)
Erinnerst Du Dich noch an die Argumente, die Friedemann Schmidt anbrachte, warum es doch so toll sei, selbstständiger Apotheker zu sein? Die angebliche Selbstbestimmung und immer zu wissen, dass man für das Gemeinwohl buckelt. Auf meine Frage, wie man damit seine Kinder satt bekommt, hatte er keine Antwort- ach was?!
Es kann sich nur was ändern, wenn die Apotheker mal aus ihrer Opferrolle rausgehen und anfangen zu agieren. Oje...ich bin schon wieder dabei, mir unrealistische Sachen zu wünschen.

AW: Liebe Ann-Kathrin,

von Christiane Patzelt am 17.12.2015 um 16:41 Uhr

am Schlimmsten finde ich die Art der Friedemann-Le-Roi-cést-moi-Ludwig XIV.-ABDA-Mischpoke, die mit vollsten Händen unser Geld ausgeben, während wir hart und scharf rechnen müssen, viele Sonntage dran geben, um auf dem Laufenden zu bleiben und permanent den Eiertanz haben mit dem Null-Retax-Risiko!! Ich bin einfach nur sauer!!
Toll finde ich, dass dir die DAZ eine Plattform gibt und du das so wortgewandt wie immer verwendest - mehr davon :-*!

Niemand mag Socken zu Weihnachten

von Albrecht Bodegger am 17.12.2015 um 11:59 Uhr

https://youtu.be/5YRHbsaH7nk

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So wahr

von Lisa Schrader am 17.12.2015 um 7:15 Uhr

So wahr und so großartig. Ich bin "nur" Angestellte,aber eine eigene Apotheke würd ich nicht geschenkt nehmen, so lange die Abda von Duckmäusern und - mit Verlaub - absolut nichtsnutzigen Eierköppen geführt wird! Vielleicht sollte ich mich da mal bewerben - keine Notdienste, die viel gerühmte Planungssicherheit, bestimmt sogar mehr Geld? Na, das wär doch mal was! Als Studentin (ohne familiären pharmazeutischen Hintergrund) war mir nicht klar, was für ein Haufen Loser die Apothekerschaft ist, bloß nicht anecken, nie mal laut werden, das Wort Streik kann ja sowieso keiner buchstabieren. Heutzutage rate ich jedem nur ab, einen pharmazeutischen Beruf zu ergreifen, traurig, aber wahr! Dann hab ich wenigstens ein reines Gewissen. Die Arzthelferin aus der Praxis nebenan hat letztens erzaehlt, dass ihr 16jähriger Sohn mit Realschulabschluss in der Ausbildung beim Finanzamt mehr verdient, als unsere Vollzeit-Pka... die hat sich vielleicht gefreut! Und wenn man bedenkt,dass die PTAs nur unwesentlich mehr verdienen,dafür aber die Schule selbst bezahlen dürfen, da frag ich mich wer diesen Beruf überhaupt ergreift... Na dann mal frohe Weihnachten...

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AW: So (absolut) wahr!

von Hans Seidler am 17.12.2015 um 12:13 Uhr

Besser kann man es nicht schreiben.
Schöne Grüße von einem Leidensgenossen.

Liebe AKK -K ....

von gabriela aures am 16.12.2015 um 21:01 Uhr

...übers Einhorn mit Glitzermähne könnte man nachdenken - vielleicht sogar ein Jedi-Schwert on top.

Der Rest ?
Träum' weiter und begnüge Dich mit dem erhebenden Gefühl des Gemeinwohles.
Eigentlich laufen wir ja mittlerweile als "Ehrenamtliche Notnägel".
Und sieh' bloß zu, daß Labor, Apotheke, Beratungsraum, Diskretionszone, Sortiment und Temperatur ja immer QMS-mäßig den neuesten Vorgaben entsprechen , denn nur so ( und nämlich nicht durch gefälschte Importe oder Nicht-Lieferfähigkeit oder immer neue Rabattverträge ohne Ansehen der Darreichungsform) werden die Menschen sicher versorgt.

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AW: Der Wunschbaum

von Dr. Christoph Klotz am 17.12.2015 um 1:06 Uhr

Ich wünsche mir den Mond und Du Dir die Sonne. Warum wünschen wir uns das. Die "hängen" doch schon am Himmel. Apotheker spielen - berufspolitisch - lieber Hangover, will sagen, sie manövrieren sich selbst in unmögliche Situationen und erwarten dann das Wunder geschehen. So ein Wunschbaum kann keine Früchte tragen. Weil, ... weil seine Wurzeln ihn nicht nähren.
Ich habe deshalb einen genz einfachen Wunsch, dass wir das, was wir mit Apothekerprotest begonnen haben, fortführen. Vor diesem Protest haben sie sich damals gefürchtet. Die Regierenden fürchten sich immer, wenn das Volk sich von einer schweigenden Mehrheit in eine mehr als gefühlte Protestwelle wandelt.
Wer sich an der Basis nicht engagiert soll sich nicht über die Ohnmacht gegenüber den Herrschenden beklagen.

AW: Handlungsanweisungen

von Ann-Katrin Kossendey-Koch am 17.12.2015 um 8:25 Uhr

Liebe Gabriela, allein die QMS-mäßige Überwachung reicht doch nicht, erst durch die dazugehörige Handlungsanweisung rettest Du tagtäglich Patientenleben :) Ich vermisse noch Handlungsanweisungen fürs Atmen und Denken.

AW: Sonne, Mond und Sterne :)

von Ann-Katrin Kossendey-Koch am 17.12.2015 um 8:34 Uhr

Lieber Christoph, wie bringe ich eine sich womöglich wehrende Masse zielsicher zum Schweigen? Indem ich ihr Arbeit aufdrücke...viel und möglichst sinnfreie Arbeit. Ich gebe Dir Recht, dass es längst überfällig ist, dass die Apotheker aufbegehren gegen den tagtäglichen Irrsinn, aber ich weiß auch, dass so manchem Kollegen einfach die Zeit und auch die Motivation fehlt, sich berufspolitisch zu engagieren. In Teilen von Deutschland fehlen Approbierte, unser täglicher Arbeitsablauf ist deutlich komplizierter und zeitraubender geworden und die Familie und Hobbies kommen sowieso schon zu kurz.
Es müssen ja auch nicht alle aktiv sein, es reicht ja schon, zur richtigen Zeit die richtigen Leute zu unterstützen.

Kommentar kommentiert ;-)

von Nicola Kuhrt am 16.12.2015 um 18:59 Uhr

Lieber Herr Lachenmaier,
es wäre sehr schade, Sie würden sich nicht mehr bei DAZ.online beteiligen! Und es ist ja nicht STÄNDIG erforderlich, sondern einmal am Tag, dann kann den ganzen Tag gepostet werden.

Wir achten sehr darauf, dass die Kommentare auf DAZ.online von Lesern kommen, die dies mit ihrem echten Namen bestätigen, daher ist diese zugegeben etwas lästige Schleife leider erforderlich.
Bleiben Sie uns gewogen, ich würde mich sehr freuen. Nicola Kuhrt

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die AKK...

von Rolf Lachenmaier am 16.12.2015 um 18:13 Uhr

:-)
Grüße gen Wiefelstede!

und liebe Redaktion, nur kurz: die Kommentarmöglichkeit, die hier STÄNDIG eine Verifizierung per Mail fordert, sorry, aber das ist mir echt zu blöd! Viel Spaß weiterhin. Tschüß!

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AW: Dito :)

von Ann-Katrin Kossendey-Koch am 17.12.2015 um 9:00 Uhr

Lieber Rolf,

die Grüße sende ich gerne zurück ;)

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