Barmer GEK Arzneimittelreport

Scharfer Blick auf parenterale Zubereitungen

Berlin - 09.12.2015, 17:24 Uhr

Parenterale Zubereitungen mit monoklonalen Antikörpern kosten viel Geld - doch in den Arzneimittelausgaben der Kassen sind sie meist unberücksichtigt. (Foto: Barmer GEK)

Parenterale Zubereitungen mit monoklonalen Antikörpern kosten viel Geld - doch in den Arzneimittelausgaben der Kassen sind sie meist unberücksichtigt. (Foto: Barmer GEK)


Der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer GEK zeigt auf, welche Arzneimittel die Ausgaben der Krankenkassen nach oben treiben. Das sind nicht nur Humira®, Sovaldi® & Co. – auch individuelle parenterale Zubereitungen schlagen kräftig zu Buche. Doch sie werden in den Gesamtausgaben in der Regel nicht ausgewiesen, weil sich diese nur auf Fertigarzneimittel beziehen.

Die Autoren des Barmer GEK-Arzneimittelreports, Gerd Glaeske und Christel Schicketanz von der Universität Bremen, haben in diesem Jahr nicht nur die ausgabenträchtigsten Fertigarzneimittel untersucht. Erstmals haben sie auch onkologische parenterale Lösungen berücksichtigt. Denn die individuellen, in Apotheken hergestellten Zubereitungen verursachten im Jahr 2014 Ausgaben in Höhe von 424 Millionen Euro – und damit etwa zehn Prozent der Arzneimittelkosten bei der Barmer GEK. Seit 2004 hätten sich die Ausgaben für diese Rezepturen nahezu verdreifacht, erklärt der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Allein die knapp 89.500 parenteralen Lösungen mit monoklonalen Antikörpern und rund 328.000 sonstigen Zytostatika-Zubereitungen des Jahres 2014 hätten Ausgaben von rund 423,5 Millionen Euro verursacht.

Drei Rezeptur-Fertigarzneimittel in den Top Ten

Es sind vor allem die in der Onkologie verwendeten monoklonalen Antikörper, die diese individuellen Arzneimittel sehr teuer machen. Nimmt man die für diese Zubereitungen verwendeten Fertigarzneimittel mit in die Top Ten der nach Ausgaben führenden Arzneimittel bei der Kasse auf, so nehmen sie dort gleich drei Plätze ein. Dann schiebt sich Bevacizumab (z.B. Avastin®) auf Platz zwei hinter den Tumornekrosefaktor-α-Antikörper Adalimumab (Humira®), Trastuzumab (Herceptin®) findet sich auf Platz vier und Rituximab (Mabthera®) auf Platz neun.    

Glaeske zeigte zudem auf, dass die für die Zubereitungen verwendeten Fertigarzneimittel nahezu komplett in diesen aufgehen: Trastuzumab wird etwa zu 94 Prozent in Zubereitungen verwendet, Bevacizumab zu 98 Prozent und Rituximab zu fast 90 Prozent. Als Fertigarzneimittel finden sie in den Arzneimittelstatistiken daher gemeinhin keine Berücksichtigung. Ein Fehler, wie Glaeske meint. „Wir müssen mehr über diese Produktgruppe wissen“, sagt er. Etwa ob die Arzneimittel wirklich richtig angewendet werden. Das ist für ihn ein Fall für die Versorgungsforschung.

Zyto-Ausschreibung als Lösung?

Straub erwartet jedenfalls, das die Ausgaben für parenterale Zubereitungen in der Onkologie weiter steigen werden. Ob die Ausschreibung der Zytostatika-Versorgung eine Lösung ist, um die Preise in Griff zu bekommen, ließ er offen. Bislang läuft das Modell nur bei den AOKen Nordost und Hessen. Das Bundessozialgericht hat letzte Woche entschieden, dass Exklusivverträge einer Kasse mit Apotheken rechtens sind und andere Apotheken von der Versorgung ausschließen. Die Urteilsgründe sind noch nicht veröffentlicht. Sind sie da, wolle man sie sich genau anschauen, erklärte Straub. Und dann schauen, ob Ausschreibungen ein sinnvolles Beschaffungsinstrument sind. Glaeske äußerte sich zu diesem Komplex übrigens nicht. Vermutlich bewusst. Bekanntermaßen ist er kein Freund von Rabattverträgen.

Hier finden Sie den Barmer GEK-Arzneimittelreport 2015 als pdf zum Herunterladen.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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