KBV-Vertreterversammlung

Gassen: „Die KBV wird gebraucht“

Berlin - 04.12.2015, 14:40 Uhr

Andreas Gassen und Regina Feldmann - können sie das Image der KBV verbessern? (Foto: KBV)

Andreas Gassen und Regina Feldmann - können sie das Image der KBV verbessern? (Foto: KBV)


Die Kassenärztliche Bundesvereinigung steht derzeit massiv in der Kritik. Zugleich kann sie ihre innere Zerrissenheit nicht verbergen. KBV-Chef Andreas Gassen hat davon genug: Es müsse Schluss sein mit „unkontrollierten und selbstzerstörerischen Geisterfahrten“ – nun geht es um ein Zukunftskonzept der Kassenärzte.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), will die Ärzteschaft in seiner Organisation wieder einen: „Es muss Schluss sein mit unkontrollierten und selbstzerstörerischen Geisterfahrten. Es ist wichtig, dass wir es gemeinsam schaffen“, sagte er am Freitag bei der KBV-Vertreterversammlung. "Die KBV hat eine Zukunft. Sie wird gebraucht. Mehr denn je.“ Gassen sprach sich zudem für eine frühzeitige Positionierung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV zur Bundestagswahl 2017 aus.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hatte diese Woche erklärt, die KBV gehöre „abgeschafft“. Nach der Strafanzeige, die das Bundesgesundheitsministerium gegen Ex-KBV-Chef Andreas Köhler gestellt hat, sieht er die KBV an einem weiteren Tiefpunkt angelangt. Lauterbach hält den Verantwortlichen vor, ihre Streitigkeiten nicht in den Griff zu bekommen. Und die ihnen übertragenen Aufgaben erledigten sie auch notorisch schlecht.

Konzept KBV 2020: Ein Verband will sich ändern

Nun macht Gassen mobil: Er kündigte an, die KBV verändern zu wollen. „Daher habe ich das Konzept der KBV 2020 angestoßen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür streiten“, warb er bei den Delegierten. Man müsse sich auf die gemeinsame Stärke konzentrieren. Und gemeinsam müsse man die Frage beantworten, wo es in den kommenden Jahren mit der ambulanten Versorgung hingehen solle.

Bei allem Veränderungswillen: Die Politik ließ Gassen auch nicht ungeschoren davonkommen. Für ihn findet ein Paradigmenwechsel in der Versorgungslandschaft statt: Der Rückbau ambulanter Strukturen und die Entmündigung des freien Arztes sei der „unausgesprochene Masterplan“ der Bundesregierung. „Wir erleben Praxen-Verdrängungsprogramme in Serie“, sagte Gassen.

Feldmann: Beim Medikationsplan hat sich die KBV durchgesetzt

Dafür lobte Gassens Vorstandskollegin Regina Feldmann auf der Vertreterversammlung zumindest einen Aspekt des E-Health-Gesetzes: Den Medikationsplan. Die KBV habe durchsetzen können, „dass die Verantwortung dafür dem Arzt obliegt – und nicht etwa Apothekern“. Denn, so Feldmann: „Der Arzt stellt die Indikation, nur er verfügt über die für den Patienten notwendigen Informationen zur medikamentösen Therapie“. Sie begrüßte auch, dass der Gesetzgeber die Zertifizierungsverfahren der KBV auf die Funktionalitäten des Medikationsplans ausweiten will. Dies sei notwendig für eine einheitliche Umsetzung in allen Praxisverwaltungssystemen (PVS). „Zunächst müssen wir jedoch das Haftungsrisiko verbindlich klären“, mahnte Feldmann. Um den Ärzten größtmögliche Sicherheit zu bieten, fordert die KBV die verpflichtende Einführung einer Software zum Management der Arzneimitteltherapiesicherheit in die PVS. Diese prüft alle Verordnungen auf eventuelle Wechselwirkungen und gibt gegebenenfalls Warnhinweise.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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