INFEKTIONEN BEI VERBRENNUNGEN

Intelligenter Verband mit „Ampelfunktion“

Bath - 27.11.2015, 08:10 Uhr

Klever: Mit dem neuen Verband kann eine unnötige Gabe von Antibiotika vermieden werden. (Foto: University of Bath)

Klever: Mit dem neuen Verband kann eine unnötige Gabe von Antibiotika vermieden werden. (Foto: University of Bath)


Wissenschaftler der Universität im englischen Bath haben einen medizinischen Verband entwickelt, der die Farbe ändert, wenn eine Infektion vorliegt. Er soll die Behandlung von Verbrennungen verbessern und Antibiotika sparen helfen.

Kinder mit Brandwunden sind aufgrund ihres unreifen Immunsystems besonders anfällig für bakterielle Infektionen. Sie können die Wundheilung verlangsamen und zu längeren Krankenhausaufenthalten sowie einem erhöhten Risiko einer dauerhaften Narbenbildung führen. In schweren Fällen kann es zur Sepsis bis hin zum Tod kommen.

Erst mal ein Antibiotikum

Für Ärzte ist es derzeit sehr schwierig, Infektionen am Bett des Patienten schnell zu diagnostizieren. Die zur Verfügung stehenden Verfahren dauern bis zu 48 Stunden. Die Wundauflage muss entfernt werden, was für den Patienten schmerzhaft und belastend ist. Deswegen wird vielfach sicherheitshalber ein Antibiotikum gegeben. Nicht immer wird die Infektion dann nachher auch bestätigt.

Fluoreszenz zeigt toxische Bakterien an

Wissenschaftler der Universität von Bath haben nun in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum für Verbrennungen bei Kindern am Kinderkrankenhaus in Bristol und der Universität von Brighton einen Prototypen für einen Verband entwickelt, der die Farbe ändert, sobald die Wunde infiziert ist. So kann die unnötige Gabe von Antibiotika vermieden werden. 

"Unser medizinischer Verband funktioniert durch die Freigabe eines Fluoreszenzfarbstoffs aus Nanokapseln.“ erläutert Projektleiter Toby Jenkins. Er arbeitet im Fachbereich  für biophysikalische Chemie in Bath. „Diese wird durch die Toxine ausgelöst, die von krankheitserregenden Bakterien in der Wunde sezerniert werden. Die Nanokapseln imitieren Hautzellen. Sie brechen nur auf, wenn toxische Bakterien vorhanden sind. „Harmlose Bakterien, die normalerweise auf der gesunden Haut leben, können ihnen nichts anhaben“, sagt Jenkins. „Die Ärzte sehen dann gleich, was los ist, ohne den Verband abzumachen.“

Brian Jones, Mikrobiologe  an der Universität von Brighton, fügt hinzu: "Diese Verbandstofftechnik wird nicht nur den Ärzten helfen, Patienten mit Verbrennungen so schnell und gut wie irgend möglich zu behandeln. Sie könnte uns auch viel darüber sagen, wie Wundinfektionen beginnen und wie sie den normalen Heilungsprozess beeinträchtigen.“ Dies könnte wiederum weitere Fortschritte in der Behandlung von Infektionen bringen.

Der Medical Research Council hat für die weitere Erforschung des Verbands-Prototyps anhand von Proben aus den Wunden von Verbrennungen-Opfern fast 1 Million Britische Pfund zur Verfügung gestellt.


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