Hessen

Demografie: Apothekennachfolger dringend gesucht

Berlin - 24.11.2015, 14:50 Uhr

Auch vor Apotheken macht die Demografie-Welle nicht halt. (Bild: Coloures-pic/ Fotolia)

Auch vor Apotheken macht die Demografie-Welle nicht halt. (Bild: Coloures-pic/ Fotolia)


Die Demografiewelle rollt unaufhaltsam auf die Apotheken zu: In den nächsten zehn Jahren müssen sich in Hessen mindestens zwei von fünf Apotheken einen neuen Inhaber suchen. Tendenz steigend.

Nach einer Studie des Hessischen Apothekerverbandes HAV ergibt sich bei einem angenommenen „Renteneintrittsalter“ von 68 Jahren im Jahr 2025 ein „Nachfolgebedarf“ von 38,6 Prozent. Das heißt, knapp zwei von fünf Apotheken müssten bis 2025 nachbesetzt oder geschlossen werden, wenn alle Apothekeninhaber mit 68 Jahren ihre Apotheke abgeben würden. Senkt man das „Rentenalter“ auf 60 Jahre wären fast 70 Prozent von der Demografieproblematik betroffen.

In den einzelnen Landkreisen sieht dies durchaus unterschiedlich aus: Einen besonders hohen Nachfolgebedarf gibt es im Vogelsbergkreis wo die Spanne des Nachfolgebedarfs, je nach Annahme einer Apothekenabgabe mit spätestens 68 Jahren oder mit frühestens 60 Jahren, zwischen 54,2 Prozent und 87,5 Prozent liegt, sowie im Odenwaldkreis mit einer Spanne von 55,6 Prozent bis 72,2 Prozent. Im Vergleich dazu ist der Nachfolgebedarf bei den gleichen Annahmen in der kreisfreien Stadt Darmstadt mit 21,2 Prozent bis 57,6 Prozent sowie im Landkreis Stadt Fulda mit einer Spanne von 26,7 Prozent bis 57,8 Prozent deutlich geringer.

Apothekenzahl rückläufig

Die Studie des Hessischen Apothekenverbandes wurde erstellt mit Unterstützung der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth und Oberender & Partner, Unternehmensberatung im Gesundheitswesen. Dabei zeigt sich, dass sich die Anzahl der Apotheken in Hessen in der jüngsten Vergangenheit rückläufig entwickelt hat. Die Versorgungsdichte (Einwohner/Apotheke) liegt jedoch nach wie vor leicht über dem bundesweiten Durchschnitt lag.

Aufgrund der demografischen Entwicklung in Hessen wird insgesamt von einer steigenden Nachfrage für Apotheken in Form von Kundenkontakten ausgegangen. Bis zum Jahr 2025  wird mit einem jährlichen Zuwachs von einem Prozent gerechnet. Die Nachfrage der Patienten mit Verordnungen wird mit circa drei Prozent jährlich stärker steigen als die Nachfrage der OTC-Kunden, die voraussichtlich leicht rückläufig sein wird.

Gefahr für Versorgung auf dem Land

Das Durchschnittsalter der Apothekeninhaber in Hessen ist in den letzten Jahren leicht auf gegenwärtig 52,8 Jahre gestiegen. Nach wie vor ist im Werra-Meißner-Kreis das Durchschnittsalter mit 49,0 Jahren am niedrigsten und im Vogelsbergkreis mit 56,0 Jahren am höchsten. Der Anteil der Apothekeninhaber über 65 Jahre liegt in Hessen bei 9,5 Prozent, im Landkreis Waldeck-Frankenberg und im Wetteraukreis liegt er mit 22,2 Prozent sowie 15,1 Prozent deutlich darüber. Der Werra-Meißner-Kreis ist derzeit hingegen der einzige Landkreis ohne Apothekeninhaber über 65 Jahre. Insgesamt gab es zum Jahreswechsel 2014/2015 in Hessen 1228 Apothekeninhaber.

Angesicht dieser Entwicklung sieht die Studie für die zukünftige Versorgungssituation mit Apotheken vor allem ein Risiko in ländlichen Regionen. „Die Analyse des Nachfolgebedarfs hat gezeigt, dass in den nächsten Jahren zum Teil ein erheblicher Anteil an Betriebsinhabern altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden wird. Sollte sich die Stimmung der Apotheker hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation weiter verschlechtern, ist die Versorgungsdichte von heute, gerade in der Fläche, kaum zu halten“, so die Studie.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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