MS-THERAPIE

Anwendungsprobleme beim Plegridy-Pen

Stuttgart - 24.11.2015, 16:29 Uhr

MS ist nicht heilbar, aber es stehen zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, die den Verlauf positiv beeinflussen, unter anderem Peginterferon beta-1a. (Bild: Zerbor- Fotolia.com)

MS ist nicht heilbar, aber es stehen zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, die den Verlauf positiv beeinflussen, unter anderem Peginterferon beta-1a. (Bild: Zerbor- Fotolia.com)


Beim MS-Therapeutikum Plegridy (Peginterferon beta-1a ) haben Patienten häufig Probleme mit der Handhabung. Seit der Markteinführung im September 2014 sind bis Anfang November 100 Reklamationen aufgrund von Qualitätsmängeln bei der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker eingegangen.

Plegridy® (Peginterferon beta-1a, Injektionslösung) ist seit Juli des vergangenen Jahres  in der EU zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose zugelassen. Im Gegensatz zu den nicht-pegylierten Interferon-beta-1a-Präparaten, Avonex® und Rebif® muss Plegridy® nur alle zwei Wochen verabreicht werden – Avonex® wird wöchentlich injiziert, Rebif® sogar dreimal pro Woche. Allerdings treten laut einer Meldung der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK) bei Plegridy® häufig Probleme bei der Anwendung auf.

Nicht nur Anfänger haben Probleme

So wurden bis 6. November 100 Qualitätsmängel an das Gremium gemeldet. Der Pen blockiere oder löse nicht aus, beschrieben die Anwender das Problem. Da bei keinem der reklamierten Pens ein Chargenfehler festgestellt werden konnte, führt der Hersteller die vielen Reklamationen darauf zurück, dass die Patienten mit dem neuartigen Injektor nicht ausreichend vertraut sind.

Dass die Reklamationsrate bei den niedrigeren Wirkstärken, die zu Beginn der der Behandlung eingesetzt werden, höher als bei den hochdosierten Pens für die Erhaltungstherapie sein soll, untermauert in den Augen des Herstellers diese Einschätzung.

Die Fallberichte, die der AMK vorliegen, sprechen allerdings eine etwas andere Sprache: 68 von 100 Fallberichten betreffen Pens, die für die Erhaltungstherapie vorgesehen sind. Auch wenn es sich dabei nur um eine Stichprobe handelt, zeigt das: auch Patienten, die das Präparat schon länger anwenden, haben offensichtlich Probleme.

Kompliziert oder nur anders?

Der Plegridy®-Injektor hat einen besonderen Auslösemechanismus. Es muss kein Auslöseknopf gedrückt werden wie zum Beispiel  bei Avonex®, sondern der Patient muss zur Injektion lediglich die Schutzkappe abziehen und den Pen fest auf die gewünschte Stelle aufdrücken. Wird der Pen unvollständig aufgesetzt oder noch einmal angehoben, löst der Nadelschutz vorzeitig aus und der Pen ist gesperrt. Die Sperre kann nicht aufgehoben werden. Um dies verhindern, sollen Anwender darauf hingewiesen werden, dass der Pen unbedingt vollständig auf der Injektionsstelle aufsitzen muss und vor der automatischen Auslösung nicht mehr bewegt werden darf.

Das Änderungsverfahren für die Gebrauchsinformation läuft bereits, außerdem untersucht der Hersteller ob sich die Sperrvorrichtung des Injektors optimieren lässt.  Wenn Patienten trotz Berücksichtigung aller Hinweise mit dem Autoinjektor nicht zurechtkommen, empfiehlt die AMK, alternativ die Verordnung von Fertigspritzen in Betracht zu ziehen.

Eine ausführliche bebilderte Anleitung für den Plegridy®-Fertigpen finden sie hier. Außedem steht ein englischsprachiges Schulungsvideo zur Verfügung.


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3 Kommentare

Keinerlei Probleme

von Sag ich nicht :) am 29.10.2019 um 19:27 Uhr

Ich benutze ebenfalls den Plegridy Pen und habe bisher noch keinerlei Probleme gehabt.
Die Handhabung finde ich sehr einfach.
Man sollte nicht zu zaghaft spritzen, dann löst er ggf. nicht aus (bei mir noch nicht vorgekommen).

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So ein Mist

von Willy Frei am 15.01.2018 um 21:06 Uhr

Meine Frau und ich haben nun 6 Jahre Erfahrung mit dem Copaxone-Autoinjektor gemacht. 6 Jahre lang keinerlei Probleme. Nun mit Plegridy ist jeder Stich wieder eine Nervenprobe, da man immer Gefahr läuft, wieder so einen sauteuren Pen zu verhauen.

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pen

von XY am 21.02.2016 um 12:05 Uhr

Es stellt sich schon die Frage, warum man auf Seiten des Herstellers offensichtlich nicht in der Lage ist, ein Gerät zu entwickeln, was sich ähnlich einfach wie die die Rebif-Injektionshilfe bedienen läßt. So groß kann doch die Gefahr einer Patentverletzung nicht sein...

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