MEGA-ÜBERNAHME

Merck kauft US-Laborausrüster Sigma-Aldrich

Stuttgart - 11.11.2015, 08:44 Uhr

Attraktivster Pharmamarkt der Welt: Mit dem Kauf des Laborausrüsters Sigma-Aldrich will Merck den US-Markt erschließen. (Foto: Merck)

Attraktivster Pharmamarkt der Welt: Mit dem Kauf des Laborausrüsters Sigma-Aldrich will Merck den US-Markt erschließen. (Foto: Merck)


 Die EU-Kommission stimmte endgültig zu: Für 13,1 Milliarden Euro kann der Darmstädter Konzern Merck das US-Unternehmen Sigma-Aldrich übernehmen. Laut Merck wird es der größte Zukauf der Firmengeschichte.

Kurz vor dem Ruhestand ist die wichtige Etappe geschafft: Der nächstes Jahr ausscheidende Merck-Chef Karl-Ludwig Kley kann die bislang größte Übernahme seines Unternehmens verkünden. Die Darmstädter dürfen nach eigenen Angaben für 13,1 Milliarden Euro den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich kaufen - die Wettbewerbshüter der Brüsseler EU-Kommission gaben am Dienstag grünes Licht. Zuvor hatten die Fusionspartner noch einige Geschäftsteile veräußern müssen, damit ihre Marktmacht nicht zu groß wird.

"Wir freuen uns sehr darauf, die Kräfte mit Merck zu bündeln, wir rechnen damit, dass die Übernahme im November abgeschlossen wird", erklärte Sigma-Aldrich-Chef Rakesh Sachdev. Merck will mit dem Zukauf seine Präsenz in den USA erhöhen und langfristig die Perspektive der Life-Science-Sparte stärken.

Merck nennt es "Quantensprung" 

Das Geschäft mit der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze gilt als extrem profitabel - auch und gerade in den USA. Die Vereinigten Staaten gelten als der attraktivste Pharmamarkt der Welt, mit einem stärkeren Wachstum als Europa.

Die Übernahme war von Merck als "Quantensprung" angekündigt worden. Zuvor hatte schon der deutsche Wettbewerber Bayer die Möglichkeiten dieses Marktes entdeckt. Die Leverkusener wollen sich künftig komplett auf die Bereiche Gesundheit und Pflanzenschutz konzentrieren.

Die traditionsreiche Kunststoffsparte soll deshalb bis spätestens Mitte 2016 abgespalten werden. "Wir sind überzeugt, dass Bayer als reines Life-Science-Unternehmen exzellente Wachstumsperspektiven hat", sagte Konzernchef Marijn Dekkers im Sommer.

Mit Sigma sieht sich auch Merck künftig deutlich besser aufgestellt. Das Unternehmen mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri verdiente in den ersten neun Monaten 2015 bei einem Umsatz von 2,08 Milliarden Dollar unter dem Strich 360 Millionen Dollar.

Schlankheitsprogramm verordnet

Sigma ist für Merck die bisher größte Übernahme - und das kurz vor dem 350-jährigen Bestehen im Jahr 2018. Merck will nun eine führende Rolle im Life-Science-Bereich spielen, der sich schon vor dem Sigma-Kauf zum Wachstumstreiber entwickelt hatte und dessen Marktvolumen das Unternehmen auf 130 Milliarden Dollar taxiert.

Vor wenigen Jahren sah die Situation von Merck noch ganz anders aus. 2012 verordnete man sich ein Schlankheitsprogramm. Konkurrenz, Kostendruck und aufgeblähte Verwaltung machten dem Unternehmen, das sein Programm "Fit für 2018" nannte, Sorge.

Merck hatte Firmen übernommen, ohne sich zu verschlanken. Nach dem Zukauf des Biopharmazie-Spezialisten Serono 2006 waren Doppelstrukturen mitgeschleppt worden. Die Zahl der Mitarbeiter war weltweit auf über 40.000 geklettert.

Mit der Übernahme von Sigma bleibt abzuwarten, ob das Einverleiben des US-Unternehmens dazu führt, dass Arbeitsplätze wegfallen, um solche Doppelstrukturen fortan zu vermeiden. Kley (64) kann mit dem Mega-Deal noch einmal ein Zeichen setzen, bevor er sich im Frühling in den Ruhestand verabschiedet. Auf ihn folgt der 58 Jahre alte jetzige Vize Stefan Oschmann.

Hoffnung auf neuem Krebs-Arzneimittel

Es gibt nach dem Erfolg mit Sigma durchaus noch Baustellen: So sind schon seit einigen Jahren wenige entwickelte Medikamente auch zugelassen worden. Eine Hoffnung im Pharmazie-Bereich liegt jedoch auf dem Krebsmittel Avelumab.

Merck hat rund 40.000 Mitarbeiter in 66 Ländern, in Deutschland sind es knapp 11.200. Der Dax-Konzern hatte 2014 beim Umsatz ohne Lizenz- und Provisionseinnahmen ein Plus um 5,5 Prozent auf 11,29 Milliarden Euro erzielt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis stieg um 4,8 Prozent auf 3,39 Milliarden Euro. An der Merck KGaA sind die Familie Merck indirekt zu rund 70 Prozent und freie Aktionäre zu rund 30 Prozent beteiligt.


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