APOKIX-UMFRAGE ZUR VERSORGUNG VON FLÜCHTLINGEN

Mehrsprachige Packungsbeilagen dringend gewünscht

Berlin - 06.11.2015, 13:09 Uhr

Herzlich Willkommen (Hamburg, 30.10.2015): Eine mehrsprachige Begrüßung zu einer mobilen Kita ist einfach. Anders sieht es noch in der Beratung von Flüchtlingen in der Apotheke aus. (Bild: dpa)

Herzlich Willkommen (Hamburg, 30.10.2015): Eine mehrsprachige Begrüßung zu einer mobilen Kita ist einfach. Anders sieht es noch in der Beratung von Flüchtlingen in der Apotheke aus. (Bild: dpa)


Sprachbarrieren sind für Apotheker die größte Herausforderung in der Beratung von Flüchtlingen: Das zeigte sich in der aktuellen APOkix-Umfrage. Die Abgabe von Arzneimitteln, die Flüchtlinge aus ihren Herkunftsländern nicht kennen, führe häufig zu Irritationen.

Die gewachsene Zahl von Flüchtlingen in Deutschland beeinflusst auch den Alltag in Apotheken. Mehr als vier von zehn vom IFH Institut für Handelsforschung befragten Apotheker haben in den vergangenen Monaten mehrmals wöchentlich Flüchtlinge in ihrer Apotheke beraten. Fast jeder zehnte APOkix-Teilnehmer gab an, dass Flüchtlinge mehrmals pro Tag Beratung in der Apotheke suchen.

Apotheker unsicher, wie sie Rezepte abrechnen können

Insbesondere die Sprachbarriere ist für die befragten Apotheker eine Herausforderung. So berichten fast sieben von zehn Apothekern, die Flüchtlinge beraten, dass die Verständigung häufig problematisch sei. Zudem bereitet die Übersetzung von Packungsbeilagen Schwierigkeiten (45 Prozent). Fragen wirft auch die Abrechnung auf: Mehr als jeder zweite APOkix-Teilnehmer, der Flüchtlinge berät, ist unsicher, wie Rezepte in dieser Situation abgerechnet werden.

Ein Problem stellt zudem dar, dass Ärzte Flüchtlingen Privatrezepte ausstellen. Häufig fehle aber das zur Bezahlung notwendige Geld. Die Arzneimittelversorgung von nicht registrierten Flüchtlingen bereitet ebenfalls besondere Schwierigkeiten, da diese gesetzlich keinen Anspruch auf medizinische Hilfe haben. Die Abgabe von Arzneimitteln, die Flüchtlingen aus deren Herkunftsländern nicht bekannt sind, führt häufig zu Irritationen und Unsicherheit bis hin zur Ablehnung.

Flächendeckende Einführung der Gesundheitskarte

Aus Sicht der Apotheker könne dieses Problem wirksam gelöst werden, indem der Kostenträger auf allen Rezepten von Flüchtlingen angegeben wird (97 Prozent). Auch die flächendeckende Einführung einer Gesundheitskarte sowie mehrsprachige Aufklärungs-und Informationsmaterialien würden die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Deutschland verbessern.

Mit großer Mehrheit wünschen sich die Apotheker die Einführung eines Online-Portals, in dem Packungsbeilagen diverser Arzneimittel in die jeweiligen Landessprachen übersetzt werden.

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Tipps zur Beratung von Flüchtlingen finden Apotheker im DAZ.online-Spezial.

 


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