Marburger Bund zur Flüchtlingsversorgung

„Gesundheitskarte sofort einführen“

Berlin - 03.11.2015, 14:45 Uhr

Weiterhin gibt es große Probleme bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen (Bild: dpa)

Weiterhin gibt es große Probleme bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen (Bild: dpa)


Die medizinische Versorgung der bereits registrierten Asylbewerber läuft in Berlin alles andere als optimal. Mit einer Gesundheitskarte und einem ausreichend ausgestatteten Öffentlichen Gesundheitsdienst wäre eine deutliche Verbesserung möglich, meint der Marburger Bund.

Während die Flüchtlinge, die am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) darauf warten, registriert zu werden, mittlerweile recht gut medizinisch versorgt sind, ist die Versorgung derer, die bereits registriert sind, problematisch. Darauf hat heute der Marburger Bund, die  gewerkschaftliche und berufspolitische Vertretung der angestellten und beamteten Ärzte aufmerksam gemacht. 

Charité-Ärzte im Einsatz

Seit dieser Woche hat die Charité diese Aufgabe am Hauptgelände in der Moabiter Turmstraße übernommen. Der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und das LAGeSo hatten die Charité gebeten, die medizinische Betreuung der Kinder und Erwachsenen vor Ort hauptamtlich zu koordinieren und zu stärken.

Peter Bobbert, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Marburger Bundes, will allerdings nicht von einer hauptamtlichen Übernahme der Versorgung sprechen. Die Charité habe zwar Ärzte für die Flüchtlingsversorgung freigestellt – diese würden aber wiederum ehrenamtlich am LAGeSo tätig. Bezahlt würden sie von der Charité, nicht vom LAGeSo.

Staat kommt seinen Aufgaben unzureichend nach

Bobbert ist ohnehin der Ansicht, dass sich die staatlichen Institutionen nicht ausreichend engagieren. Es gebe weiterhin große Probleme bei der medizinischen Versorgung. Mittlerweile vor allem in die Gruppe der registrierten Asylsuchenden. „Die Lage in den Notunterkünften spitzt sich zu“, so der Ärztefunktionär. Hier ist es zum einen schwer, die ehrenamtliche Hilfe zu koordinieren. Am Ende müssten engagierte Ärzte selbst tätig werden: Sie müssten sich eine Notunterkunft suchen und vor Ort klären, wie sie dort helfen können.

Problematisch ist aber auch, dass die Menschen in den Notunterkünften nur unzureichend über ihre Möglichkeiten Bescheid wissen. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben sie – begrenzten – Anspruch auf medizinische Versorgung. Doch die praktische Umsetzung klappt mehr schlecht als recht. Die Flüchtlinge müssen sich, bevor sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können, beim LAGeSo quartalsweise eine grüne Gesundheitskarte holen. Das ist nicht nur für die Asylbewerber eine Hürde, sondern auch für die ohnehin überbelastete Behörde ein zusätzlicher Aufwand.

Drei Forderungen des Marburger Bundes

Bobbert geht daher mit konkreten Forderungen an die Öffentlichkeit: Die Gesundheitskarte für alle registrierten Flüchtlinge müsse sofort eingeführt werden. Dies ist vom Berliner Senat geplant, wird aber voraussichtlich noch einige Wochen dauern. Zudem müsse das Ehrenamt dringend durch hautpamtliche Kräfte in der Erst- und Basisversorgung entlastet werden. Bislang sei die Versorgung der noch nicht registrierten Flüchtlinge allein von ehrenamtlichen Ärzten geschultert worden. Im August hatten Marburger Bund und Ärztekammer Berlin gemeinsam zur freiwilligen Unterstützung aufgerufen – etwa 800 Mediziner hatten sich gemeldet.

Die dritte Forderung des Marburger Bundes ist, den öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) zu stärken – finanziell wie auch personell. Er müsse so organisiert werden, dass er seine originären Aufgaben wahrnehmen könne. Dazu zählt etwa auch das Impfen von sozial schwächeren Personen wie Flüchtlingen. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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