„Baumberger Impuls“

Ärzte und Apotheker wollen stärker kooperieren

Berlin - 02.11.2015, 17:52 Uhr

Gabriele Regina Overwiening und Dr. Theodor Windhorst (vorne) haben mit dem „Baumberger Impuls“ ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet. (Foto: AKWL)

Gabriele Regina Overwiening und Dr. Theodor Windhorst (vorne) haben mit dem „Baumberger Impuls“ ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet. (Foto: AKWL)


Ärzte und Apotheker in Westfalen-Lippe wollen intensiver zusammenarbeiten. Welche Herausforderungen sie dabei sehen, zeigen sie jetzt einem Positionspapier auf. Zentral ist die Kommunikation.

Die Spitzen der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe haben bei einer zweitätigen Klausurtagung in Nottuln ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet – den so genannten „Baumberger Impuls“. Dieser beschreibt Handlungsbereiche, in denen die beiden Heilberufe zukünftig noch intensiver zum Wohle der Patienten zusammenarbeiten wollen.

Denn nicht immer läuft alles rund zwischen den Heilberuflern, allzu oft fürchten sie, dass der andere ihnen Kompetenzen nehmen wolle – dabei gibt es viele Bereiche, in denen die Berufe sich gegenseitig unterstützen können, ohne die jeweiligen Kompetenzen des anderen zu beschränken. Das betont auch Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Bei allen Chancen durch technische Entwicklungen, sei der persönliche Arzt-Apotheker-Patienten-Kontakt elementar für den Heilungserfolg, sagt Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: „Wir sehen es als eine wichtige gemeinsame Aufgabe an, die Ausbildung des Nachwuchses der beiden Professionen in diesem Sinne voranzubringen. Das gilt gleichermaßen für die Fort- und die Weiterbildung.“

Neben der gemeinsamen Kompetenzstärkung beschreibt das Positionspapier Anforderungen und Herausforderungen an die technisch-strukturellen Bedingungen und die Kommunikation der beiden Heilberufe. Gerade in Sachen Kommunikation wollen Ärzte und Apotheker voranschreiten. Sie wollen nicht mehr nur über formale Mängel von Verordnungen oder einen nötigen Austausch von Präparaten sprechen. Der Apotheker soll beispielsweise teilhaben können am arztspezifischen Wissen, das zur Diagnose Verordnung führt. 

Der Dialog von Apothekern und Ärzten soll nun durch gemeinsame Informationsveranstaltungen, Fortbildungen und weitere neue Wege der Zusammenarbeit ausgebaut und gestärkt werden. Als erste Aktivität steht eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der beiden Kammern auf der Tagesordnung.

Baumberger Impuls zur Kooperation zwischen Apothekern und Ärzten in Westfalen-Lippe (Wortlaut)

Im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für die Patienten und das Gesundheitswesen haben Vertreter und Mitglieder der Ärztekammer und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in einer offenen Diskussion Fragen der gemeinsamen Zukunft der beiden akademischen Heilberufe erörtert. In dieser Diskussion wurde deutlich, dass dies nur auf Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gelingen kann. Die Herausforderungen liegen vor allem in den folgenden vier Bereichen:

Technisch-strukturelle Bedingungen

Die technisch-strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen beide Heilberufe tätig sind, veranlassen uns dazu, die professionelle Kommunikation zu intensivieren, die Ergänzung der Kompetenzen zu fördern und die jeweiligen Herausforderungen und Aufgaben transparent zu machen. Das gilt vor allem in Hinblick auf die zukünftige Digitalisierung im Gesundheitswesen. Insbesondere die Gewährleistung der Arzneimitteltherapiesicherheit im Rahmen der Einführung von flächendeckenden E-Health-Lösungen ist nur in der Zusammenarbeit beider Professionen erfolgreich.

Kommunikation

Um eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne der Patienten zu gewährleisten, müssen Wissen, Fähigkeiten und spezifische Kompetenzen im Sinne einer wechselseitigen Ergänzung transparent und nutzbar gemacht werden.

Kompetenzen

Es ist im Interesse beider Berufsgruppen, Ärzte und Apotheker als freie akademische Heilberufe und deren Bedeutung im Gesundheitssystem zu stärken. Es gibt zahlreiche Felder, in denen die Berufe sich gegenseitig unterstützen können, ohne die jeweiligen Kompetenzen des anderen zu beschränken. Bei allen Chancen, die in der technischen Entwicklung stecken, ist der persönliche Arzt-Apotheker-Patienten-Kontakt elementar für den Heilungserfolg. Wir sehen es als eine wichtige gemeinsame Aufgabe an, die Ausbildung des Nachwuchses der beiden Professionen in diesem Sinne zu gestalten. Das gilt gleichermaßen für die Fort- und Weiterbildung.

Interessen

Dazu gehört die klare Artikulation der jeweiligen Interessen der einzelnen Berufsstände. Nur so ist eine konfliktfreie Nutzung der Kompetenzen und ein auf Verständigung zielender Dialog möglich.

Der Dialog beider Professionen soll durch gemeinsame Informationsveranstaltungen, Fortbildungen und neue Wege der Zusammenarbeit ausgebaut und gestärkt werden.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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