Sachsen und Thüringen

AOK Plus verteidigt Ausschreibung von Impfstoffen

Berlin - 16.10.2015, 13:50 Uhr

Die AOK Plus sieht keinen Grund, Grippeimpfstoff-Ausschreibungen zu stoppen. (Foto: pix4U/Fotolia)

Die AOK Plus sieht keinen Grund, Grippeimpfstoff-Ausschreibungen zu stoppen. (Foto: pix4U/Fotolia)


Die Krankenkassen in Sachsen und Thüringen wollen erneut Rabattverträge über Grippeimpfstoffe abschließen. Kritik an Impfstoff-Ausschreibungen weist die AOK Plus zurück: Sie abzuschaffen, laufe dem Ziel höherer Durchimpfungsraten zuwider.

Die Ausschreibung der AOK Plus im Auftrag aller gesetzlichen Kassen in Sachsen und Thüringen wurde diese Woche veröffentlicht: Für die Grippeimpfsaison 2016/2017 wollen die Kassen Rabatte auf Grippeimpfstoffe für Schutzimpfungen ihrer Versicherten ab dem vollendeten 7. Lebensjahr, ohne Altersobergrenze. Die Hersteller können für drei Gebiete bieten: Chemnitz/Leipzig, Dresden und Thüringen. Für jede Region gibt es zwei Lose: Jeweils eines für Fertigspritzen mit und eins für solche ohne Kanüle.

Die Ausschreibung fällt in eine Woche, in der die neue gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Maria Michalk, sich deutlich gegen Ausschreibungen von Impfstoffen ausgesprochen hat. Sie sieht einen klaren Zusammenhang zwischen Ausschreibungen und Lieferengpässen.

Auf der jüngst veröffentlichten Liste des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu Impfstoff-Lieferengpässen finden sich zwar vor allem Vakzine gegen andere Infektionskrankheiten. Mit Begripal® und dem tetravalenten Influsplit® stehen aber auch Grippeimpfstoffe auf der Übersicht – beide werden erst in der nächsten Grippesaison wieder verfügbar sein. Zudem gibt es bei einzelnen Packungsgrößen von Fluad®, Fluenz® Tetra und Vaxigrip® Engpässe.

Gute Erfahrungen gesammelt

Die AOK Plus hat auch in den vergangenen Jahren die Grippeimpfstoff-Versorgung ausgeschrieben. In dieser Saison versorgen bioCSL und Sanofi Pasteur MSD Sachsen und Thüringen – ihre Produkte stehen nicht auf der PEI-Liste. Die Kasse begründet die erneute Ausschreibung mit ihren guten Erfahrungen. In den letzten Jahren sei eine wirtschaftliche und effiziente Grippeimpfstoffversorgung der Versicherten gewährleistet gewesen, so eine Sprecherin der AOK Plus zu DAZ.online.

Zur Diskussion um die Abschaffung der Ausschreibungen merkt die Sprecherin an, dass die AOK Plus das durch die Impfstoff-Rabattverträge gesparte Geld reinvestiere – und zwar, um die Durchimpfungsrate der Bevölkerung zu verbessern. Denn das eigentliche Problem liege darin, dass nicht ausreichend Menschen geimpft seien. „Die Finanzierung dieser freiwilligen Maßnahmen der GKV würde durch die Abschaffung der Ausschreibungsmöglichkeit unterminiert und das Ziel der Erhöhung der Durchimpfungsraten zur Schaffung einer echten Herdimmunität konterkariert“, so die Sprecherin.

Alle Impfstoffe haben eine (theoretische) Chance

Kritik an den Ausschreibungen gibt es auch, weil hier einige Impfstoffe nicht zum Zuge kommen – insbesondere die tetravalenten, die gegen einen weiteren B-Stamm schützen. Doch hierauf kontert die AOK Plus: Die Ausschreibung sei keinesfalls auf trivalente Impfstoffe beschränkt – auch der Anbieter des tetravalenten könne mitbieten. Doch dieser will natürlich seinen Preis nicht auf den der Dreifach-Impfstoffe absenken – und schon gar nicht auf den zusätzlich rabattierten.

Ferner betont die AOK Plus, dass der nasale Impfstoff für Kinder nicht ausgeschlossen ist: Für Kinder im Alter von zwei bis einschließlich sechs Jahren empfehle die STIKO und die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses  bevorzugt einen attenuierten Influenza- Lebendimpfstoff einzusetzen. „Dies ist für den impfenden Arzt auch ohne weiteres möglich, da diese Altersgruppe von der Ausschreibung nicht umfasst ist“, so die Sprecherin.

Im Übrigen hat die Kasse auch keine Sorge, dass der Rabatt-Impfstoff dieser Saison keinen ausreichenden Schutz biete: „Die Influenza-Saison in Deutschland hat noch nicht begonnen und es gibt laut PEI zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei begründeten Anlass, an der Wirksamkeit der für die Saison 2015/16 verfügbaren Impfstoffe Zweifel zu hegen“, so die Sprecherin.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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