Auszeichnung

Medizin-Nobelpreis geht an Parasiten-Forscher

Stockholm/Stuttgart - 05.10.2015, 16:38 Uhr

Von Parasiten verursachte Krankheiten treffen vor allem Menschen in armen Ländern. (Bild: Karolinska Institut)

Von Parasiten verursachte Krankheiten treffen vor allem Menschen in armen Ländern. (Bild: Karolinska Institut)


Drei Wissenschaftler erhalten den Medizin-Nobelpreis 2015. Sie werden ausgezeichnet für ihre Therapien gegen Parasiten-Krankheiten wie Malaria und Flussblindheit. Die eine Hälfte erhält die Chinesin Youyou Tu. Die zweite Hälfte teilen sich der gebürtige Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Omura. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Von Parasiten verursachte Krankheiten träfen vor allem die ärmsten Menschen der Welt, heißt es in der Mitteilung des Karolinska-Instituts. „Die diesjährigen Nobelpreisträger haben Therapien entwickelt, die die Behandlung einiger der verheerendsten Parasiten-Krankheiten revolutioniert haben.“

So entdeckten Campbell und Omura den Wirkstoff Avermectin. Davon abgeleitete Präparate mit dem Wirkstoff Ivermectin hätten die Häufigkeit von Flussblindheit und Elephantiasis (lymphatischer Filariose) radikal vermindert, so das Institut. Auch gegen eine wachsende Zahl anderer Parasiten wirkten sie effizient.

Blockade der Erregungsüberleitung

Die Wirkung von Avermectin beruht auf der Neurotoxizität der Substanz. Avermectin-Derivate binden an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle und erhöhen Wirbellosen die Membranpermebealität der Nerven- oder der Muskelzellen für Chlorid, was zur Hyperpolarisation der Zellmembran führt. Durch die Blockade der Erregungsüberleitung  kommt es letztendlich zur Lähmung der Parasiten. In höherer Dosierung beeinträchtigen Avermectine auch die GABAerge Neurotransmission. Sie verursachen eine erhöhte Ausschüttung von GABA, die zu Paralyse und schließlich zum Tod der Parasiten führt.

Darf ich es wirklich sein?

Youyou Tu ist die Entdeckung von Artemisinin zuzuschreiben, das sie aus dem einjährigen Beifuß extrahierte (Artemisia annua). Artemisinin zerfällt bei hohen Eisenkonzentrationen, wie sie in  Erythrozyten, aber auch in Plasmodien vorkommen, in freie Radikale. Verantwortlich dafür ist die Peroxidstruktur der Substanz. Daher beruht ein Teil der Wirkung von Artemisinin vermutlich auf einer Abtötung der Plasmodien durch freie Radikale. Darüber hinaus scheinen Artemisinin und seine Derivate einen ATP-abhängigen Calciumtransporte(PfATP6) in der Zellmembran der Plasmodien zu hemmen. Mit Artemisinin habe man Sterblichkeitsrate der an Malaria Erkranktern deutlich reduzieren können.

Diese beiden Entdeckungen, so das Institut, hätten der Menschheit kraftvolle neue Mittel geliefert, verheerende Krankheiten zu bekämpfen, die Hundert Millionen Menschen jährlich betreffen.

Satoshi Omura hat die Ehre mit großer Bescheidenheit aufgenommen. „Ich dachte ‚Darf ich es wirklich sein!?‘. Denn vieles habe ich ja von den Mikroorganismen gelernt. Es wäre angemessen, wenn man ihnen den Preis verleihen könnte“, sagte der 80-Jährige am Montagabend (Ortszeit) dem japanischen Fernsehsender NHK.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 850.000 Euro (8 Mio. Schwedische Kronen) dotiert.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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