Bericht des Hauptgeschäftsführers

Was gut lief und wo’s klemmt

Düsseldorf - 01.10.2015, 17:28 Uhr

ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz (Foto: Schelbert)

ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz (Foto: Schelbert)


Schmitz’ Fazit nach seinem Geschäftsbericht: Eine düstere Zukunft sieht der Hauptgeschäftsführer nicht: „Wir haben ein stabiles Ordnungssystem, eine klare Zukunftsperspektive und trotz aller Unkenrufe starke Berufsorganisationen.“ Er wolle zwar nicht dem Schönreden das Wort reden, aber von Mutlosigkeit und Resignation wolle er sich nicht leiten lassen. Dennoch, es gibt nicht nur Sonnenschein, wie die Themen seines Berichts zeigen.

„Wir wollen mitmischen“, bekannte Schmitz zum Thema eHealth und Telematik, diese Grundsatzentscheidung sei getroffen. Der Ressourceneinsatz für dieses Themenfeld soll erhöht werden. Die ABDA habe dazu eine strategische Arbeitsgruppe eingesetzt, die Strategieansätze überprüfen und neue strategische Schwerpunkte ermitteln soll. Der Berufsstand werde von der eHealth-Entwicklung mehr profitieren als dass sie ihm schaden könnte, ist Schmitz überzeugt, und: „Verhindern lässt sich diese Entwicklung schon gar nicht.“ Mehr war zu diesem Thema noch nicht zu erfahren, der Apothekertag wird sich mit eHealth am Freitag befassen. Zum Thema Medikationsanalyse merkte Schmitz an: „Wir tun alles, um das Blatt im eHealth-Gesetzentwurf noch in die richtige Richtung zu wenden.“ Man rede mit Abgeordneten, mit Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums und mit Ärzten. Man habe die Pressekonferenz des Apothekertags genutzt, die Apothekerposition noch mal zu erläutern. Jetzt sei die Politik am Zug. Schmitz: „Medikationspläne ohne Apotheker wären wie Arzneimittel ohne Wirkung – ein Placebo.

Kein Papier für Schönwetterreden

Das Perspektivpapier „Apotheke 2030 – Perspektiven für die pharmazeutische Versorgung in Deutschland“ ist keineswegs in Regalen und Ablagen verschwunden, wie manche geunkt hatten, so Schmitz. Es werde derzeit in die praktische Verbandsarbeit umgesetzt und konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht. Hier nannte Schmitz das Handlungsfeld ARMIN, das Projekt zur Arzneimitteltherapiesicherheit in Sachsen und Thüringen. Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog seien dort auf den Weg gebracht. Jetzt werde das Medikationsmanagement etabliert.

Als weiteres Projekt nannte Schmitz PRIMA (Primärsystem-Integration  des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung), das Lösungsansätze bieten soll, den elektronischen Austausch zwischen den Heilberufen zu ermöglichen.

Ein weiteres Handlungsfeld zur Umsetzung des Perspektivpapiers ist das Thema Prävention. Nach wie vor sei es „ein Elend“, so beklagte es Schmitz, dass die Krankenkassen das Leistungsangebot der Apotheker zur Prävention nicht annehmen wollen. Trotzdem hielten die Apotheker daran fest, Beispiel ist das Programm GLICEMIA des wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen. Mit diesem Programm konnte laut Schmitz bewiesen werden, dass das Diabetes-Risiko erheblich reduziert kann, wenn Apotheken Screening-Maßnahmen durchführen und Gruppenberatungen durchführen.

Auch die weiteren Handlungsfelder des Perspektivpapiers werden zügig angegangen.  Der Hauptgeschäftsführer nannte hier die Sicherheit der Arzneimittelversorgung (Securpharm), die Schaffung ausreichender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für die apothekerlichen Leistungen, Fragen der Qualifikation der Apothekerinnen und Apotheker: „Wir stellen die Ausbildungsordnung auf den Prüfstand und analysieren derzeit, auch mit Hochschullehrern, die hochschul- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen.“ Im November, so kündigte Schmitz an, soll ein Entwurf dazu, der von der Arbeitsgruppe Berufsbild erarbeitet wurde, ins Netz gestellt werden, der dann von allen Apothekerinnen und Apotheker kommentiert werden kann.

Das Perspektivpapier fordert auch dazu auf, sich Gedanken um die flächendeckende Versorgung zu machen. Auch wenn sie derzeit noch gewährleistet ist: man wird sich dazu Gedanken machen müssen. Daher wolle man zunächst die Ausgangslage analysieren und daraus Handlungskonsequenzen ableiten.

Nicht zuletzt spricht das Perspektivpapier den Erhalt des freien Berufs an. Seitens der EU-Kommission und anderer Marktbeteiligter, werde versucht, Stück für Stück die Kernelemente des freien Berufs zu reduzieren, so Schmitz.  Man werde wachsam sein, um die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Apotheken bewahren.

Als weiteres Thema im Geschäftsbericht sprach Schmitz den Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen an, der noch an Klarheit zu wünschen übrig lasse.

Wo die Interessenvertretung erfolgreich war

Konkret wurde Schmitz beim Thema Zukunftssicherung. „Sie dürfen zu Recht von uns auch erwarten, dass wir nicht nur reden, nachdenken und diskutieren, sondern auch praktische Ergebnisse abliefern. Da, meine ich, haben wir in diesem Jahr gut geliefert“, ist Schmitz überzeugt. Als Beispiele nannte er die Festsetzung des GKV-Abschlags auf 1,77 Euro, die gesetzlich vorgegebenen Gespräche zu den ungerechtfertigten Retaxationen, die Regelungen zum Entlassmanagement. Und beim Innovationsfonds habe man erreicht, dass auch die Apothekerschaft Projektanträge stellen kann.

Auch über die Öffentlichkeitsarbeit, mit Abdrucken in Zeitungen und mit der Imagekampagne konnte die ABDA, so Schmitz in seinem Geschäftsbericht, die politischen Forderungen verstärkt in die Presse gebracht werden. 

Ebenfalls erfolgreich seien der Abstimmungsprozess mit den Frauenärzten und die Entwicklung eines Fortbildungs-Curriculums zur Freigabe der „Pille danach“ verlaufen.

Beim Thema Hilfsmittel biete das Online-Portal des Deutschen Apothekerverbands eine Orientierungshilfe im Hilfsmittelmarkt. Locker lassen werde man nicht, so Schmitz, wenn es darum geht, der Politik die Forderung zu präsentieren, auf Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich zu verzichten.

Gutes Team und neues Haus

Nach innen, so Schmitz, habe man einige strukturelle und personelle Änderungen vorgenommen bzw. eingeleitet, die zu einer schlagkräftigen Organisation beitragen sollen. So wurde die Zahl der Geschäftsbereiche auf vier reduziert und der Bereich Finanzen, Personal und Verwaltung als Stabsstelle etabliert. Der Finanzbereich werde seit Juni von Herrn Schweyen geleitet, der Geschäftsbereich Wirtschaft, Soziales und Verträge leitet seit Januar Frau Claudia Korf.

Das Thema Apothekerhaus durfte im Geschäftsbericht nicht fehlen. Zwar hätten „viele Gäste oder Kolleginnen und Kollegen das Deutsche Apothekerhaus inzwischen schätzen und lieben gelernt“, dennoch habe man sich dazu entschlossen, ein neues Gebäude für die Geschäftsstelle zu erwerben. Das länger dauernde Bauprojekt in der Nähe des Berliner Regierungsviertels werde kontinuierlich vorangetrieben. Ziel sei „eine funktionale, wirtschaftliche und ausreichend repräsentative Geschäftsstelle“.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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