Doch kein Vertriebsstopp Anfang Oktober

Hersteller verlängert Übergangsfrist für Tresiba

Stuttgart - 29.09.2015, 17:30 Uhr

Anfang Oktober sollte eigentlich Schluss sein mit Tresiba in Deutschland. Jetzt ist die Frist verlängert worden (Bild: RRF/ Fotolia).

Anfang Oktober sollte eigentlich Schluss sein mit Tresiba in Deutschland. Jetzt ist die Frist verlängert worden (Bild: RRF/ Fotolia).


Novo Nordisk wird sein Ultralangzeitinsulin degludec (Tresiba®) doch nicht wie angekündigt Anfang Oktober außer Vertrieb nehmen. Das teilt die Firma heute in einer Pressemeldung mit. Grund hierfür sei, dass den Marktdaten zufolge ein großer Teil der mit Tresiba® behandelten Patienten noch nicht umgestellt wurde. Um eine sichere Umstellung aller Patienten auf ein anderes Basalinsulin zu ermöglichen, habe man die Übergangsfrist verlängert, so Novo Nordisk. Ein konkretes Datum teilt die Firma aber nicht mit. Man behalte sich jedoch weiter vor, heißt es seitens der Firma, den Vertrieb auch kurzfristig einzustellen.

So wie alle neu eingeführten Wirkstoffe musste sich Insulin degludec bei seiner Markteinführung der frühen Nutzenbewertung unterziehen. Dabei kam der Gemeinsame Bundesausschuss zu dem Schluss, dass Insulin degludec keinen Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie mit Humaninsulin bringt. Auf einen Erstattungsbetrag konnten sich der Hersteller und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen nicht einigen. Daraufhin musste die Schiedsstelle ihn festsetzen. Dabei folgte sie im Wesentlichen den Forderungen des GKV-Spitzenverbands und setzte den Listenpreis von Tresiba® auf die Höhe der Kosten einer Therapie mit Humaninsulin fest.

Daraufhin hat sich der Hersteller entschlossen, das Präparat in Deutschland Ende September aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt zu nehmen und Ärzte und Patienten aufgefordert, die Insulin-Therapien rechtzeitig umzustellen. Mit der Ankündigung der Marktrücknahme hatte sich Novo Nordisk sowohl von Fachgesellschaften und Patientenverbänden aber auch von der Techniker Krankenkasse herbe Kritik eingehandelt. TK-Chef Jens Baas warf der Firma vor, Patienten und Ärzte durch dieses verantwortungslose Verhalten stark zu  verunsichern. Laut Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) müssen etwa 40.000 Patienten infolge des Vertriebsstopps für das Basalinsulin degludec ihre Therapie umstellen.

Diese Patienten erhalten also noch einmal eine Schonfrist. Wie lange sie dauern wird, ist ungewiss. Seitens Novo Nordisk heißt es, man werde den Markt weiter beobachten und erneure den Appell, jetzt aktiv zu werden und die Therapie von Insulin degludec auf ein anderes Basalinsulin wie glargin oder detemir umzustellen.


Julia Borsch (jb), Apothekerin
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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