Ehemaliger BfArM-PrÄsident Schweim:

„Versand problematischer OTC untersagen!“

Stuttgart - 28.09.2015, 13:15 Uhr

Sicherheitslücken im Versandhandel mit OTC-Arzneimitteln sieht Prof. Harald G. Schweim. (Foto: Fotolia/momius)

Sicherheitslücken im Versandhandel mit OTC-Arzneimitteln sieht Prof. Harald G. Schweim. (Foto: Fotolia/momius)


Der Bonner Professor und ehemalige Präsident des BfArM, Harald G. Schweim, fordert in der gestrigen „Welt am Sonntag“, den Versand sicherheitspharmakologisch bedenklicher OTC-Arzneimittel zu verbieten. Eine Analyse der Verkaufszahlen zeige, dass gerade „therapeutisch unzweckmäßige“ Kombinationspräparate mit Paracetamol überdurchschnittlich häufig über Versandapotheken bezogen werden. Das belege, dass es im Versand Sicherheitslücken gebe.

In der Analyse, die in der kommenden Ausgabe der DAZ ausführlich vorgestellt wird, hat Schweim errechnet, dass Paracetamol-haltige Kombinationspräparate überdurchschnittlich oft über den Versandhandel bezogen werden. Während im Schnitt aller nicht verschreibungspflichtigen (OTC-) Arzneimittel 12,5 Prozent aller Verkäufe über Versandapotheken laufen, liegt der Versand-Anteil in diesem Segment deutlich höher. Der Marktführer bei den Paracetamol-Kombinationspräparaten, Thomapyrin®, wird nach diesen Daten zu 17 Prozent, der Erkältungssaft WickMedinait® sogar zu 33,7 Prozent über den Versand verkauft. „Jedes Prozent, das der Versand über dem Durchschnitt aller Produkte im Versandhandel liegt, legt bei problematischen Arzneimitteln eine Vernachlässigung der Beratung nahe“, so Schweim in der „Welt am Sonntag“. Es zeige sich, dass Versandapotheken vorwiegend umsatzorientiert agierten, während die Apotheke vor Ort offenbar eher mengenbegrenzend wirke.

Die Versandapotheken wehren sich gegen die Vorwürfe. Versandapotheken prüften Bestellungen häufig sorgfältiger als Präsenzapotheken, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), Udo Sonnenberg, der Sonntagszeitung. Behauptungen, man stelle den Umsatz über das Patientenwohl, seien völlig aus der Luft gegriffen. Die Leitende Apothekerin der Versandapotheke „Zur Rose“ erläutert, dass dort grundsätzlich nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft werde. Bei kritischen Bestellungen werde mit dem Kunden Rücksprache gehalten. Die höheren Absatzmengen im Versand erklärten sich über den höheren Anteil an Chronikern, die größere Packungseinheiten bestellten.

Schweim lässt diese Argumente nicht gelten. Die von den Versendern ergriffenen Maßnahmen gegen den Mehrverbrauch problematischer Arzneimittel hält er für „Augenwischerei“. „Die Zahlen beweisen, dass hier Sicherheitslücken offensichtlich sind“, zitiert die Zeitung Schweim. Die beste Lösung wäre in seinen Augen ein Verbot des Versands sicherheitspharmakologisch relevanter Arzneimittel, um eine persönliche Beratung zu gewährleisten – wie das bei der „Pille danach“ bereits der Fall ist.

Eine ausführliche Darstellung der Untersuchungen Schweims und der Schlussfolgerungen daraus können Sie in der DAZ dieser Woche lesen. Online und in der DAZ-App können Abonnenten diese Ausgabe bereits ab Mittwochnachmittag lesen.


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Sicherheitslücken beim Versand „problematischer OTC“ – ein Meinungsbeitrag

Riskanter Vertriebsweg

Der Arzneimittelversand in Deutschland – eine Bestandsaufnahme

Auf dem Weg zur Normalität?

Arzneimittelversand

Verbieten - nicht erschweren

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.