Flüchtlingshilfe in Nordrhein

300 Apotheker stehen als Dolmetscher bereit

Berlin - 21.09.2015, 15:40 Uhr

Nordrheinische Apotheken haben ein neues Angebot: Übersetzungen für Flüchtlinge. (Foto: M.Gove/Fotolia)

Nordrheinische Apotheken haben ein neues Angebot: Übersetzungen für Flüchtlinge. (Foto: M.Gove/Fotolia)


Derzeit sind Dolmetscher gefragt wie selten: Die vielen Tausend Flüchtlinge, die in diesen Wochen zu uns nach Deutschland kommen, brauchen dringend Unterstützung, um sich selbst verständlich zu machen und ihr Gegenüber zu verstehen. In Nordrhein können dabei viele Apothekenmitarbeiter helfen – das melden jetzt Apothekerkammer und -verband. Sie hatten kürzlich alle nordrheinischen Apotheken angeschrieben und gebeten, die Fremdsprachenkenntnisse in ihrem Team mitzuteilen. Der Aufruf war äußerst erfolgreich: Rund 300 Mitarbeitende aus 150 Apotheken meldeten sich innerhalb einer guten Woche.

Ein drängendes Problem in der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen ist die Kommunikation. Hier wollten die Apotheken in Nordrhein ein Hilfsangebot schaffen. In Abstimmung mit dem Landesgesundheitsministerium NRW fragten sie Anfang September alle rund 2.400 Apotheken in Nordrhein dahingehend ab, über welche qualifizierten Fremdsprachenkenntnisse ihre Teams verfügen. Der Rücklauf hat die Kammer selbst beeindruckt. Nun hat sie die Liste zusammengestellt. Laut Kammer-Geschäftsführer Dr. Stefan Derix decken die angebotenen Sprachen das „ganze Flüchtlingsspektrum“ ab. Das gehe querbeet – von Afrika über den Balkan bis nach Syrien.

Damit stehen nun 300 Apotheker mit ihrem pharmazeutischem Sachverstand als Dolmetscher bereit. Wie sie ihr Wissen dorthin bringen, wo es nötig ist, muss jetzt noch mit dem Ministerium abgestimmt werden. Die Idee der Apotheker: Das Ministerium soll die Einrichtungen, die vor Ort mit den Flüchtlingen befasst sind, über das Angebot der Apotheker informieren. Diese sollen bei Interesse mit der Kammer Kontakt aufnehmen, die wiederum die passenden Apothekenmitarbeiter vermittelt. Die Details zu Art und Umfang der Übersetzungstätigkeit müssen dann vor Ort geklärt werden. Doch die Überlegungen gehen noch weiter: Ziel sei es, das Angebot der Apotheker „breit zu streuen“, so Derix, allerdings Schritt für Schritt. So könnten auch Bürgermeister oder Ärzte informiert werden.

Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, und Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein, zeigten sich hoch erfreut, dass die kurzfristig Anfang des Monats durchgeführte Abfrage in so kurzer Zeit „eine hervorragende Rückmelderesonanz“ erzielt hat. „Die in diesem kurzen Zeitraum erzielte Resonanz zeigt eindrucksvoll, dass es eine große Bereitschaft unter den Apothekerinnen und Apothekern sowie ihren Angestellten gibt, Menschen in der Not gezielt zu unterstützen“, sagte Preis.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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