DAK-Gesundheit

Deutsche Ärzte verordnen seltener Ritalin

11.03.2015, 11:55 Uhr

In Deutschland gibt es Hürden für die Verordnung von Methylphenidat - offenbar wirkungsvolle. (Foto: S.Kobold/Fotolia)

In Deutschland gibt es Hürden für die Verordnung von Methylphenidat - offenbar wirkungsvolle. (Foto: S.Kobold/Fotolia)


Berlin - In Deutschland bekommen Kinder und Jugendliche mit ADHS weniger Medikamente verschrieben. Wie die DAK-Gesundheit unter Berufung auf Daten ihrer Versicherten berichtet, gingen die Verordnungen von Methylphenidat (Ritalin) für fünf- bis 14-Jährige von 2011 bis 2013 um zehn Prozent zurück. Weltweit geht der Trend allerdings in eine andere Richtung.

Die DAK verweist auf Daten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung, denen zufolge 2011 bundesweit 4,4 Prozent der fünf- bis 14-Jährigen von ADHS betroffen waren. Hochgerechnet auf den Bevölkerungsanteil waren das mehr als 325.000 Schüler. 2013 hatten 2,5 Prozent aller DAK-versicherten Schüler zwischen fünf und 14 Jahren mindestens eine Verordnung für Methylphenidat, 2011 waren es noch 2,8 Prozent. Auch die Anzahl der Tagesdosen ging zurück. Im Durchschnitt bekam 2013 jeder einzelne DAK-Patient 195 Tagesdosen pro Jahr.

Hinter dem deutlichen Rückgang vermutet Jan Helfrich, Experte für ambulante Leistungen bei der DAK-Gesundheit, die neuen Arzneimittelrichtlinien. Seit 2010 gelten strengere Regeln bei der Verordnung von Methylphenidat. Nur noch Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen dürfen sie verschreiben. „Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Kinder Ritalin unter besonders geschulter Aufsicht einnehmen und die Tabletten nicht leichtfertig schlucken“, so Helfrich. Er betont, dass Ritalin „ein segensreiches Medikament für Patienten mit starken Symptomen“ sei. Es habe aber, wie jedes Medikament, Nebenwirkungen, darunter verminderten Appetit, Übelkeit und Schlafprobleme.

UN-Kontrollrat vermisst ärztliche Richtlinien in anderen Ländern 

Der bei der DAK-Gesundheit zu verzeichnende Verordnungsrückgang spiegelt allerdings nicht die globale Entwicklung wider. Nach einem kürzlich vom UN-Drogenkontrollrats (INCB) vorgelegten Bericht, ist der weltweite Gebrauch von Methylphenidat zwischen 2012 und 2013 um 66 Prozent gestiegen. Der INBC führt den erhöhten Konsum auf verschiedene Faktoren zurück. Unter anderem den, dass es in vielen Ländern gerade keine ausreichenden medizinischen Richtlinien zur Verschreibung von Methylphenidat gibt.

Aber auch die steigende Anzahl der Patienten mit ADHS-Diagnose und einflussreiche  Vermarktungsmethoden der Hersteller spielten eine Rolle. Zudem werde das verschreibungspflichtige Arzneimittel von einer wachsenden Anzahl von Teenagern und jungen Erwachsenen missbraucht, so der INBC. Der Suchtstoffkontrollrat ermutigt alle Regierungen, diese Entwicklung sowie das Ausmaß der Methylphenidat-Verordnungen im Auge zu behalten. Dabei sei sicherzustellen, dass die Verschreibung sich auf seriöse medizinische Verfahren stützt. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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