Tschechien

Wegfall der Rezeptgebühren belastet Apotheken

05.03.2015, 16:40 Uhr

Der Wegfall der Rezeptgebühren belastet tschechische Apotheken. (Foto: Bilderbox)

Der Wegfall der Rezeptgebühren belastet tschechische Apotheken. (Foto: Bilderbox)


Remagen - Für die tschechischen Patienten hat das neue Jahr gut angefangen, denn sie können sich über billigere Arzneimittel freuen. Zum 1. Januar 2015 wurde der Steuersatz für pharmazeutische Produkte von bisher 15 auf zehn Prozent gesenkt. Außerdem fällt die Gebühr in Höhe von 30 Tschechischen Kronen pro Rezept (ca. 1,09 Euro) weg. Sie war Anfang 2008 im Zuge der Gesundheitsreform eingeführt worden. Nach einem aktuellen Marktbericht von Germany Trade & Invest (GTAI) hat die tschechische Apothekerkammer verlauten lassen, dass sie hierdurch für 2015 einen Einnahmenverlust in Höhe von 60 Millionen Euro erwartet.

Unter Bezug auf Angaben des Statistikamtes wird die Zahl der Apotheken in Tschechien im Jahr 2013 mit rund 2800 beziffert. Die Branche durchlaufe derzeit einen Konsolidierungsprozess, bei dem große Ketten immer mehr Marktanteile gewinnen, berichtet GTAI. Als die vier größten werden Moje lekarna, ein Zusammenschluss von 380 unabhängigen Apotheken, Alphega mit 200 und Dr. Max (Ceska lekarna Holding – Penta Group) mit knapp 360 Abgabestellen sowie die zur deutschen Phoenix Gruppe gehörende Kette Benu angeführt. Benu hat seinen Bestand von rund 170 Filialen durch den Kauf der Kette Sunpharma erweitert, die acht Apotheken in der Tschechischen Republik und 42 in der Slowakei unterhält. In Europa kommt Benu auf insgesamt rund 1560 Abgabestellen.

Außerdem vermerkt GATI einen Trend zu Filialen in Einkaufszentren mit langen Öffnungszeiten sowie zum Verkauf über das Internet. 170 unabhängige tschechische Apotheken, die sich als „Copharm“ zusammengeschlossen haben, und 100 slowakische Apotheken der Vereinigung TopFarma betreiben seit 2013 die gemeinsame Internetplattform Pilulka.cz. Auch Moje lekarna und Dr. Max, das auf Eigenmarken und Beratungsleistungen setzt, mischen im Online-Handel mit.

Chancen rechnet sich offenbar sogar die tschechische Post (Ceska posta) aus. Sie will nach einer Ankündigung im Sommer 2014 in den 2.000 Filialen 200 OTC-Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel an die Kunden direkt ausliefern. Dabei wird allerdings kein vollwertiger Apothekenservice angestrebt. Es sollen lediglich Produkte der Holding Euroclinicum vertrieben werden. Der Service soll besonders den Kunden in ländlichen Regionen ohne Internet-Anschluss zu Gute kommen. Sie können einfach zu ihrer Post-Filiale gehen, die die Online-Bestellung für sie übernimmt und bekommen die Medikamente direkt an die Haustür gebracht. Die Genehmigung für diese Art von Arzneimittelvertrieb über Postfilialen ist allerdings laut GTAI noch nicht durch.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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