„Einfach nur schlecht“

Öko-Test verreißt basische NEM

Berlin - 09.02.2015, 09:55 Uhr

Öko-Test verreißt in seiner Februar-Ausgabe durchweg alle getesteten basischen NEM. (Foto: Roberto Lunerti/Fotolia)

Öko-Test verreißt in seiner Februar-Ausgabe durchweg alle getesteten basischen NEM. (Foto: Roberto Lunerti/Fotolia)


Einfach nur schlecht – zu diesem Ergebnis kommt Öko-Test in seinem aktuellen Heft, in dem das Verbrauchermagazin 32 basische Nahrungsergänzungsmittel (NEM) unter die Lupe genommen hat. Von ihnen kommen fünf mit einem „mangelhaft“ davon, der Rest ist „ungenügend“. Von den Apothekenprodukten erhielten zwei die Note fünf und acht eine sechs. Grund für das miserable Urteil: fehlender Nutzen für den gesunden Verbraucher, überdosierte Inhaltsstoffe und eine lausige Deklaration.

Produktspezifische Studien gibt es nur sehr wenige, konstatiert Öko-Test. Die seien auch nicht notwendig, erklärt ein Hersteller dem Verbrauchermagazin. Schließlich handle es sich um NEM und nicht um Arzneimittel. Und NEM müssten vor dem Inverkehrbringen lediglich angemeldet werden. Viele Anbieter berufen sich daher auf zulässige gesundheitsbezogene Angaben. Medicom etwa erklärt, der Nutzen für sein Direktgranulat werde durch die Health-Claims-Verordnung und die zulässige Angabe zu Zink bestätigt („Zink trägt zum normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei“). In der EU-Allgemeinbevölkerung komme ein verschlechterter Säure-Basen-Stoffwechsel durch unzureichende Zinkaufnahme allerdings nicht vor, heißt es Öko-Test zufolge bei der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA.

Verunreinigungen...

Anhand der Deklaration prüfte Öko-Test zudem, ob die angegebenen Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen im Einklang mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung stehen. Insbesondere wurden die Basenpulver auf mögliche Verunreinigungen untersucht. Auch hier fällt das Ergebnis lausig aus: Obwohl überflüssig, stecken in vielen Spurenelemente von Kupfer und Mangan. Vielfach überschritten werden die empfohlenen Höchstmengen von Kalium, Calcium, Magnesium und Zink. Einige enthalten auch Hydrogencarbonate. Und völlig unnötig sei außerdem der Zusatz von Kieselerde, kritisiert Öko-Test – auch Beigaben wie Zeolith oder Korallenpulver ließen sich wissenschaftlich nicht begründen.

...und belastende Zusätze

Darüber hinaus fiel ein Produkt im Test durch einen erhöhten Arsengehalt auf. 13 Produkte lieferten vergleichsweise viel Nickel. Und das Verbrauchermagazin gibt zu bedenken: Wenn Hersteller das Dasein der Pulver schon damit rechtfertigten, dass sie die Folgen einer schlechten Ernährung ausgleichen, dann sollten sie wenigstens auf unnötige Inhaltsstoffe wie Aroma oder Süßstoff verzichten, Phosphatzusätze belasteten unnötig die Nieren. Die Reaktion der Hersteller bezeichnet Öko-Test wiederum als „erfrischend ehrlich“. Das Thema Übersäuerung und Therapie mithilfe basischer Ernährung werde sehr widersprüchlich diskutiert, gesteht Espara zu. Biopräp gesteht ein, keine aussagekräftigen Ergebnisse vorweisen zu können. 

Öko-Test rät zu abwechslungsreicher Ernährung

Mit der im Test besten Note „mangelhaft“ schnitten ab: Dr. Peter Hartig Basen Power Kur Pulver, Gall Pharma Basenkapseln GPH, Vitatrend Basen-Mineral Kapseln Naturafit Säure-Basen-Kapseln und Rebasit Mineral Pulver aus der Apotheke. Mit „ungenügend“ fielen von den Apotheken-Produkten durch: Basen Mens Sana Pulverkapseln, Basenpulver pH-Balance Pascoe, Dr. Jacob’s Basentabletten, Basica Instant Trinkpulver, Bascocaps Verla Kapseln, Yokebe Säure-Basen-Balance Plus Beutel, Nutritheke Basen Citrate Kapseln sowie Syxyl Basosyx Tabletten. Letztlich rät Öko-Test, sich das Geld für Basenpulver zu sparen und stattdessen auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse zu setzen.


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Amt für Verbraucherschutz informiert

NEM mit DMBA nicht verkehrsfähig

Gesundheitspräparate vom Discounter

Ökotest schickt Kunden zur Beratung in die Apotheke

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

Selen und Vitamin E nur bei Mangel

Studie des Helmholtz Zentrums

Senioren schlucken zu viele NEM