Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

31.03.2013, 08:00 Uhr


Ach du dickes Ei, ist schon Ostern? Mitten im Winter? Was meinst du, liebes Tagebuch, soll ich mal im Garten nachsehen, ob der Osterhase schon da war? Oder soll ich’s lieber lassen, weil’s eh nur gefälschte Eier sind? Oder nur die unsäglichen Rabattvertragseier für die Kassen, für die sich jetzt sogar die Bild-Zeitung interessiert hat? So richtig Osterfreude und Frühlingsstimmung mag da einfach nicht aufkommen. Wenig „oesterliche“ Freude dürfte auch der Celesio-Chef verspürt haben, als er sein letztjähriges Konzernergebnis präsentierte: die dicken Eier, die ihm das Ergebnis verhagelten, stammen aus Zeiten, als sein Vorgänger noch glaubte, die Apothekenzukunft liegt in Oesterle-Ketten und DocMorris-Häschen. Ob’s besser wird, wenn statt dessen dann Lloyds über der Apothekentür steht – man wird sehen. Was im Osternest fehlt, sind bunte Info-Eier von den ABDA-Hasen. Oder gibt’s gar ein Überraschungsei? Aber wer glaubt noch an den Osterhasen!

25. März 2013

Noch immer tauchen neue Omeprazol-Fälschungen in Deutschlands Apotheken auf, nach Ratiopharm- und KSK- jetzt im Hexal-Umkarton. Die Präparate enthalten zwar den richtigen Wirkstoff und die korrekte Wirkstoffmenge, aber sie stammen eben nicht vom angegebenen Hersteller. Man vermutet dahinter einen spanischen Lohnhersteller. Zwei Verdächtige, die Omeprazol im Ausland bezogen und in einer Lagerhalle in Schleswig-Holstein umgepackt haben sollen, wurden bereits verhaftet. Mag sein, dass solche Fälschungen in der legalen Verteilerkette extrem selten sind und keine gesundheitlichen Gefahren von den Fälschungen ausgehen dürften. Deshalb sieht man von Seiten des Ministeriums jedenfalls keinen akuten Handlungsbedarf. Dennoch, es stellen sich Fragen. Wollen wir Zustände wie auf einem Eiermarkt? Liebes Tagebuch, schon lang vorbei die Zeiten, in denen Großhändler nur direkt vom Hersteller Ware bezogen haben. Es gibt Schlupflöcher in der Lieferkette, genannt Vorgroßhändler, Zwischenhändler. Zum andern der Preisdruck, die Globalisierung: geht’s  noch ein bisschen billiger? Was ist, wenn Kriminelle beim nächsten Mal Ware ohne Wirkstoff oder mit gefährlichen Inhaltsstoffen in den Markt schleusen?

26. März 2013

Im Einzelhandel wird’s Geld verdient, nicht im Großhandel. Dieses oesterliche Credo hatte   schon der letzte Celesio-Chef. Jetzt will’s der Neue fortsetzen: Die alte neue Apothekenmarke „Lloyds“ soll’s richten, die konzerneigenen Lloyds-Apotheken tragen deutlich zum Konzerngewinn bei. In diesem Jahr wird das neue Lloyds-Konzept in in- und ausländischen Apotheken erprobt, spätestens im nächsten Jahr geht’s dann los: ein neues äußeres und inhaltliches Styling der Lloyds-Kettenapotheken im Ausland. Und in Deutschland das Angebot (nicht nur an Gehe-Apotheken), Lloyds-Bausteine zu übernehmen oder gleich ganz das Lloyds-Franchise-Schild über die Tür zu hängen – nachdem man DocMorris abmontiert hat. Immerhin: mit der Marke Lloyds (klingt in Deutschland irgendwie nach Versicherung oder Kreuzfahrt, oder?) sollen kein Preisdumping oder Billigpreise verbunden werden, sondern eher eine Premium-Apotheke. Das Personal soll top-geschult werden in Beratung, man beginnt mit den Themen Haut und Schmerz (Und was ist mit den anderen Themen? Mit Medikationsmanagement?) Schaun mer mal, wohin der Lloyds-Dampfer schippert.

Ein weiteres Signal aus dem Hause Celesio: Schluss mit Rabattschlachten! Anfang des Jahres müssen wohl, so der Celesio-Chef Markus Pinger, einige Großhändler mit zum Teil überhöhten Rabatten Apotheken angelockt haben. Sogar Wechselprämien in bar sollen geflossen sein, wenn eine Apotheke ihren Großhändler wechselte. Am Preiskampf hatte sich anfangs auch Celesio beteiligt, um „zu retten, was zu retten ist“, so Pinger. Mittlerweile werden die Rabatte zurückgefahren, denn auf Dauer hält das bei den heutigen Margen kein Großhändler lange durch. Ach, liebes Tagebuch, wenn man das ewige Rabatt-Auf und -Ab nicht schon so oft erlebt hätte… man könnte sich nur wundern. Und letztlich holt sich der Großhändler – nein, er muss es sogar – seine Lockmittel durch weitere Rationalisierungen, Tourenkürzungen, Gebühren, Aufschläge und „transparente“ Rechnungen wieder zurück. Verschenken kann keiner was. 

Und nochmal Celesio. Die positive Nachricht für den Konzern: Das operative Geschäft stabilisierte sich im vergangenen Jahr und brachte ein Plus. Aber bezieht man alles mit ein, auch die „nicht-fortgeführten“ Aktivitäten und das Desinvestment (nette Begriffe), dann erscheint beim Konzernergebnis für 2012 eine rote Zahl. Vor allem der Verlust beim Verkauf der DocMorris-Versandapo schlug zu Buche. Aber da musste der Konzern durch. Celesio-Chef Pinger hatte es versprochen – und Wort gehalten. Auch der Ausflug in das Geschäft der Logistikdienstleister war wohl nicht das Gelbe vom Oester-Ei. Der Konzern dürfte daraus gelernt haben: Ein Verzetteln bringt nichts, man sollte das machen, was man kann, nämlich Großhandel. Wie heißt es doch dazu im Kinderbuch „Häschenschule“: „Nicht vom Wege seitwärts springen! Nicht in dunkle Büsche dringen. Hat der Rotfuchs euch am Kragen, hilft kein Betteln, hilft kein Klagen.“

Mein liebes Tagebuch, aus dem vergangenen Herbst haben die Bayerischen Kassen nichts gelernt. Wir erinnern uns: Ausschreibungen für Grippeimpfstoffe brachten das Chaos. Hersteller konnten nicht liefern, Grippeimpfstoffe waren Mangelware. (Bösartig könnte man sagen: Unterm Strich das beste Sparprogramm für Kassen –was nicht geliefert wird, muss auch nicht bezahlt werden.) Jetzt schreiben die Kassen wieder aus für die neue Impfsaison 2013/14. Frei nach dem Motto: wir holen jeden letzten Cent aus dem System heraus, egal, ob die Versorgung läuft oder nicht. Meine Prognose: wenig Friede, keine Freude, und schon gar kein Eierkuchen.

27. März 2013

Gefälschte Arzneimittel aus dem Ausland, von Verbrauchern bestellt, vom Zoll abgefangen – im vergangenen Jahr ist die Zahl der Ermittlungsverfahren erneut gestiegen. Die in vielen Fällen gepanschten Präparate bergen Gefahren für Verbraucher. Wo bleibt die Fürsorgepflicht des Staates? Wenn man sich schon für den Versandhandel stark gemacht hat, sollte man jetzt auch in öffentlichkeitswirksamen Kampagnen die Verbraucher warnen, Arzneimittel aus dem Ausland zu beziehen. Und gleich auf die Apotheke vor Ort hinweisen.

Nach sechs Jahren leidvoller Erfahrung mit Rabattverträgen und allem Negativen, was damit zusammenhängt, ist das Thema auch in der Bild-Zeitung angekommen. Endlich! Die neuen zum 1. April in Kraft tretenden Verträge nahm das Boulevardblatt als Aufhänger. Denn jetzt steht er für viele Versicherten wieder ins Haus, der Wechsel von einem Billig-Präparat auf ein vermutlich noch günstigeres Mittel, „der pure Stress für Millionen Patienten“, so Bild. Und, liebes Tagebuch, der pure Stress für tausende Apotheken. Das Apothekenpersonal wird beschimpft, weil sie die gewohnten Pillen nicht mehr abgeben dürfen, es geht unendlich viel Zeit für Umstellungsgespräche drauf. Nein, auch nach sechs Jahren ist das Thema Rabattverträge noch nicht gegessen, auch wenn sie Milliarden einsparen. Denn: wo bleibt die Compliance, die Arzneimittelsicherheit? Also, liebes Tagebuch: Wenn ein Kunde auch nur mit der Augenbraue zuckt, weil er auf ein anderes Präparat umgestellt werden soll – da hätte ich jedes Mal große pharmazeutische Bedenken, gell?

Ja, ja, Daten sind ein hochsensibles Gut. Nachdem der Spiegel vor gut einem Jahr auf einen Handel mit unzureichend verschlüsselten Rezeptdaten aufmerksam gemacht hatte, schauen Datenschützer beim Rezeptdatenhandel ganz genau hin. Mein liebes Tagebuch, die Sache ist natürlich verzwickt. Statistikunternehmen wie Insight Health und IMS brauchen gewisse Daten, die sie aus Rezepten ablesen können, um die Industrie mit Statistiken versorgen zu können. Rezeptabrechnungszentren können durch den Datenverkauf die Gebühren für ihre Mitglieder niedrig halten. Und über allem steht der Datenschutz. Das Problem: einerseits müssen die Daten so stark anonymisiert und verschlüsselt werden, dass keine Rückschlüsse auf Ärzte und Patienten möglich sind, auf der anderen Seite sollen die gelieferten Daten so aussagekräftig sein, dass ihnen die Industrie entnehmen kann, wer die Verordner sind und  und wo welche Wege die Präparate gehen. Der Berliner Datenschützer stoppte letzte Woche die Weitergabe von Rezeptdaten durch die Berliner Rezeptabrechnungsstelle. Die Anonymisierung sei nicht korrekt. Das Norddeutsche Apothekenrechenzentrum hatte unlängst bereits für sich entschieden, Datenlieferungen einzuschränken. Jetzt folgt der Aufschrei der Statistikunternehmen. Man darf gespannt sein, ob sich Verschlüsselungstechniken finden lassen, die beiden Seiten gerecht werden.

28. März 2013

Wie ist man früher nur ohne PTA in Apotheken zurecht gekommen? Seit der Einführung der PTA Ende der Sechziger Jahre hat sich dieser Beruf eine unverzichtbare Position im Apothekenbetrieb erobert: Kompetent genug für die Rezepturherstellung und Arzneimittelabgabe unter Aufsicht, ohne so „teuer“ wie Approbierte zu sein. Mittlerweile hat sich allerdings das Anforderungsprofil an Apotheken geändert. Höchste Zeit also zum Nachdenken, ob die im Jahr 1997 ein wenig geänderte Ausbildung noch zeitgemäß ist. Nachdenken, das tut mittlerweile eine von der Bundesapothekerkammer einberufene Arbeitsgruppe zur Novellierung der PTA-Ausbildung. So allerlei Vorschläge liegen auf dem Tisch mit dem ersten Fazit: eine duale Ausbildung und eine Akademisierung des PTA-Berufs könne „insgesamt als nicht vorteilhaft und sinnvoll erachtet“ werden. Also: keine Abstufung in Richtung Berufsschule, aber auch keine Aufwertung in Richtung  Hochschule. Beides könnte das Gefüge durcheinander bringen, einen Systemwandel möchte man nicht. Na gut, das hilft nicht weiter. Aber, liebes Tagebuch, wie wär’s denn mit einer Anpassung der Ausbildung an das, was wir in Zukunft in Apotheken stärker brauchen: ran an den Patienten. Und dafür brauchen wir PTA, die kommunizieren können. Das Gespräch mit dem Kunden, mit dem Patienten – darauf kommt’s in Zukunft an. Das muss geübt, trainiert werden. Also: Ausbildung verlängern und Kommunikation lernen. Oder Ausbildungszeit beibehalten und an anderen Fächern ein wenig kürzen.

29. März 2013

Liebes Tagebuch, weißt du, wer heute vor 60 Jahren auf die Welt kam? Ein kleines quirliges Mädchen namens Barbara! Sie wuchs rasch heran, schnupperte in Apotheken vorbei und entschied sich dann für die Kunst, fürs Malen. Und wie durch Zufall kam sie auch bei der DAZ vorbei – das war vor 22 Jahren –, legte ein paar Zeichnungen vor, die nett, einfühlsam und mit spitzer Feder und viel Schmunzelfaktor die Sorgen und Nöte, die Eigenheiten und Schwächen des Apothekers und alles, was mit seiner Apotheke zu tun hat, aufs Papier brachten. Der DAZ-Cartoon war geboren. Liebes Tagebuch, lass uns mal ein dickes Danke sagen: für Barbara und den wöchentlichen Cartoon. Mittlerweile sind’s schon weit über tausend!  Und natürlich: Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag. Mehr dazu in der nächsten DAZ.

31. März 2013

Und jetzt raus zum Osterspaziergang. Auch wenn Strom und Bäche noch nicht durch des Frühlings holden belebenden Blick vom Eise befreit sind, wie Goethe es erleben durfte.

Frohe Ostern wünscht das liebe Tagebuch!


Peter Ditzel


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