Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

10.02.2013, 08:00 Uhr


Ob es wirklich „die wichtigste Aufgabe der Bundesapothekerkammer (BAK) ist, die Apotheker intern und extern besser zu vernetzen“, wie BAK-Präsident Kiefer im sonnigen Winterskiort Davos tönte, liebes Tagebuch, sei mal dahingestellt. Möglicherweise fallen uns da noch ein paar wichtigere Aufgaben ein, oderrrrr? Und dann auch in dieser Woche: eisige Winterstarre beim Kassenabschlag, bei der Notdienstpauschale, bei der Aufklärung um den Datenklau und die Zahlungen an die Privatagentur El Pato des Ex-ABDA-Sprechers. Außerdem gibt's noch ein paar Impressionen vom Kooperationsgipfel, zum Beispiel die, dass es wohl in wenigen Jahren keine DocMorris-Apotheken mehr geben wird, möglicherweise jedoch Lloyds-Apotheken. Schaun mer mal, liebes Tagebuch, wie viel es werden.

4. Februar 2013

Ein eigentlich unhaltbarer Zustand geht weiter: Noch immer ist nicht beschlossen, ob das Pharmazeutische Institut an der Uni Leipzig dicht machen muss oder nicht. Noch immer sind sich das sächsische Wissenschafts- (pro Schließung) und das Sozialministerium (contra Schließung) uneins. Und obwohl die Tendenz „perspektivisch“ eher in Richtung Schließung zeigt, wurde beschlossen, zum nächsten Wintersemester (2013/14) neue Studierende zu immatrikulieren. Immerhin, die immatrikulierten Studierenden sollen ihr Studium ohne Einschränkungen abschließen können (d. h., das Institut würde wohl noch mindestens bis 2017 arbeiten. Liebes Tagebuch, die Hängepartie ist eine Zumutung. Studierende und Lehrkräfte sollen wissen, woran sie sind. Oder lässt sich auch daran ablesen, wie die Politik den Apothekerberuf sieht. Nämlich:  „perspektivisch“ zurückgehend?

Die Bundesapothekerkammer (BAK) will Apotheker intern und extern besser vernetzen. Das hat sich BAK-Präsident Kiefer auf die Fahnen geschrieben. Was genau er darunter versteht, ist allerdings nicht so klar übergekommen. Er wird es uns noch sagen, liebes Tagebuch. Immerhin, es sollen Strukturen aufgebaut werden, in denen Landesapothekerkammer und BAK miteinander verbunden werden zu einem „tragfähigen und transparenten Netz“ für alle Kolleginnen und Kollegen. Hhmm, klingt gut, ist aber auch noch vage. Meinst du nicht auch, liebes Tagebuch, der großen Worte sind genug gewechselt? Wie wär‘s mal damit: einfach mal ein Positionspapier entwerfen mit klaren Vorgaben und Zielen, wo es mit dem Apotheker und der Apotheke hingehen soll – und dann zügig handeln und arbeiten. Transparent und vernetzt. Würde Vertrauen schaffen… vor allem nach der Krise im Dezember.

5. Februar 2013

Immer Ärger mit dm. Dieser Dromarkt mit seinen Pick-up-Stellen drängt noch immer in Richtung Apothekenimage, am liebsten mit Apotheken-A. Jetzt aber hat der Deutsche Apothekerverband Recht bekommen. dm darf auf Werbeplakaten nicht mehr das Apotheken-A, dargestellt auf einer Versandkiste zusammen mit dem Namen der kooperierenden Versandapotheke „Zur Rose“, verwenden. Das Landgericht München I erließ eine Einstweilige Verfügung. Ob damit nun Ruhe im Versandkarton ist?

6. Februar 2013

Apropos Versandapotheken: Die Zahlen vom Dezember 2012 zeigen einen Umsatzrückgang um –2,1 Prozent. Vor allem der Rx-Bereich ging mit  –13,1 Prozent so stark wie seit Mai nicht mehr zurück, nur OTC verbuchte ein leichtes Plus (2,7 Prozent). Was ist da los? Ist das nur temporär oder hat es die Bevölkerung mittlerweile verstanden und erlebt, dass das Procedere bei der Rx-Bestellung viel zu umständlich ist, zu lange dauert, und nichts dabei gespart ist?

Jetzt hat‘s auch der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) gemerkt: Die Datenklauaffäre könnte das Ansehen aller Apothekerinnen und Apotheker beschädigen, die sich vorrangig für eine gute Versorgung von Patientinnen und Patienten bemühen. Er fordert von den Standesorganisationen der Apothekerschaft eine entschiedene Reaktion auf die Datenklau-Affäre. Recht hat er, auch wenn das Statement erst jetzt kommt. Aber, auf diese entschiedene und vor allem rasche Aufklärung warten wir nun auch schon fast zwei Monate. „Entschiedenheit“ sieht irgendwie anders aus, liebes Tagebuch. Kritisch sieht auch der VdPP, dass sich die zur Überprüfung eingesetzte interne Arbeitsgruppe praktisch selbst überprüfen soll. Auch da Zustimmung, liebes Tagebuch: bei den im Raum stehenden Geldzahlungen an El Pato kann nur eine unabhängige Überprüfung wirklich glaubwürdig sein. Alles andere „hat ein G‘schmäckle“. Und morgen ist schon Rosenmontag!

7. Februar 2013

Kooperationsgipfel in München. Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) hält Hof. Und die ABDA ignoriert‘s. Schon irgendwie alles seltsam. Da sind mittlerweile rund 70 Prozent aller Apotheken in mindestens einer der rund 40 Kooperationen, nehmen Einkaufsvorteile und Dienstleistungen wahr, aber das Thema Kooperation und was da alles so abläuft, spielt sich berufspolitisch gesehen irgendwie hinter zugezogenen Gardinen ab. Man muss natürlich einräumen, liebes Tagebuch, dass der BVDAK nicht unbedingt die dicksten Kooperationen auf seiner Mitgliederliste stehen hat. Aber immerhin, es gibt ihn, den Kooperationsverband, er meldet sich gerne zu Wort – und die ABDA will nicht so recht mit ihm spielen. 
Liebes Tagebuch, wenn man sich mit dem Thema Kooperation ein wenig beschäftigt, fällt einem noch mehr dazu ein. Eigentlich wären Themen rund um Kooperationen auch Fragen, die im Bereich der Apothekerverbände angesiedelt sein könnten. Wäre man hier von Anfang an offener mit dem Phänomen der Kooperationen umgegangen, angefangen bei den Einkaufsringen bis hin zu den Franchise-Kooperationen, hätte es womöglich keinen BVDAK gegeben. Übrigens, viele der Vortragsthemen, die auf dem Gipfel präsentiert wurden, ständen auch einer Wirtschaftstagung des Deutschen Apothekerverbands gut zu Gesicht. Ach ja, liebes Tagebuch, das ambivalente Verhältnis zu Kooperationen: die meisten Apotheken machen mit, aber offiziell von ABDA-Seite redet man nicht viel drüber. Passt alles irgendwie zur (früheren) ABDA-Politik – aber sie will sich ja ändern, nicht wahr?

Bei der von der Politik zugesagten Notdienstpauschale tut sich nichts. Deshalb soll der Druck auf die Politik erhöht werden. Die ABDA setzt auf den einstündigen bundesweiten Klappendienst am 28. Februar (alle mitmachen, sonst klappt‘s nicht!), der rührige Hessische Apothekerverband startet zusätzlich die Plakat- und Unterschriftenaktion „Mondpreis“ in der Bevölkerung und bittet um Solidarität: „Wenn uns ein Politiker nachts um 2 Uhr braucht, sind wir da. Wenn wir die Regierung brauchen, ist keiner da.“ Ja, leider Realität. Die Aktion soll der Bevölkerung vor Augen führen: 2,50 Euro Notdienstgebühr sind ein nicht mehr zeitgemäßer Mondpreis. Hoffen wir, dass der Druck steigt.

Jetzt fehlt nur noch, dass es Politiker gibt, die die Notdienstpauschale und den Kassenabschlag in Zusammenhang bringen und fragen: Was wollen die Apotheker noch alles? Jetzt hab‘n s‘e erst 25 Cent bekommen, dann woll‘n s‘e noch 120 Mio. Notdienstpauschale und einen Kassenabschlag von höchstens 1,75 Euro, beides bezahlt von den Kassen? Es könnte sie geben, die Politiker, die so denken. Aber, liebes Tagebuch, das wäre mehr als unfair, wenn man das miteinander vermischten würde. Die Notdienstpauschale ist das eine, sie soll einen Ausgleich für Landapotheken bringen, die Dienst tun und bei denen nachts nur wenige Patienten kommen. Und das andere ist der Kassenabschlag, der jetzt endlich wieder auf den Stand der Vor-AMNOG-Zeit zurückgesetzt werden und dann auf dieser Basis neu verhandelt werden muss...

...was auch in dieser Woche die Kassen nicht einsehen wollten. Sie stänkern noch immer, der Deutsche Apothekerverband habe rechtswidrig den Abschlag wieder auf 1,75 zurückgesetzt. Stimmt nicht. Hallo, Kassen, zum Mitschreiben: Das AMNOG-Sonderopfer ist abgelaufen, jetzt geht‘s mit 1,75 Euro weiter. Als Verhandlungsgrundlage. Basta. Das sollte auch die AOK Nordwest einsehen.

Ein Gericht in Nordrhein-Westfalen stellt klar: Eine Apotheke, die ein Heim beliefert, darf nur soweit vom Heim entfernt liegen, dass die Anfahrzeit maximal eine Stunde beträgt. Ist eine klare Aussage. Und irgendwie schlüssig. Damit kann es nicht möglich sein, dass eine Apotheke Heime versorgt, die mehr als eine Stunde entfernt liegen. Gut so. Da kommen auch mal andere Apotheken zum Zug. (Es soll ja Apotheken geben, die Heime im Umkreis von 200 km und mehr versorgen.)

8. Februar 2013

Allzu lange wird es nicht mehr dauern, und der Name, der die Apotheken im vergangenen Jahrzehnt arg ärgerte, ist endgültig Geschichte. Nachdem der Celesio-Konzern seine mittlerweile ungeliebte Versandapotheke DocMorris an die Zur Rose verscherbelt hat, wird nun auch mit dem Rest des Namens, der noch über dem Franchise-Konzept thront, aufgeräumt: in wenigen Jahren wird es keine DocMorris-Apotheke mehr in Deutschland geben. Die Verträge laufen aus. Schluss, aus, vorbei. Man hört, es soll sogar einen wissenschaftlichen Beistand für die DocMorris-Apotheken geben, um diesen Umfirmierungsprozess zu begleiten. Und was kommt dann? Ein DocMorris-Apotheker darf dann, wenn er möchte, aller Voraussicht nach Lloyds-Apotheker bei Gehe/Celesio werden. Es ist zwar noch nicht offiziell, die Sache mit Lloyds, aber vermutlich wird‘ s so kommen. Ein bisschen die Offizin umpinseln, weg von grün-weiß, hin zu einem blauen Farbton, ein bisschen das Schild wechseln (Bye-bye Uncle DocMorris, Welcome Mr. Lloyd) – und fertig ist der Lack. Ob‘s klappt und wie viele wie schnell mitmachen werden – Gehe/Celesio wagt da keine Prognose mehr. Löblich, liebes Tagebuch, man hat dazugelernt, „dass Ketten nicht das Heil der Zukunft sind“. Tja, manchmal braucht‘s einfach ein bisschen Lehrgeld.

Und noch was Gutes zum Schluss: Eine Krankenkasse darf ihre Versicherten nicht zu einer bestimmten Apotheke locken, entschied das Thüringer Landessozialgericht. Was war vorausgegangen: Eine BKK hatte ihre Versicherten in Werbebriefen auf „attraktive Preisvorteile“ samt Bonussystem bei der niederländischen Versandapotheke Europa Apotheek Venlo hingewiesen und mit Werbebroschüren und Freiumschlägen den Bezug schmackhaft gemacht. Der Thüringer Apothekerverband sah rot, klagte und siegte. Ein Erfolg. Auch wenn es späte Satisfaktion war, denn der Vorfall ist schon über sechs Jahre alt. Sozialgerichte arbeiten nicht schneller. Aber, man darf sich die Schikanen der Kassen nicht gefallen lassen. Und mit Gerichtsurteilen keimt die Hoffnung, liebes Tagebuch, dass Krankenkassen mit solchen Mätzchen aufhören.


Peter Ditzel


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