Neu auf dem Markt

Brentuximabvedotin

08.12.2012, 10:00 Uhr


Das neue Antikörperkonjugat Brentuximabvedotin (Adcetris®) ist zur Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen Morbus Hodgkin und zur Behandlung des rezidivierten anaplastischen großzelligen Lymphoms (ALCL) indiziert.

Brentuximabvedotin besteht aus einem monoklonalen CD30-Antikörper, der an CD-30-Rezeptoren auf Lymphomzellen bindet, und dem Zytostatikum Monomethyl-Auristatin E, einem Spindelgift. Beide sind über ein Linkermolekül miteinander zu einem Konjugat verbunden, das in der Blutbahn stabil ist. Es wird nach Bindung an eine CD30-positive Tumorzelle internalisiert, dann wird durch proteolytische Spaltung das aktive Monomethyl-Auristatin E freigesetzt. Dieses bindet an Tubulin, verhindert dessen Polymerisierung, stört so das Mikrotubuli-Netzwerk innerhalb der Zelle und unterbricht den Zellzyklus. Als Folge kommt es zum programmierten Zelltod, zur Apoptose, der CD30-exprimierenden Tumorzelle.

Die Zulassung basiert auf den Daten mehrerer kleiner Phase-II-Studien mit 102 Patienten mit Hodgkin-Lymphomen und 58 Patienten mit einem anaplastischen großzelligen Lymphom, die an einer fortgeschrittenen oder rezidivierten Erkrankung litten, also bereits intensiv vorbehandelt waren. Das Antikörperkonjugat wurde in einer Dosis von 1,8 mg/kg Körpergewicht als Kurzinfusion alle drei Wochen bis zu maximal für 16 Zyklen eingesetzt. Von den 102 Patienten mit Hodgkin-Lymphom sprachen 94% auf die Therapie an, 75% erreichten eine komplette oder partielle Remission; das mediane progressionsfreie Überleben aller Patienten lag bei 5,6 Monaten.

Bei den 58 Patienten mit rezidiviertem ALCL lag die Ansprechrate bei 86%; 57% der Patienten hatten eine komplette Remission, bei 97% der Patienten reduzierte sich das Tumorvolumen. Die mediane Dauer des objektiven Ansprechens betrug 12,6 Monate; das mediane progressionsfreie Überleben betrug 13,3 Monate.

Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten periphere sensorische Neuropathien (in rund 40% aller Fälle), Nausea, Fatigue, Fieber, Diarrhö, Rash, Obstipation, Infusionsreaktionen und Neutropenien. Bei nicht tolerierbarer Toxizität muss die Therapie beendet werden. Die gleichzeitige Anwendung von Brentuximabvedotin mit Bleomycin ist wegen der möglichen pulmonalen Toxizität kontraindiziert.

Quelle: Fachinformation von Adcetris®, Stand Oktober 2012.


Dr. Bettina Hellwig