Pilotprojekt

AOK NordWest bietet Online-Patientenquittung

Berlin - 05.09.2011, 17:16 Uhr


Die AOK NordWest ist zufrieden mit ihrem Pilotprojekt der AOK-Patientenquittung. Als erste große gesetzliche Krankenkasse in Deutschland bietet sie ihren Versicherten diesen Service: Wer sich anmeldet, kann online sehen, was seine Behandlungen und Arzneimittel gekostet haben. Rund 6.000 Versicherte haben sich bereits registriert.

Gesetzlich Krankenversicherte haben schon seit dem Jahr 2004 das Recht, bei ihrem Arzt nach einer Quittung zu fragen. Die wenigsten nutzen dieses allerdings. Nun bietet die AOK NordWest ihren Versicherten einen Blick in ihre Gesundheitskosten, ohne dass sie ihren Arzt darum bitten müssen. „Mit der AOK-Patientenquittung verschaffen wir unseren Kunden einen umfassenden Überblick über nahezu alle Leistungen, die über ihre Krankenversichertenkarte abgerechnet wurden", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest. Die Quittung sorge damit für eine „hervorragende Transparenz“.

Auf der Patientenquittung ist übersichtlich aufgeführt, welche Behandlungen beim Arzt oder Zahnarzt in Anspruch genommen und abgerechnet oder welche Medikamente zu welchem Preis und in welcher Apotheke in Rechnung gestellt wurden. Der Service wurde laut AOK datenschutzrechtlich überprüft und genüge höchsten Sicherheitsanforderungen.

Das System hat allerdings auch Haken: Die Abrechnungen sind erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung einzusehen. Während die Arzneimittelkosten immerhin einige Wochen nach dem Abrechnungsmonat erscheinen, können bei den ärztlichen Behandlungen rund sechs Monate ins Land streichen. Zudem sind die angegebenen Preise mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. So sind bei Arzneimitteln die Brutto-Preise angegeben – gesetzliche Rabatte sind zwar abgezogen, nicht aber die vertraglichen. Die Einsparungen durch die Rabattverträge bleiben damit weiterhin im Dunklen. Zudem wird nicht erläutert, warum in einigen Fällen Zuzahlungen geleistet wurden, bei anderen Arzneimitteln aber wegfallen.

Auch wenn an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht, ist AOK-Chef Litsch vom Angebot seiner Kasse überzeugt. Die Patientenquittung trage zudem dazu bei, das Sachleistungsprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung zu stärken: „Mit unserem neuen Service machen wir deutlich, dass wir keine Kostenerstattung im deutschen Gesundheitswesen brauchen, um mehr Transparenz zu erreichen. Wir sollten an dem bewährten und für den Versicherten komfortablen Sachleistungsprinzip festhalten“, so Litsch.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), lobte die Quittung: „Hier wird ein großer Schritt hin zu mehr Transparenz für die Patienten gemacht“, sagte er bei der Präsentation des Online-Services bei einem AOK-Presseseminar im brandenburgischen Joachimsthal. Allerdings bemängelte auch er, dass die Angaben zur Arzneimittel-Zuzahlung unklar seien.

Jürgen Graalmann, designierter Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes, erklärte, es sei geplant, das Projekt der Patientenquittungen im kommenden Jahr auch auf die anderen AOKs auszuweiten.


Kirsten Sucker-Sket