Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller

BAH fordert Bekenntnis zur Selbstmedikation

Berlin - 08.12.2010, 14:02 Uhr


Mit Sorge betrachtet der BAH den rückläufigen Selbstmedikationsmarkt: Seit rezeptfreie Arzneimittel 2004 grundsätzlich aus der GKV-Erstattung herausgefallen sind, sinkt die Zahl der in der Offizin abgegebenen Packungen stetig.

Rezeptfreie Arzneimittel haben bekanntlich ebenso wie rezeptpflichtige ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem sie ihre Wirksamkeit, ihre Qualität und Unbedenklichkeit belegt haben. Dennoch haben sie in der Bevölkerung vielfach das Image, von geringerem Nutzen zu sein. Seitdem die Kassen die Kosten für diese Arzneimittel regelmäßig nicht mehr übernehmen, schrumpft der Markt. Dabei, so gibt der BAH-Vorsitzende Hans-Georg Hoffmann zu bedenken, ist die Selbstmedikation gerade in Zeiten, da die Eigenverantwortlichkeit der Patienten beschworen wird und die finanziellen Mittel knapp sind, zukunftsweisend. So liegt etwa der Durchschnittspreis eines OTC-Arzneimittels in der Apotheke vor Ort bei rund 7,70 Euro.

Einen Bereich gibt es allerdings, in dem das OTC-Geschäft boomt: bei den Versandapotheken. Während im „gewöhnlichen“ Apothekenmarkt mit direkter Beratung von Januar bis September dieses Jahres 454,8 Millionen Packungen und damit 2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum verkauft wurden, konnten die Versandapotheken ein Mengenplus von gut 20 Prozent auf 51,7 Millionen Packungen verzeichnen. In der Vor-Ort-Apotheke sank der Umsatz in dieser Zeit um 1,2 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro, in den Versandapotheken stieg er um 10,2 Prozent auf 493 Millionen Euro. Das Verhältnis von Menge zu Umsatz zeigt, dass die Versender mit ganz anderen Preisen arbeiten als die Apotheke vor Ort. Zwar lag der Durchschnittspreis eines über eine Versandapotheke bezogenen OTC-Präparates mit rund 9,50 deutlich höher als in der Apotheke vor Ort – aber es sind eben in erster Linie die hochpreisigen Arzneimittel, die im Versand bestellt werden. Und so kann man sich beim BAH nicht über die Zuwächse in diesen Apotheken freuen. Die niedrigeren Preise im Versand sind schließlich auch eine Folge niedrigerer Herstellerabgabepreise.

Damit es wieder bergauf geht im Selbstmedikationsmarkt, fordert der Verband ein „öffentliches Bekenntnis“ der Politik und der Kassen zur Selbstmedikation. „Nur die öffentliche Anerkennung der Selbstmedikation durch die genannten Kreise kann der Image- und Akzeptanzproblematik des OTC-Markts adäquat begegnen“, so Hoffmann. Darüber hinaus bekräftigt der BAH seine Kooperationsbereitschaft gegenüber den Apothekern und Ärzten, aber auch den Krankenkassen, um gemeinsame Konzepte zur Förderung einer sinnvollen Selbstmedikation zu erarbeiten. Gemeinsames Ziel sollte dabei die Stärkung einer medizinisch und ökonomisch sinnvollen Selbstmedikation zum Wohle der Patienten und des Gesundheitssystem sein.

Zudem appelliert der BAH an seine Mitgliedsunternehmen nicht müde dabei zu werden, die Bandbreite der Selbstmedikation stetig zu erweitern und zu verbessern. Dies könne dadurch geschehen, dass Verfahren zur Entlassung von geeigneten Präparaten aus der Verschreibungspflicht betrieben werden. Aber auch neue Produkte, sinnvolle Produktweiterentwicklungen sowie innovative Darreichungsformen bzw. Applikationsmöglichkeiten sollten weiter nach vorne gebracht werden. Nicht zuletzt fordert der BAH die nationalen wie europäischen Zulassungsbehörden auf, die regulatorischen Anforderungen an rezeptfreie Arzneimittel mit Augenmaß zu gestalten und umzusetzen.


Kirsten Sucker-Sket


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