In der Pipeline

Aflibercept bei feuchter Makuladegeneration

Berlin - 01.12.2010, 06:55 Uhr


Das Fusionsprotein Aflibercept ist eine neue Möglichkeit zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration. Jetzt liegen für die Aflibercept-Lösung zur Anwendung am Auge

Aflibercept wird gemeinsam von Bayer HealthCare und Regeneron Pharmaceuticals, Tarrytown/USA zur Behandlung der AMD entwickelt. Die Zulassungen in Europa und den USA sollen im ersten Halbjahr 2011 beantragt werden.

Therapiestandard bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), einer der häufigsten Ursachen von Erblindung, ist derzeit eine monatliche intraokuläre Injektion des monoklonalen Antikörpers Ranibizumab oder aus Kostengründen auch des preisgünstigeren Bevacizumab. Beide Wirkstoffe binden den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor), der im Auge die Proliferation von pathologischen Blutgefäßen stimuliert. Auf dieselbe Weise wirkt Aflibercept, ein komplett humanes, lösliches Rezeptorbindungsprotein des Wachstumsfaktors VEGF, das in Form einer Lösung zur Anwendung am Auge unter der Bezeichnung VEGF Trap-Eye auf den Markt kommen soll.

Aflibercept ist ein Fusionsprotein, bei dem Teile des VEGF-Rezeptors mit einem Immunglobulin verbunden sind. Während Ranibizumab monatlich injiziert wird, scheint für Aflibercept ein Intervall von zwei Monaten ausreichend zu sein, was die Therapie für die Patienten angenehmer machen dürfte und die Zahl der Untersuchungen verringern würde.

Die neue Substanz wurde in zwei randomisierten, doppelblind durchgeführten klinischen Studien der Phase III , VIEW 1 + 2 (VEGF Trap-Eye: Investigation of Efficacy and Safety in Wet AMD) mit fast 2.500 Patienten zur Behandlung der neovaskulären Form der altersbedingten Makula-Degeneration (feuchte AMD) erprobt. In beiden Studien wurde der Effekt einer Injektion in den Glaskörper des Auges (intravitreale Behandlung) auf den Erhalt und die Verbesserung der Sehkraft untersucht, und zwar bei folgenden Dosierungen: 0,5 mg einmal monatlich, 2,0 mg monatlich oder 2,0 mg alle zwei Monate (nach einer ersten Phase von drei Injektionen im monatlichen Abstand). Zum Vergleich wurde die intravitreale Behandlung mit Ranibizumab in einer monatlichen Dosierung von 0,5 mg während des ersten Anwendungsjahres untersucht. Im zweiten Studienjahr erfolgt die Anwendung beider Substanzen nach Bedarf, mindestens alle drei Monate jedoch nicht öfter als einmal monatlich. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 52 Wochen Behandlung ihre Sehkraft erhalten oder verbessert hatten. Statistisch wurde auf Nicht-Unterlegenheit (Non-Inferiority) getestet.

Beide Wirkstoffe verbesserten zu Beginn der Therapie den Visus, wobei die Ergebnisse unter Aflibercept sogar etwas besser zu sein scheinen: Die Patienten gewannen im Mittel 10,9 Buchstaben im Sehtest, verglichen mit 8,1 Buchstaben in der Ranibizumab-Gruppe, ein signifikanter Unterschied. Dieser leichte Gewinn konnte eine Weile aufrecht erhalten und die Erblindung hinausgeschoben werden: Nach 52 Wochen hatten unter Aflibercept alle zwei Monate 95 % der Patienten den primären Endpunkt, den Erhalt oder die Verbesserung der Sehleistung, erreicht.

Unter der monatlichen Injektion von Ranibizumab waren es 94 %. Die monatliche Injektion von Aflibercept konnte die Ergebnisse nicht weiter verbessern. Auch bei den Nebenwirkungen waren beide Therapien gleichwertig: Die Injektionen können Bindehautblutungen, Augenschmerzen, Netzhautblutungen oder Mouches volantes auslösen.

Quelle: Pressemitteilung der Bayer Health Care, 22. November 2010.


Dr. Bettina Hellwig


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