Gestationsdiabetes

Frühe Behandlung reduziert Risiken für Mutter und Kind

Hameln - 29.10.2009, 12:14 Uhr


Gestationsdiabetes ist ein wachsendes Problem mit einer Häufigkeit zwischen 1 und 20% aller Schwangerschaften und ein Risikofaktor für eine Reihe von Komplikationen für Mutter und Kind. Der Grenzwert, ab dem eine mütterliche Glucoseintoleranz behandelt werden sollte, ist allerdings noch unklar.

958 Probandinnen wurden zwischen der 24. und 31. Schwangerschaftswoche in zwei Gruppen randomisiert; nachdem sie in einem 50g-Glucose-Screeningtest und einem 100g-Glucose-OGT-Belastungstest die definierten Blutglucose-Grenzwerte erreicht hatten. Eine Gruppe wurde diabetologisch betreut und behandelt (Therapiegruppe) während die Vergleichsgruppe das übliche Vorsorgeprogramm durchlief. Primärer Studienendpunkt war eine Kombination aus perinataler Sterblichkeit und hyperglykämieassoziierten Komplikationen beim Neugeborenen wie Hypoglykämie, Hyperbilirubinämie, Hyperinsulinämie und Trauma unter der Geburt. Die Mutter betreffende sekundäre Endpunkte waren Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Gestationshypertonie, Präeklampsie, Kaiserschnitt und medikamentöse Einleitung der Wehen. Die Neugeborenen wurden auf die sekundären Endpunkte hohes und niedriges Geburtsgewicht, Behandlung auf der Neugeborenenintensivstation sowie Entwicklung eines akuten Atemnotsyndroms untersucht.

Die Häufigkeit schwerer Komplikationen des primären Endpunktes unterschied sich in beiden Gruppen nicht signifikant, auch kam es zu keinen perinatalen Todesfällen. Allerdings wurden in der Kontrollgruppe signifikant mehr Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4000g geboren. Die Mütter profitierten nicht nur durch eine geringere Rate an Kaiserschnittgeburten in der Therapiegruppe, weitere sekundäre Endpunkte wie die gefürchtete Komplikation Präeklampsie, Gestationshypertonie sowie Schulterdystokie wurden ebenfalls signifikant verringert. Insgesamt wurden 37 Frauen in der Therapiegruppe mit Insulin behandelt. Die Ergebnisse der Studie bestätigen aktuelle große internationale Untersuchungen. Der in Fachkreisen ersehnte Grenzwert ist aber immer noch nicht in Sicht. Doch sollte bestehendes Wissen Anlass sein, den steigenden Anteil an Müttern mit Risikofaktoren wie Übergewicht und erhöhtem Body- Mass- Index, sorgfältiger zu überwachen. Lebenslange Folgen von unbehandeltem Diabetes in der Schwangerschaft wie manifester Diabetes der Mutter und Übergewicht des Kindes könnten so vermieden werden.

Quelle: Landon, M. B. et al., A Multicenter, Randomized Trial of Treatment for Mild Gestational Diabetes, N Engl J Med 2009;361:1339-48.


Peter Tschiersch


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