Opioide

Methadon wirkt gegen Hirntumoren

Ulm/Konstanz - 07.10.2009, 15:29 Uhr


Opioide wie Methadon sind in der Lage, Hirntumoren zu zerstören. Erste Ergebnisse einer Forschergruppe aus Ulm zeigen, dass insbesondere eine gleichzeitige Gabe von Methadon und einem Chemotherapeutikum erfolgversprechend sein könnte.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 5500 Menschen neu an einem bösartigen Hirntumor. Am häufigsten tritt diese Krebserkrankung bei Menschen über 60 Jahren auf. Ein weiterer Altersgipfel liegt im Kindesalter.

Ursachen für die Entstehung sind nicht bekannt. Operation und anschließende Bestrahlung sind die wichtigsten Behandlungsformen. Auch der Einsatz von Chemotherapeutika ist möglich. Hirntumoren gehen von der Gehirnsubstanz selbst aus, von den Hirnhäuten, den Hirnnerven oder der Hirnanhangdrüse. Von den Hirntumoren müssen die Gehirn-Metastasen unterschieden werden, die sich als Tochtergeschwülste von Krebserkrankungen anderer Organe in das Gehirn absiedeln.

Hirntumoren werden derzeit in erster Linie operativ entfernt und bestrahlt. Ärzte setzen aber auch Chemotherapien gegen diese Krebsform ein. Zu Beginn der Behandlung sprechen die Patienten meist gut auf die Arzneimittel an. Allerdings treten nach einiger Zeit oft Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff auf: Der Tumor wächst weiter und kann nicht mehr bekämpft werden. Zusätzlich leiden die Patienten sehr stark unter den Nebenwirkungen der hoch dosierten Chemotherapeutika.

"Opioide wie Methadon sind in der Lage, auch Hirntumoren zu zerstören", berichtete Dr. Claudia Friesen. Erste Ergebnisse zeigen, dass insbesondere eine gleichzeitige Gabe von Methadon und einem Chemotherapeutikum sehr erfolgversprechend sein könnte. Einerseits wird so der programmierte Selbstmord der Tumorzellen ausgelöst, ohne gesunde Zellen anzugreifen. Andererseits macht Methadon Tumorzellen, die gegen Chemotherapie und Bestrahlung resistent geworden sind, wieder für die Behandlung empfindlich.

Ziel des Forschungsprojekts in Ulm ist es, bessere und wirkungsvollere Therapien gegen Hirntumoren zu entwickeln. Neben Methadon testen die Forscher weitere Opioide auf ihre Wirksamkeit. Darüber hinaus sollen ihre Arbeiten mehr Aufschluss darüber geben, wie Opioide Resistenzen gegen eine Chemotherapie überwinden können. Friesen und ihre Mitarbeiter wollen anschließend in einer klinischen Studie untersuchen, welche Opioide sich besonders gut für die Krebstherapie eignen und welche biologischen Mechanismen für die Wirkung verantwortlich sind. Geplant ist zudem eine Studie mit Hirntumor-Patienten, in der insbesondere die genaue Dosierung und die Verträglichkeit überprüft werden soll.


Bettina Hellwig


Das könnte Sie auch interessieren

Experimenteller Therapieansatz lässt Patienten hoffen und stößt auf Kritik

Mit Methadon gegen Krebs?

Kontroverse um Ergebnisse der experimentellen Glioblastom-Forschung

Der Methadon-Streit

Der Streit um den Nutzen für Krebspatienten geht in die nächste Runde

Irritationen um Methadon

Bei metastasiertem Kolonkarzinom

Therapiestudie zu Methadon startet 2020

DAZ-Tipp aus der Redaktion

Letzte Hoffnung Methadon

Wie mit dem Hoffnungsträger in der Krebstherapie umgegangen werden kann

Die Methadon-Story

DAZ-Top-Themen 2017

Methadon in der Krebstherapie

Krebstherapie

Methadon entzaubert!?