IQWiG-Abschlussbericht

Nutzen von Memantin bei Alzheimer Demenz nicht belegt

Köln - 10.09.2009, 14:05 Uhr


Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Alzheimer Demenz von Memantin profitieren.

Das IQWiG beklagt, dass Daten aus bisher durchgeführten Studien noch immer nicht vollständig verfügbar sind. In die Bewertung einbeziehen konnte das IQWiG sieben Studien, in denen insgesamt 1913 an Alzheimer Demenz Erkrankte über einen Zeitraum von 16 bis 28 Wochen mit dem NMDA-Antagonisten Memantin (Axura®, Ebixa®) behandelt wurden. Bei fünf dieser Studien hatten die Probanden ausschließlich Memantin bekommen, bei den anderen beiden war der Wirkstoff ergänzend zu einer bestehenden Therapie mit einem Cholinesterasehemmer verabreicht worden. Verglichen wurde jeweils mit einer Kontrollgruppe, die Placebo bekamen. Verwertbare Studien, die Memantin mit einem anderen Arzneimittel gegen Demenz oder einer nicht-medikamentösen Therapie verglichen, gibt es bislang keine.

Unter Memantin zeigten sich in den Bereichen Aktivitäten des täglichen Lebens und kognitive Leistungsfähigkeit zwar Effekte. Aufgrund der geringen Ausprägung dieser Effekte ist deren Relevanz jedoch fraglich, sodass sich ein Nutzen der Memantinbehandlung daraus nicht ableiten ließ. Die Daten zu unerwünschten Ereignissen unter Memantin ergaben keinen Beleg für ein im Vergleich zu Placebo erhöhtes Schadenpotenzial. Alle Aussagen beschränken sich auf einen Behandlungszeitraum von bis zu sechs Monaten. Langzeitstudien zu Memantin fehlen. Studien zum direkten Vergleich von Memantin mit anderen medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen liegen nicht vor.

Auch Angehörige scheinen nicht zu profitieren

Das IQWiG hat nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Angehörigen in den Blick genommen. Allerdings lieferten die Studienergebnisse keine Belege, dass Memantin sie entlastet, etwa indem die medikamentöse Therapie den Pflegebedarf oder die emotionale Belastung verringert. Die Lebensqualität der betreuenden Angehörigen hat keine der eingeschlossenen Studien als Zielgröße definiert. Der Betreuungsaufwand wurde zwar in den meisten Studien erhoben, die Daten wurden jedoch größtenteils von den Herstellern nicht zur Verfügung gestellt. Nach Einschätzung des IQWiG sind die vorliegenden Ergebnisse deshalb nicht verlässlich interpretierbar.

Quelle: IQWiG


Dr. Carolina Kusnick


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