Ein Streifzug durch die Medizin- und Kunstgeschichte
Von Peter Schmersahl
Das Mutterkorn wächst auf Getreideähren, insbesondere auf Roggenähren. Über Jahrhunderte hatte man dieses schwarze Gebilde als ein besonders gestaltetes Roggenkorn angesehen, wie auch die offizinelle Bezeichnung "Secale cornutum" (gehörnter Roggen) belegt.
Es galt als natürlicher Bestandteil im Brotgetreide Roggen, und der Mensch des Mittelalters hat sich nicht vorstellen können, dass es giftig sein kann. Tatsächlich war das Mutterkorn jedoch die Ursache für das Antoniusfeuer, das zeitweise epidemieartig auftrat, obwohl es keine Infektionskrankheit ist. Die Not der Kranken hat ihren Niederschlag in zahlreichen Kunstwerken gefunden. Nachdem man die Toxizität des Mutterkorns erkannt und erforscht hatte, machte man sich seine Wirkungen auch für die Therapie zunutze.