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Neues zu SARS-CoV-2 in Kürze

mab | Es tut sich einiges bei den Impfstoffen: Neue stehen in den Startlöchern, bereits zugelassene werden unter anderen Lagerbedingungen, an weiteren Personengruppen oder in anderen Dosierungsintervallen erprobt.
Grafik: GEMINI – stock.adobe.com

Wir haben im Folgenden die wichtigsten Meldungen der vergangenen Woche für Sie zusammengefasst:

Nummer 4 ist startklar

Nach den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca steht nun ein weiterer in den Startlöchern: Janssen-Cilag, die Pharmasparte von Johnson & Johnson, hat eine bedingte Zulassung ihres Impfstoffkandidaten Ad26.COV2.S in einmaliger Dosierung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt. Grundlage für die Zulassung sollen die Daten der ENSEMBLE-Studie sein, in der die Adenovektor-Vakzine an knapp 45.000 Probanden getestet worden war [Pressemitteilung Janssen, 17. Februar 2021].

Wärmere Lagerung und Impfung von Schwangeren

Ist Comirnaty® bald auch in den normalen Apothekengefrierschränken zu finden? Zumindest hat Biontech/Pfizer neue Stabilitätsdaten für seine Vakzinebei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eingereicht: Nach Änderung der Arzneimittelinformation könnte die Vakzine dann bei -25° C bis -15° C über zwei Stunden gelagert werden. Aktuell sind Lagertemperaturen zwischen -80° C und -60° C gefordert. Zudem gibt der Hersteller bekannt, dass Comirnaty® weltweit nun auch an 4000 Schwangeren in einer Phase-II/III-Studie untersucht wird. Alle werdenden Mütter erhalten zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche die Vakzine nach dem üblichen Impfschema. Neben der Wirksamkeit und Sicherheit der Vakzine bei der Mutter sollen außerdem die Sicherheit für den Säugling sowie die potenzielle Übertragung schützender Antikörper durch die Mutter untersucht werden. Zuvor hatten Untersuchungen zu Entwicklungsschäden und Reproduktionstoxizität keine alarmierenden Ereignisse gezeigt. Biontech/Pfizer plant zudem, in den nächsten Monaten seine Vakzine auch an Kindern zu testen [Pressemitteilungen Biontech/Pfizer vom 18. und 19. Februar 2021].

Heuschnupfenspray gegen COVID-19 im Test

Der saarländische Pharmahersteller Ursapharm hat zusammen mit dem Biotech-Unternehmen Cebina aus Wien eine klinische Studie gestartet, in der die antiviralen Eigenschaften von Azelastin-haltigem Nasenspray gegen SARS-CoV-2 untersucht werden sollen. Per Computer war zuvor aus ­etlichen bereits zugelassenen Wirkstoffen Azelastin als potenziell antiviral wirksame Substanz gegen SARS-CoV-2 ausfindig gemacht worden. In rekonstituiertem Nasengewebe reduzierten bereits geringe Mengen Azelastin die Viruslast hochsignifikant. In der Studie soll neben dem bereits zugelassenen Pollival®-Nasenspray auch eine niedriger dosierte Variante getestet werden. Falls Azelastin auch im Mensch die Viruslast senken sollte, gehen die Forscher davon aus, dass auch die Übertragungswahrscheinlichkeit der Viren verringert sowie der Verlauf der Erkrankung begünstigt werden könnte [Pressemitteilung Ursapharm, 22. Februar 2021].

Wirbel um Vitamin D

Seit Beginn der Pandemie wird immer wieder das Für und Wider einer Vitamin-D-Supplementierung in den Medien diskutiert. Zuletzt standen die sehr zweifelhaften Ergebnisse einer Preprint-Publikation von „The Lancet“ im medialen Interesse, in der es hieß, dass eine Vitamin-D-Gabe die Mortalität bei hospitalisierten Patienten um 60% reduzieren soll. Etliche Reaktionen aus der Fachwelt verwiesen auf methodische Fehler, auch Prof. Dr. Martin Smollich, Leiter der Arbeitsgruppe Pharmakonutrition am Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, hat sich kritisch via Twitter zu der Studie geäußert. Sein Fazit: „Aufgrund falscher Statistik und Vitamin-D-Baseline-Bias beweisen die Daten keine Wirksamkeit von Vitamin D bei COVID-19.“ Die Publikation wurde inzwischen gelöscht. Auch die randomisierte einmalige Gabe von 200.000 IE Vitamin D gegen Placebo brachte ein ernüchterndes Ergebnis bei 240 moderat bis schwer erkrankten COVID-19-Patienten: So konnte das Sonnenvitamin hier im Vergleich zur Kontrollgruppe die Krankenhausaufenthaltsdauer nicht signifikant reduzieren [Nogués X et al. The Lancet 2021. doi: 10.2139/ssrn.3771318 Murai IH et al. JAMA Network 2021. doi:10.1001/jama.2020.26848].

Stabile Immunität

Bei mehr als 90% der im April 2020 seropositiv getesteten Personen aus Ischgl konnten auch noch acht Monate später Antikörper gefunden werden. Dabei korrelierte die Anzahl der gefundenen Antikörper mit der Symptomstärke. Auch wenn keine oder nur noch wenige Antikörper detektierbar waren, konnte eine T-Zell-Aktivität bei den Probanden gefunden werden. Dies spricht für eine stabile Immunität bei den Genesenen [Pressemeldung der medizinischen Universität Innsbruck, 18. Februar 2021].

Geht auch später?

Impfstoff ist nach wie vor Mangelware. Eine Strategie, um den vorhandenen Impfstoff bestmöglich zu nutzen, ist eine Verlängerung des Impfabstandes. AstraZeneca hat im „The Lancet“ die neuesten Daten dazu veröffentlicht. Knapp 17.000 Probanden hatten Placebo oder Vakzine in unterschiedlichen Impfabständen erhalten. Wurde die zweite Dosis bereits nach sechs Wochen geimpft, lag die Wirksamkeit nur bei 55,1%, wurde sie dagegen nach zwölf Wochen geimpft, lag die Wirksamkeit bei 81,3%. Ebenso konnte eine mehr als doppelt so hohe Antikörperantwort nach einem Intervall von zwölf oder mehr Wochen im Vergleich zu einem Intervall von weniger als sechs Wochen gezeigt werden. In der Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs ist ein Abstand von vier bis zwölf Wochen vermerkt, dagegen lautet die Empfehlung der Ständigen Impfkommission neun bis zwölf Wochen [Voysey M et al. The Lancet 2021. doi:10.1016/S0406736(21)00432-3]. |

 

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