Rezension

Einer für alle Fälle

Hilfe bei kniffeligen Fragen im Notdienst

Denken wir an eine Apotheke von mittlerer Größe irgendwo in Deutschland. Eine dort beschäftigte Apothekerin bzw. ein dort arbeitender Apotheker werden im Schnitt pro Jahr zwischen zwölf und 20 Notdiensten leisten. Auf das gesamte Berufsleben bezogen, addiert sich die Summe auf eine stattliche Anzahl zwischen 450 und 700 Notdiensten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei keine Fragen oder Probleme auftauchen, tendiert gegen Null. Also was tun?

Am besten bereitet man sich im Vorfeld auf mögliche Szenarien vor. Liest sich dazu in rechtliche Grundlagen ein, überdenkt organisatorische Voraussetzungen und stellt sich auf mögliche akute Notfälle und Maßnahmen im Rahmen einer Selbstmedikation ein. Doch wie geht man dabei vor? Die ganze Handbibliothek konsultieren? Oder gibt es ein All-in-one-Werk? In der Tat gibt es das, und zwar den im Frühjahr 2021 erschienenen „Notdienst-Retter“, ein Handbuch für Organisation und Praxis. Dieses Gemeinschaftswerk von Autoren mehrerer Fachrichtungen fasst auf rund 450 Seiten die rechtlichen, organisatorischen und pharmazeutischen Fragen zusammen, die beim Notdienst auftreten können. Es schildert die Grundprobleme und gibt Hilfestellungen in Form allgemeiner Handlungsempfehlungen, Arbeitshilfen und praktischer Tipps.

Das Buch ist in mehrere große Abschnitte gegliedert. Es beginnt mit den rechtlichen und vertraglichen Grundlagen und dem Arbeitsrecht. Dem schließen sich Organisation, Kommunikation und Fragen zur Rezeptbelieferung an. Dann folgen Kapitel mit pharmazeutisch-medizinischen Inhalten wie das Abschätzen von Krankheitssituationen, ein Überblick über wichtige Notdienst-relevante Arzneimittelgruppen und spezielle Patientengruppen wie etwa Schwangere, Kinder und ältere Patienten. Das Buch schließt mit einem Abschnitt über den Umgang mit Arzneimittelrisiken im Notdienst und einem ausführlichen Sachregister. Die einzelnen Unterkapitel sind meist nach demselben Schema aufgebaut: Grundproblem, allgemeine Handlungsempfehlungen und Arbeitshilfen. Dabei richten Fallbeschreibungen, Hervorhebungen, Abbildungen, Checklisten und Tabellen den Blick auf bestimmte Situationen und erleichtern die Suche nach Antworten bei speziellen Fragestellungen. Hierzu ein Beispiel: Im Kapitel zur Belieferung von GKV-Rezepten im Notdienst werden Probleme wie z. B. nicht er­stattungsfähige Packungsgröße oder nicht vorrätige Darreichungsformen vorgestellt. Dazu werden dann die rechtlichen Grundlagen erörtert und allgemeine Handlungsempfehlungen aufgezeigt. Sehr hilfreich sind auch Hervorhebungen möglicher Pandemie-Sonderregelungen.

Von Stefanie Brune, Sebastian Baum und Timo Kieser

Notdienst-Retter

Handbuch für Organisation und Praxis

XVI, 455 S., 20 farb. Abb., 76 farb. Tab., 19,3 × 27,0 cm, Gebunden, 59,80 Euro, ISBN 978-3-7692-7347-2

Deutscher Apotheker Verlag 2021

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Fazit

Aufbau und Gestaltung des Buches sowie die vielen anschaulichen Beispiele unterstreichen den Praxisbezug des „Notdienst-Retters“, der alle wichtigen Fragen rund um den Notdienst abdeckt. Dieses All-in-one-Handbuch hilft den jüngeren Apothekern bei der Vorbereitung für die ersten Notdienste, unterstützt aber auch den erfahrenen Apotheker bei der Auf­frischung seiner Kenntnisse. Es bleibt zu wünschen, dass der „Notdienst-Retter“ in möglichst vielen Notdienstzimmern seinen festen Platz findet. |

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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