Rezension

Eine Ampel zur schnellen Übersicht

Wissen aus der Hebammenpraxis mit pharmazeutischem Fachwissen verknüpft

Wer schon einmal schwangere Frauen und stillende Mütter am HV-Tisch beraten hat, wird nach wenigen Augenblicken mit dem neuen Handbuch zur „Selbstmedikation in Schwangerschaft und Stillzeit“ verstehen, wie wertvoll für die pharmazeutische Beratung die Ampeltabellen zur Wichtung konkreter Empfehlungen zu Arzneimitteln sein können.

Schwangere Frauen in pharmakologischen Fragen zu beraten, wird manchmal zu einem Spagat, der nicht selten beide Seiten unzufrieden zurücklässt. Wie gern möchte man etwas guten Gewissens empfehlen können, das der Kundin Erleichterung verschafft und ihr vor allem ihre Sorge um das un­geborene Kind nimmt. Leider ist die Studienlage oft nicht ausreichend, um Empfehlungen aus den Fachinforma­tionen abzuleiten. Schnell wird an den behandelnden Arzt verwiesen. Aber muss das denn immer sein? Frauen haben auch schon vor der Erfindung von Fachinformationen und klinischen Studien Kinder zur Welt gebracht. Es gibt also sehr viel altes und überliefertes Wissen aus der Hebammenpraxis, das frau sich zunutze machen kann. Das aktuell im Deutschen Apotheker Verlag erschienene „Handbuch für die Beratung“ hat eine lange Entstehungs­geschichte, so die Autorin Annette Abhau, und das merkt man auch beim Lesen. Die langjährige Erfahrung der Apothekerin aus ihrer Arbeit als Dozentin für Pharmakologie an einer Hebammenschule ist an vielen Stellen im Buch spürbar. Besonders bereichernd ist, dass Abhau das Wissen aus der Hebammenpraxis mit pharmazeutischem Fachwissen verknüpft.

Der Aufbau ist wunderbar simpel und deshalb so übersichtlich. Im ersten allgemeinen Abschnitt werden die Grundlagen der Physiologie und Arzneitherapie bei Schwangeren, Stillenden und Neugeborenen kurz und prägnant vermittelt. Auch weniger geübte „Schnellleser“ können sich ohne Umschweife wieder in das Thema einlesen. Kurz wird auf die wichtigsten Fakten eingegangen, die bei einer Pharmakotherapie bei Schwangeren beachtet werden müssen: Welche Anforderungen werden an das Arzneimittel gestellt? Was ist mit Impfungen? Was ist bei der Ernährung zu beachten, etc. Und auch hier finden sich immer wieder wertvolle Zusatzinfos aus der Hebammenpraxis.

Nach den Grundlagen geht es über in den speziellen Teil – das Herzstück des Buches. Der Aufbau ist schön pragmatisch: Statt die Arzneimittel alphabetisch aufzulisten, sortiert Abhau nach Indikationen und ordnet sie nach einem Kopf-Fuß-Schema an. Das ist im Hinblick auf die pharmazeutische Beratung am HV-Tresen sehr praktisch. Jedes Kapitel beginnt mit einer Ampeltabelle, in der die gängigen OTC-Arzneimittel gelistet sind. Eine Empfehlung wird detailliert für das jeweilige Trimenon und die Stillzeit mithilfe der Ampel­farben ausgesprochen. Man findet also schnell ein geeignetes OTC-Arzneimittel. Dabei stehen chemisch-synthetische Wirkstoffe neben jenen aus komplementären Therapierichtungen. So kann jedem Kundinnenwunsch entsprochen werden. Besonderes Schmankerl: eine Sammlung der Ampeltabellen gibt es als schlankes Heft mit dazu – so hat man die Kerninformationen immer griffbereit in der Nähe des HV-Tisches.

Annette Abhau
Selbstmedikation in Schwangerschaft und Stillzeit - Handbuch für die Beratung
XXII, 666 S., HV-Broschüre mit Ampel­tabellen, 
17,0 × 24,0 cm, Kartoniert, 58,00 Euro, 
ISBN 978-3-7692-5032-9
Deutscher Apotheker Verlag 2021

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Jedes Kapitel bietet noch Hintergrundinformationen zu den Präparaten. So wird das Buch zu einem guten Nachschlagewerk für die pharmazeutische Beratung, da es hilft, zu verstehen. Die Themen im speziellen Teil sind vielfältig: es werden die häufigsten Beschwerden von schwangeren Frauen behandelt. Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Hypotonie, Pilzinfektionen, etc. Und auch die Psyche wird nicht außer Acht gelassen. Ebenso wird an die Zeit nach der Schwangerschaft gedacht: geburtsvorbereitende Maßnahmen, Milchstau, Brustdrüsenentzündung, Probleme beim Stillen bis hin zum Abstillen.

Und als wäre das nicht schon genug, gibt es noch einen dritten Teil. Der Anhang ist mehr als nur ein Anhängsel: hier wird es vielleicht etwas weniger pharmakotherapeutisch, dafür kann das preisgegebene Wissen vielleicht den kleinen aber feinen Unterschied für die Kundinnen ausmachen. Anette Abhau beschreibt bewährte Teemischungen, Auflagen und Wickel, die Anwendung von ätherischen Ölen etc. Eben alles, womit sich schwangere und stillende Frauen in dieser besonderen Zeit beschäftigen könnten.

Für wen ist das Buch also geeignet? Im Grunde für jeden. Erfahrene Apothekerinnen und Apotheker können davon profitieren, und natürlich auch Einsteiger. „Selbstmedikation in Schwangerschaft und Stillzeit“ ist ein wertvolles Handbuch für die Beratung. Klare Kaufempfehlung. |

Apothekerin Dorothée Malonga Makosi, MPH

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