Arzneimittel und Therapie

Herzschutz bei endokriner Tumortherapie

Wie einem erhöhten kardiovaskulären Risiko vorgebeugt werden kann

Endokrine Therapien tragen bei hormonabhängigen Mamma- und Prostatakarzinomen ganz wesentlich zu einem verlängerten Über­leben bei. Dieser Vorteil wird indes mit erhöhten kardiovaskulären Risiken erkauft. In welchem Ausmaß dies der Fall ist und welche Maßnahmen berücksichtigt werden sollten, hat eine von der „American Heart Association“ unterstützte Studie untersucht.

Nicht nur Therapien mit Trastuzumab oder Anthracyclinen, die mit einer erhöhten Kardiotoxizität assoziiert sind, erfordern eine regelmäßige Herzechokontrolle (Trastuzumab) oder das Einhalten kumulativer Höchstdosen (Anthrazykline). Auch endokrine Tumortherapien, die vornehmlich bei Mamma- und Prostatakarzinomen eingesetzt werden, sind mit kardiovaskulären Risiken verbunden. Dieses Risiko ist nicht zu unterschätzen, da kardiovaskuläre Erkrankungen per se weit verbreitet sind und zu den führenden Todesursachen gehören. Be­stehende kardiovaskuläre Risiken werden durch endokrine Therapien nochmals erhöht. Aus diesem Grund untersuchte eine von der „American Heart Association“ unterstützte Studie das kardiovaskuläre Risiko endokriner Therapien und schlug Monitoring- und Präventionsmaßnahmen vor.

Risiken beim Mammakarzinom

Bei Brustkrebs bestimmen die Art und Dauer der eingesetzten endokrinen Therapeutika das kardiovaskuläre Risiko. Vornehmlich werden selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM), Aromatase-Hemmer sowie Fulvestrant eingesetzt. Die Dauer kann variieren; häufig sind es fünf Jahre. Aufgrund der vorliegenden Daten können folgende Aussagen getroffen werden: Tamoxifen erhöht zwar das thromboembolische Risiko, hat aber protektive bis neutrale Auswirkungen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Ereignisse. Anders sieht das bei den Aromatase-Hemmern aus, die die beiden Letzteren erhöhen. Inwieweit diese Therapeutika das Myokardinfarkt-Risiko im Vergleich zu Tamoxifen erhöhen, wird kontrovers diskutiert. Sicher ist jedoch, dass sie das Risiko einer hypertensiven Herzerkrankung erhöhen. Im Vergleich zu den anderen Aromatase-Hemmern scheint Anastrozol das größte kardiovaskuläre Risiko aufzuweisen. Estrogen-Rezeptor-Downregulatoren wie Fulvestrant sind dem derzeitigen Kenntnisstand zufolge (im Vergleich mit Aromatase-Inhibitoren) mit keinem nennenswerten erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert.

Foto: Talaj/AdobeStock

Und die Androgen-Deprivation?

Zur Androgen-Deprivation werden je nach Krankheitsverlauf GnRH-Ago­nisten (z. B. Buserelin, Goserelin, Leuprorelin), GnRH-Antagonisten (z. B. Abarelix, Degarelix), Antiandrogene (z. B. Bicalutamid, Flutamid) sowie neuere Wirkstoffe wie Abirateron und Enzalutamid eingesetzt. Unter einer länger andauernden Androgen-Deprivationstherapie besteht ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Dieses hängt von der Art der Hormontherapie ab. Unter GnRH-Agonisten ist das Risiko höher als unter den Antiandrogenen der früheren Generation oder GnRH-Antagonisten. Kardiovaskuläre Daten zu neueren Wirkstoffen sind noch limitiert. Erste Daten zu Enzalutamid und Abirateron deuten (im Vergleich zu keiner Intervention) auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin. Dies scheint vor allem bei Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren der Fall zu sein.

Monitoring und Prävention zur Risikosenkung

Aus den erhöhten kardiovaskulären Risiken leiten sich die Vorgaben zum Monitoring und zur Prävention ab. So sollten Frauen, die ein SERM einnehmen, regelmäßig auf das Vorliegen einer venösen Thromboembolie untersucht werden. Unter der Einnahme von Aromatase-Inhibitoren ist die Entwicklung einer Dyslipidämie oder Arteriosklerose zu überprüfen. Unter beiden Therapieoptionen ist abhängig von den Vortherapien auf Anzeichen eines Herzversagens zu achten. Die Präventionsmaßnahmen umfassen eine kardio-onkologische Betreuung beim Vorliegen mehrerer kardiovaskulärer Risikofaktoren sowie eine endokrinologische Begleitung bei Diabetes.

Bei Patienten, die sich einer endokrinen Prostatakarzinom-Behandlung unterziehen, sind im Vorfeld kardiovaskuläre Risikofaktoren zu erfassen. Besteht ein erhöhtes Risiko für ein metabolisches Syndrom, sind die entsprechenden Parameter (u. a. Body-Mass-Index, Lipidmuster, HbA1c-Werte) zu kontrollieren. Die Präventionsmaßnahmen umfassen wiederum eine kardio-onkologische Betreuung beim Vorliegen mehrerer kardiovaskulärer Risikofaktoren sowie ein endokrinologisches Monitoring bei einem bestehenden Diabetes. |

Literatur

Okwuosa TM et al. Impact of hormonal therapies for treatment of hormone-dependent cancers (breast and prostate) on the cardiovascular system: effects and modifications: a scientific statement from the American Heart Association. Circ Genom Precis Med. 2021;14:e000082. doi: 10.1161/HCG.0000000000000082

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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