Wirtschaft

OTC-Markt: Versender als Corona-Profiteure

Sempora-Studie zeigt deutliche Rückgänge bei Vor-Ort-Apotheken / Das Weihnachtsgeschäft wanderte in den Versandhandel

cha | Insgesamt gingen die OTC-Umsätze im Corona-Jahr 2020 nur um 3 Prozent zurück. Doch der Rückgang spielte sich nur bei den Vor-Ort-Apotheken ab, während die Versender deutlich zulegen konnten. Das zeigt eine aktuelle Sempora-Studie. Deren Autoren empfehlen den öffentlichen Apotheken, „neue Touchpoints mit den Kunden“ aufzubauen.

Die Sempora-Studie, die auf Daten von Insight Health für die stationären Apotheken und DatamedIQ für den Versandhandel basiert, untersucht die Entwicklung des OTC-Markts im Jahresverlauf 2020. Dabei zeigt sich, wie sehr die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen sich auf das Kaufverhalten der Verbraucher ausgewirkt haben.

Insgesamt gab es im OTC-Markt einen leichten Umsatzrückgang um 3 Prozent. Doch dieser fiel bei den Vor-Ort-Apotheken überproportional aus, während die Ver­sender im Jahresverlauf deutlich zulegen konnten. Im Januar, noch bevor die ersten Corona-Fälle in Deutschland auftraten, nahmen die OTC-Umsätze der Vor-Ort-Apotheken um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu, bei den Versendern waren es 9 Prozent. Im Februar, von Sempora als „Ruhe-vor-dem-Sturm-Phase“ bezeichnet, gingen die OTC-Umsätze bei den Vor-Ort-Apotheken um 2 Prozent zurück, während die Versender um 11 Prozent zulegten. Zu einer letztmaligen Umkehr der Verhältnisse kam es dann im März in der „Hamsterkauf-Phase“: 29 Prozent plus für die Vor-Ort-Apotheken, 23 Prozent plus für die Versender.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Mitte März erfolgte dann die landesweite Schließung von Geschäften, öffentlichen Einrichtungen, Schulen etc., und anschließend ging die Schere zwischen Vor-Ort-Apotheken und Versendern – trotz der stufenweise erfolgenden Lockerungen – immer weiter auseinander. Von Ende März bis Mitte Dezember gaben die OTC-Umsätze in den Vor-Ort-Apotheken um 15 Prozent (25.03. bis 16.06.), 7 Prozent (17.06. bis 03.11.) und 12 Prozent (04.11. bis 15.12.) nach. Profiteure waren die Versender, deren OTC-Umsätze um 7 Prozent (25.03. bis 16.06.) bzw. 8 Prozent (17.06. bis 15.12.) zulegten. Besonders eklatant war die Entwicklung ab Beginn des zweiten harten Lockdowns: Zwischen dem 16. und dem 29. Dezember nahmen die OTC-Umsätze der Versender um 31 Prozent gegenüber dem Vor­jahreszeitraum zu, während sie bei den Vor-Ort-Apotheken um 11 Prozent zurückgingen. Damit wanderte das Weihnachtsgeschäft der stationären Apotheken zu einem guten Teil an den Versand.

Die Schere zwischen den OTC-Umsätzen in den Vor-Ort-Apotheken und bei den Versendern geht im Jahresverlauf 2020 immer weiter auseinander.

Einbruch bei den Erkältungspräparaten im Herbst

Einen deutlichen Einfluss hatte der Verlauf der Pandemie auch ­darauf, welche Arzneimittel verstärkt oder seltener als im Vorjahr gekauft wurden. So gab es ab Februar, als das Desinfizieren der Hände dringend empfohlen wurde, einen erheblichen Zuwachs bei den Desinfektionsmitteln (Umsatz + 58 Prozent im Zeitraum 29.01. bis 25.02., + 308 Prozent im Zeitraum 26.02. bis 24.03.). Dieser Zuwachs hielt, wenngleich auch nicht auf demselben hohen Niveau, das ganze Jahr über an. Als Folge des zunehmenden Gebrauchs von Desinfektionsmitteln stieg zudem die Nachfrage nach Produkten zur Hand- und Nagelpflege (+ 65 Prozent im Zeitraum 26.02. bis 24.03.). Zugleich legten auch Mittel zur Stärkung des Immunsystems/Vitamin C (+ 236 Prozent), Vitamin A/D-Präparate (+ 85 Prozent) sowie Analgetika (+ 73 Prozent) kräftig zu. Deutliche Zuwächse gab es auch bei Expektoranzien (+ 47 Prozent), Grippepräparaten (+ 41 Prozent) und Mineralstoffen (+ 35 Prozent).

Neben Vorsichtsmaßnahmen, um die Gefahr einer COVID-19-Infek­tion einzudämmen, dürften hier Hamsterkäufe eine wesentliche Rolle gespielt haben. Das zeigt sich auch daran, dass die Umsätze mit Erkältungsmitteln in den Folgemonaten deutlich zurück­gingen. So wurden im November und Dezember über 50 Prozent weniger mit Grippepräparaten und Expektoranzien umgesetzt als im Vorjahreszeitraum.

Dabei hat – neben dem Aufbrauchen der im Frühjahr gehamsterten Erkältungsmittel – offenbar aber auch eine Rolle gespielt, dass banale Infekte infolge der Corona-Schutzmaßnahmen wie Abstand halten, Maske tragen und Händewaschen deutlich seltener auftraten.

Frische Konzepte gefragt

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Konsumenten durch Corona ihre Einkaufsgewohnheiten ändern. Daher empfehlen sie, „neue Touchpoints mit den Kunden aufzubauen und potenzielle alte Verhaltensmuster mit frischen Konzepten zu durchbrechen“. Der Versandhandel zeige sich als nachhaltig verlässlicher Absatzkanal, heißt es weiter. „Die Veränderungen der Patient Journey erfordern eine Überprüfung der Channel-Strategie und die Entwicklung passender Konzepte je Kanal“, ist das Fazit. |

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