Wirtschaft

Wie läuft das Jahr?

Marktdaten der Apotheken bis April 2021

tmb | Absätze und Umsätze von Rx- und OTC-Arzneimitteln sind die wesentlichen Einflussgrößen für den wirtschaftlichen Erfolg der Apotheken. Wie entwickeln sie sich im Laufe des Jahres? Dazu möchten wir Ihnen künftig regelmäßig aktuelle Daten des Marktforschungsunternehmens Insight Health präsentieren. Damit knüpfen wir an den jahrelang veröffentlichten Roh­ertrags-Monitor in der AZ an.

Künftig werden wir mit einigen schnell verfügbaren Marktdaten regelmäßig den aktuellen Trend beschreiben. Außerdem werden wir etwas später mit zusätzlichen Daten genauer auf die zurückliegenden Zeiträume zurückblicken. In dieser ersten Folge betrachten wir das erste Quartal genauer und präsentieren erste Daten über den April 2021.

Einbruch im 1. Quartal

Wie ist nun das erste Quartal gelaufen? Kurz gesagt: Die Zahlen aus dem Apothekenpanel von Insight Health, die stets den prozentualen Vergleich zum Vorjahr beschreiben, vermitteln das Bild eines katastrophalen Einbruchs bei den Vor-Ort-Apotheken. Allerdings war das Vergleichsquartal im Jahr 2020 außergewöhnlich. Am Beginn der Pandemie fanden massive Hamsterkäufe bei Rx- und OTC-Arzneimitteln statt. Im Vergleich dazu waren für das erste Quartal 2021 erhebliche Rückgänge zu erwarten. Außerdem hat das erste Quartal 2021 unter dem immer wieder verlängerten Lockdown gelitten. Zu dem außergewöhnlichen Vergleichsquartal kommt also eine andauernde Sondersituation.

Rx: Im April kleines Licht nach langem Tunnel

Im ersten Quartal – genauer: in der Zeit bis zum Ende der 13. Kalenderwoche, also bis Ostersonntag, den 4. April – gingen die Rx-Umsätze der Vor-Ort-Apotheken nach den vorliegenden Daten um 2,8 Prozent und die Rx-Absätze sogar um 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Für die Apotheken ist der verstärkte Rückgang beim Absatz besonders schlecht, weil das Rx-Honorar überwiegend von der Packungszahl abhängt.

Das Bild hellt sich allerdings im April deutlich auf. Der sehr hohe Zuwachs in der 15. Kalenderwoche ist überwiegend ein Kalendereffekt – im Vorjahr war dies die Karwoche. Doch auch im weiteren Verlauf des April lagen der Rx-Absatz und -Umsatz über den Vorjahreswerten (siehe Abbildung 1). Allerdings ist auch dieser Vergleich verzerrt, denn im Vorjahr war dies die ruhige Zeit im ersten Lockdown, nachdem alle Hamsterkäufe getätigt waren. Kumuliert bis Ende der 17. Kalenderwoche, also bis zum 2. Mai, sank der Rx-Absatz im bisherigen Jahr 2021 um 6,3 Prozent. Gegenüber der Betrachtung nach dem ersten Quartal wurde also Boden gutgemacht. Bis Ende der 17. Kalenderwoche stieg der kumulierte Rx-Umsatz um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Optimisten könnten in dem positiven Vorzeichen ein Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen.

Quelle: Insight Health Daten/Apothekenpanel

Abb. 1: OTC-Umsatz und -Absatz der Apotheken vor Ort im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr; Basis: reale Apothekenverkaufspreise bzw. Packungseinheiten

OTC: Riesige Rückgänge bei Absatz und Umsatz

Bei den OTC-Daten aus dem Apo­thekenpanel waren die Rückgänge noch viel größer. Im ersten Quartal – genauer: bis zum Ende der 13. Kalenderwoche – sank der OTC-Absatz der Vor-Ort-Apotheken um 36,3 Prozent und der OTC-Umsatz um 29,3 Prozent. Die Einbrüche erscheinen besonders in der 9. bis 11. Kalenderwoche dramatisch, aber das ist der Vergleich zur Hochphase der Hamsterkäufe. Im ganzen ersten Quartal lagen OTC-Absatz und -Umsatz deutlich unter den Vorjahreswerten. Auch im OTC-Bereich entwickelte sich der Absatz schlechter als der Umsatz. Das ist jedoch weniger problematisch als im Rx-Bereich, weil der OTC-Ertrag eher an die Umsätze gekoppelt ist.

Auch im OTC-Bereich verbessert sich das Bild im April deutlich, und auch hier sind die Vergleichswerte zu bedenken. Nach dem deutlichen Anstieg in der 15. Kalenderwoche (im Vorjahr Kar­woche) lagen die OTC-Absätze und -Umsätze nahe den Vorjahreswerten oder darüber (siehe Abbildung 2). Kumuliert bis zur 17. Woche sank der OTC-Absatz im bisherigen Jahr 2021 um 29,4 Prozent und der OTC-Umsatz um 23 Prozent. Damit wurde ein Teil des im ersten Quartal ausgewiesenen Rückgangs bis Ende April wieder aufgeholt.

Quelle: Insight Health Daten/Apothekenpanel

Abb. 2: Rx-Umsatz und -Absatz der Apotheken vor Ort im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr; Basis: Apothekenverkaufspreise bzw. Packungseinheiten

Versand verliert weniger als Vor-Ort-Apotheken

Die großen OTC-Absatz- und Umsatzrückgänge bei den Vor-Ort-Apotheken lassen sich zum Teil durch Verschiebungen zu den Versendern erklären, aber nicht nur. Auch hier wirken sich der Vergleich zum „Hamster“-Quartal im Jahr 2020 und die andauernden Folgen der Pandemie aus. Die Verschiebung zum Versand lässt sich anhand der Daten erkennen, die Insight Health in Kooperation mit DatamedIQ erhebt. Demnach setzten die Vor-Ort-Apotheken im Jahr 2020 OTC-Produkte (apothekenpflichtige und nicht apothekenpflichtige Arzneimittel sowie Nichtarzneimittel) im Wert von 8476 Millionen Euro (gemessen an realen Apothekenverkaufspreisen) um, im 12-Monats-Zeitraum vom zweiten Quartal 2020 bis zum ersten Quartal 2021 waren es nur noch 7882 Millionen Euro, also 7,0 Prozent weniger. Da sich die beiden verglichenen 12-Monats-Zeiträume nur um das erste Quartal 2020 bzw. 2021 unterscheiden, würde das bei einer unterstellten Gleichverteilung der Quartale einen geschätzten Rückgang von etwa 28 Prozent für das erste Quartal ergeben. Auch bei den Versandapotheken gingen die Umsatzzahlen zurück. Sie sanken von 2470 Millionen Euro auf 2432 Millionen Euro, also um 1,5 Prozent im Vergleich der 12-Monats-Zeiträume, bezogen auf das erste Quartal also geschätzt um etwa 6 Prozent. Demnach gab es auch Rückgänge im Versand, aber bei den Vor-Ort-Apotheken sanken die OTC-Umsätze im ersten Quartal 2021 fast fünfmal so stark.

Absolute Zahlen im ersten Quartal stabil

Zusätzlich zu den Paneldaten präsentieren wir absolute Absatz- und Umsatzdaten der Vor-Ort-Apotheken, die Insight Health aus Daten der Rechenzentren hochrechnet – hier für das erste Quartal. Anders als die Vergleiche mit dem Vorjahr werden diese Zahlen nicht durch Effekte des Vorjahres beeinflusst. Da hier kein Vergleich stattfindet, lässt sich aus einem anderen Blickwinkel betrachten, wie das Jahr läuft.

Quelle: Insight Health

Abb. 3: So viele Einheiten haben die Apotheken in den jeweiligen Kategorien pro Monat abgegeben. Ausgeschrieben die Zahlen für Januar bis März 2021.

Quelle: Insight Health

Abb. 4: So viel haben die Apotheken in den jeweiligen Kategorien pro Monat umgesetzt. Ausgeschrieben die Zahlen für Januar bis März 2021.

Die Abbildungen zeigen die Absätze (siehe Abbildung 3) und die Umsätze (siehe Abbildung 4) jeweils für Fertigarzneimittel und Rezepturen zulasten der GKV, für die PKV, für die Selbstmedikation mit OTC-Arzneimitteln und für die Freiwahl. Die Schwankungen ergeben sich teilweise aus der unterschiedlichen Zahl der Arbeitstage in den Monaten. Doch die absoluten Zahlen zeigen, dass das erste Quartal 2021 keine so erstaunliche Berg- und Talfahrt war, wie es die Kurven mit den Vergleichen zum Vorjahr vermuten lassen (siehe Abbildungen 1 und 2). Diese Schwankungen entstehen großenteils durch den Vergleich mit 2020. Die absoluten Zahlen zeigen dagegen: Das erste Quartal verlief recht stabil. Der erfasste Gesamtumsatz betrug im März 6020,5 Millionen Euro und damit 14,2 Prozent mehr als im Januar. Das ist durch drei zusätzliche Arbeitstage (Montag bis Freitag) im März zu erklären. Diese Daten zeigen auch die Verteilung der Umsätze in den Apotheken. Der ermittelte Gesamt­umsatz des Quartals von 16.455,2 Millionen Euro verteilte sich auf 12.888,8 Millionen Euro (78,3%) mit der GKV (Fertigarzneimittel und Rezepturen), 2025,9 Millionen Euro (12,3%) für die PKV, 832,7 Millionen Euro (5,1%) in der Selbstmedikation und 707,7 Millionen Euro (4,3%) in der Freiwahl. Die Dominanz des Rx-Anteils ist damit gewaltig. |

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