Management

Ladendiebstähle: Der beste Schutz sind aufmerksame Mitarbeiter

Interview mit Franz Bättig / Täter lassen sich in der Regel schon an ihrem Verhalten erkennen

az | Franz Bättig ist in der Schweiz ein Großmeister bei der Diebstahlsbekämpfung. Der AZ beantwortete der frühere Zürcher Kantonspolizist einige Fragen zur Vermeidung von Ladendiebstählen.

AZ: Wie geht ein Ladendieb in der Regel vor und gilt das auch für Apotheken?
Bättig: Egal ob in einem Lebensmittelgeschäft oder in einer Apotheke, Ladendiebe gehen immer nach den gleichen Mustern vor und können durch aufmerksames Ladenpersonal erkannt werden.

AZ: Gibt es Merkmale im Verhalten, an denen man einen Ladendieb schon vor der Tat erkennen kann?
Bättig: Ladendiebe können in der Regel bereits vor der Tat aufgrund ihres Verhaltens erkannt werden. Je professioneller die Täter sind, desto weniger auffällig verhalten sie sich. Ungeübte Täter fallen in der Regel durch ihre Nervosität auf. Bereits beim Betreten des Ladens sind möglicherweise Auffälligkeiten feststellbar. Laden­diebe interessieren sich in dieser Phase für Überwachungsmaßnahmen im Laden (Video, Spiegel) und verhalten sich dadurch auffällig. Allein der Blick des Diebes zur Decke, um Überwachungsmaßnahmen ausfindig zu machen, verrät seine Absicht. Auch die Zahl der Angestellten spielt eine Rolle, ob Täter zur Tat schreiten.
Banden verraten sich, indem sich die einzelnen Mitglieder im Laden aufteilen. Die einen verwickeln das Verkaufspersonal in Gespräche, während die andern Waren einpacken. Während des Aufenthaltes im Geschäft kommunizieren Ladendiebe untereinander oft nonverbal, durch Zeichengabe, und fallen so dem aufmerksamen Ladenpersonal auf.
Oft können Diebe auch an der Kleidung erkannt werden. Personen, die in das Gesicht gezogene Kopfbedeckungen oder in Ladengeschäften Sonnenbrillen tragen, sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Nach erfolgtem Diebstahl fallen Ladendiebe auf, weil sie hastig den Laden verlassen.

AZ: Welche Maßnahmen kann man ergreifen, um Ladendieben das Leben so schwer wie möglich zu machen?
Bättig: Diebe „arbeiten“ am liebsten anonym. Sie bevorzugen Geschäfte mit wenig oder mit unaufmerksamem Personal. Videoüberwachte Geschäfte, Überwachungen im Laden mit Spiegeln an Decken oder Wänden, die sogenannte tote Winkel im Laden für das Verkaufspersonal sichtbar machen, Dieb­stahlsicherungen an Gegenständen, teure Gegenstände hinter Vitrinen und aufmerksames Ladenpersonal, das verdächtige Personen anspricht, sind Mittel und Maßnahmen, die Diebe vom Stehlen abhalten. Teure oder bei Ladendieben besonders beliebte Gegenstände sollten im Blickfeld des Verkaufspersonals oder hinter der Ladentheke ausgestellt werden.

AZ: Wie sollte man sich als Apothekeninhaber oder -mitarbeiter verhalten, wenn man einen Täter bei der Tat beobachtet?
Bättig: Damit es gar nicht zur Tat kommt, sollen Personen, die sich verdächtig verhalten, angesprochen werden. Fragen wie „kann ich Ihnen behilflich sein“, „was suchen Sie“ führen in der Regel dazu, dass Täter rasch den Laden verlassen und damit vom Diebstahl absehen. Auch allein die offensichtliche und ungeteilte Aufmerksamkeit des Verkaufs­personals führt dazu, dass Täter von der Tat absehen.
Haben Täter bereits Gegenstände eingepackt, gibt es zwei Möglichkeiten. Die Polizei wird gerufen. Das ist dann sinnvoll, wenn sich das Geschäft in der Nähe von Polizeiposten oder in Gebieten, wo die Polizeipräsenz hoch ist, befindet. Da die Polizei in der Regel kaum rechtzeitig vor Ort ist, soll sich das Verkaufspersonal das Signalement der Täter merken. Für die Fahndung besonders wertvoll sind eine gute Beschreibung der Kleider und von besonderen Auffälligkeiten der Täter (Tätowierungen, Piercings, besonderes betreffend Statur oder Fortbewegung etc.).
Die andere Möglichkeit ist, den Täter offen anzusprechen. Beispielsweise „vergessen Sie nicht den Gegenstand zu bezahlen, den Sie in die Manteltasche gesteckt haben“ etc.
Das effektivste Mittel, um Ladendiebstähle zu verhindern, ist aufmerksames Personal.

AZ: Vielen Dank für die Tipps! |

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