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Vom Super-Minister zum Kanzlerkandidaten

Ein satirischer Blick in die Zukunft von DAZ-Chefredakteur Dr. Armin Edalat

Frühjahr 2021. Die Große Koalition existiert noch, doch produktiv mag eigentlich niemand mehr arbeiten. Auf Annegret Kramp-Karrenbauer im CDU-Parteivorsitz waren Armin Laschet und Friedrich Merz gefolgt – doch ebenfalls ohne Erfolg. Nun ist der un­dank­bare ­Posten wieder vakant. Und weil mittlerweile die wirklich relevanten Themen nicht mehr von den Parteien, sondern von skandina­vischen Schulkindern vorgegeben werden, verfolgt man im Kanzleramt und in den Minis­terien einen ­lässigen Nine-To-Five-Job.

In allen Ministerien? Nein, natürlich nicht. In der Berliner Friedrichstraße brennt auch nach 17 Uhr noch das Licht. Jens Spahn arbeitet an seinem 234. Referentenentwurf. Es geht um die Frage, ob die gesetzlichen Krankenkassen auch während des Lebens nach dem Tod für ihre Versicherten aufkommen müssen. Dass ein Leben nach dem Tod existiert, daran zweifelt eigentlich niemand in der CDU. Nur bleibt zu klären, ob für die Reise ins Jenseits eine spezielle Auslandskranken­versicherung notwendig wird oder die GKV zuständig ist.

Foto: imago images/Stefan Zeitz

Spahn hat in seiner dreijährigen Amtszeit vieles an- und umgestoßen. Er musste sich mit den unterschiedlichsten Problemfeldern und Interessengruppen auseinandersetzen – mit den hiesigen Apothekern genauso wie mit ostasiatischen Coronaviren.

Den direkten Zusammenhang konnte sich damals zunächst niemand ausmalen. Doch die Epidemie sorgte dafür, dass in China jegliche Wirkstoffproduktion endgültig lahmgelegt wurde. Seitdem gibt es praktisch keine Arzneimittel mehr auf dem europäischen Markt.

Im Rahmen der neu eingeführten pharmazeutischen Dienstleistungen dürfen die Apotheker den Patienten nun theoretisch erklären, welche Haupt- und Nebenwirkungen die einzelnen Medikamente hätten, wenn sie denn lieferbar wären.

Als direkte Folge musste die GKV in den letzten zwölf Monaten auch kein Geld mehr für Arzneimittel ausgeben. Spahn, der Pragmatiker, weiß die freigewordenen Mittel gut einzusetzen. Alle, die an ein Leben nach dem Tod glauben oder es vielleicht zukünftig tun, werden es ihm danken.

Einer Frage wich er immer wieder aus und heute ist er froh, dass er sich nie festgelegt hat. Die Krankenkassen dürfen weiterhin homöopathische Präparate erstatten. Diese sind heute die einzigen Medikamente, die überhaupt noch verfügbar sind. Einige Apotheker haben aus der Not eine Tugend gemacht: Die allerletzten Tabletten der schulmedizinischen Präparate wurden als Ausgangsstoffe – quasi Urtinkturen – verwendet. Venlafaxin oder Valsartan stehen der Bevölkerung nun in homöopathischen Dosierungen bereit. Und weil unter Venlafaxin D6 und Valsartan C30 dann doch die ein oder andere Depression und Bluthochdruckkrise aufgetreten ist, wurden auch die letzten Homöopathie-Skeptiker von den Lehren Hahnemanns überzeugt: Similia similibus curentur!

Mit solchen Detailfragen will sich Minister Spahn nicht beschäftigen. Er gleist die Dinge lieber auf und bringt sie zum Rollen. Steuern und stoppen – das müssen andere tun. Sein großer Schreibtisch und sein noch größeres Engagement haben dazu ­geführt, dass er mittlerweile auch die Geschäfte von drei anderen Ressorts übernommen hat. Das läuft nebenher.

Was er in Zukunft vorhat? Vielleicht „irgendwas mit Europa“. Oder auch erstmal nur eine kleine Kanzlerschaft, dann aber mit einem völlig neu gestalteten Kabinett. Vier Digitalminister und drei Wirtschaftsminister müssten es schon mindestens sein. Die restlichen Posten lassen sich auch auf diverse Tochtergesellschaften und Start-ups verteilen. „Jens Spahn, ein Mann für alle Fälle“, so titelte das „Handelsblatt“ vor ziemlich genau einem Jahr, mitten in der Aufregung um dieses winzige Coronavirus. Man steht halt bereit, wenn man gebraucht wird.

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