Arzneimittel und Therapie

Rätselhafte Krebs­prophylaxe mit ASS

Body-Mass-Index scheint eine Rolle zu spielen

Die Frage, wie Acetylsalicylsäure (ASS) die Tumormortalität beeinflusst, wurde in einer US-amerikanischen Studie unter einem besonderen Aspekt beleuchtet: Welchen Einfluss haben biologische Charakteristika der Patienten wie das Alter und das Gewicht auf das Tumorgeschehen unter der Einnahme von ASS?

Mit steigender Prävalenz von Alter und Fettleibigkeit ist diese Frage von klinischem Interesse, um eine stratifizierte Tumorprävention zu ermöglichen.

In einer Kohortenstudie wurde der Einfluss von Acetylsalicylsäure auf die Gesamtsterblichkeit, die Krebsmortalität sowie die Sterblichkeit aufgrund gastrointestinaler oder kolorektaler Tumorerkrankungen bei älteren Patienten ermittelt und nach dem Body-Mass-Index (BMI) stratifiziert.

Dazu wurde auf die Daten von 146.152 Senioren im mittleren Alter von 66,3 Jahren zurückgegriffen, die an unterschiedlichen Tumorarten erkrankt waren. Die mediane Beobachtungsdauer lag bei 12,5 Jahren. Erfragt wurde die Häufigkeit der Einnahme von Acetylsalicylsäure (weniger als zweimal pro Monat, zwei- bis dreimal pro Monat, einmal pro Woche, zweimal pro Woche, drei- oder viermal pro Woche, einmal pro Tag, zweimal oder häufiger pro Tag), die genaue eingenommene Dosis wurde nicht erfasst.

Korrelation gefunden

Verglichen mit der Nicht-Einnahme von ASS zeigte sich eine Korrelation zwischen einer regelmäßigen ASS-Einnahme (ein- bis dreimal im Monat) und einem verminderten Sterberisiko (Hazard Ratio [HR] 0,84; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,80 bis 0,88) sowie mit einer verringerten Krebsmortalität (HR 0,87; 95%-KI 0,81 bis 0,94). Nahmen die Probanden dreimal pro Woche oder häufiger ASS ein, wurde ebenfalls ein verringertes Risiko für die Sterblichkeit aufgrund aller Ursachen sowie aufgrund von Tumorerkrankungen festgestellt (HR 0,81; 95%-KI 0,80 bis 0,83 bzw. HR 0,85; 95%-KI 0,81 bis 0,88). Besonders deutlich zeigte sich die Risikoreduktion hier aber bei gastrointestinalen und kolorektalen Karzinomen (HR 0,75, 95%-KI, 0,66 bis 0,84 bzw. HR 0,71; 95%-KI 0,61 bis 0,84).

Höherer BMI von Vorteil?

Die Korrelation zwischen dem BMI und dem Mortalitätsrisiko wurde in einer explorativen Analyse betrachtet. Dabei schienen Personen mit einem höheren Body-Mass-Index eher von Acetylsalicylsäure zu profitieren als solche mit einem geringeren BMI – vor allem bei höheren ASS-Dosen (dreimal pro Woche oder mehr). Bei Untergewichtigen mit einem BMI < 20 kg/m2 war keine präventive Wirkung von ASS zu erkennen. |

Literatur

Loomans-Kropp H et al. Association of Aspirin Use With Mortality Risk Among Older Adult Participants in the Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial. JAMA Netw Open:(12)2;2019:e1916729

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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