Therapien im Gespräch

Wie war das noch mit ...

Dextromethorphan, Amitryptilin, Sartanen, Statinen, Gliflozinen und den Benzodiazepinen?

du | Jeder von uns kennt das. Schon kurze Zeit nach erfolgreich absolvierten Staatsexamina ist das dafür erworbene Wissen schon wieder nicht mehr so präsent. Jahre später fragt man sich immer wieder „Wie war das noch?“ Unser Repetitorium möchte helfen, hier schnelle Antworten zu Wirkungen, Neben­wirkungen und Interaktionen zu finden.

Herzstück der Serie sind eine Übersichtsgrafik sowie die stichpunktartige Zusammenfassung „So war das“.

Gestaltet wird diese Serie von den Professoren für Pharmazeutische Chemie, Dr. Gerd Bendas, Bonn, und Dr. Holger Stark, Düsseldorf, zusammen mit ihren Mitarbeitern. „Wie war das noch 2020“ startete mit dem bei Reizhusten eingesetzten Dextromethorphan (DAZ 5, S. 46), es folgten die Sartane (DAZ 11, S. 28), Amitryptilin und die trizyklischen Antidepressiva (DAZ 20, S. 52), die Statine (DAZ 26, S. 40) die Gliflozine (DAZ 42, S. 46) sowie die Benzodiazepine und Z-Substanzen (DAZ 51, S. 56). Exemplarisch für die Serie möchten wir an dieser Stelle einen Einblick in die Folge zu den Gliflozinen geben. Einen schnellen Überblick zur Struktur der Gliflozine, ihren Wirkungsmechanismen und zu den wichtigsten Nebenwirkungen und Interaktionen gibt die Abbildung. Gliflozine haben inzwischen nicht nur einen Stellenwert als orale Anti­diabe­tika aufgrund ihrer Kardio- und Nephroprotektiven Eigenschaften in der Therapie des Typ-2-Diabetes. Dapagliflozin war das erste orale Antidiabetikum, das für die Therapie übergewichtiger Typ-1-Diabetiker zugelassen worden ist, die mit Insulin nur unzureichend zu behandeln sind (s. Kasten). |

Grafik: DAZ/Gesine Oberst

Abb.: Gliflozine, deren Struktur, Wirkungsmechanismen, Nebenwirkungen und Interaktionen

so war das

  • Gliflozine hemmen die Glucosetransporter SGLT-2 oder SGLT-1 und SGLT-2.
  • Gliflozine sind nicht-insulinotrope orale Antidiabetika.
  • Gliflozine repräsentieren die erste und einzige Arzneistoffklasse, die als orale Add-on-Therapie bei Diabetes mellitus Typ 1 zugelassen ist.
  • Durch die Insulin-unabhängige Wirkung besteht bei Monotherapie ein nur geringes Risiko der Hypoglykämie.
  • Glucosurie ist Teil der Hauptwirkung und daher kein Symptom des Diabetes.
  • Gliflozine sind potenziell kardio- sowie nephro­protektiv.
  • Die Anwendung der Gliflozine bei Diabetes mellitus Typ 2 ist aktuell auf Patienten mit kardialem und renalem Risiko in Kombination mit Metformin (bei Metformin-Unverträglichkeit als Monotherapie) beschränkt.
  • Zur Therapie des Typ-1-Diabetes können aktuell in Deutschland übergewichtige Patienten mit unzureichender Therapieeinstellung durch Insulin mit Dapagliflozin behandelt werden.
  • Nebenwirkungen sind Intiminfektionen und selten Nekrosen.
  • Ketoazidosen sind seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen unter Gliflozin-Therapie, deren Symptomatik wie Übelkeit, Anorexie, Bauchschmerzen, Durst, Verwirrtheit und Müdigkeit streng beobachtet werden soll.
  • Bei drohender Ketoazidose muss die Therapie mit Gliflozinen abgebrochen werden.
  • Bekannt sind Wechselwirkungen mit Diuretika und insulinotropen Arzneimitteln.
  • Gliflozine werden nicht über CYP-Enzyme metabolisiert, daher gibt es kaum ein Interaktionspotenzial mit CYP-Substraten.

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