Therapien im Gespräch

Pharmako-evolutionär und -legendär!

Neuropharmakologie, „Befreiungspharmakologie“ und Cannabis unter der Lupe

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Pharmako-evolutionär! behandelt die Frage, was aus einem bestimmten Wirkstoff oder einer pharmazeutisch-pharmakologischen Idee wurde. In DAZ 10, S. 58 beleuchtete Prof. Dr. Thomas Herdegen in diesem Zusammenhang unter dem Titel „ Die Herren der Ringe“ die Trizyklika und ihre Bedeutung für die Neuropharmakologie, in Anlehnung an Tolkiens „Herr der Ringe“: Wenn uns Ängste plagen und die bösen Ork-Geister in endlos langen furchtbaren Reihen durchs Wahn-sinnige Gemüt ziehen, unsere Gefühle von grauem Nebel umwabert im schweren Gefühlsmorast entschwinden, uns peinigende Schmerzen lähmen und die Schlaflosigkeit unsere Nächte in schwarzen Wachspiralen zerdreht – dann eilen die Herren der drei Ringe und ihre trizyklischen Derivat-Vasallen mit ihren Nachgeborenen zum Abwehrkampf herbei: die Schlachtkolonnen der Neuroleptika, Antidepressiva, Antikonvulsiva und Koanalgetika. Immer noch werden ihre Kräfte in neuen Indikations-Territorien erprobt. In dem Beitrag werden nicht die Schäden ihrer Kampfhandlungen, sondern ihre Fähigkeiten als therapeutische Hilfe reflektiert.

Ein weiterer Beitrag in der Reihe „Pharmako-evolutionär!“ ist überschrieben mit dem Titel: „Befreiungs­pharmako­logie – Alles muss raus“.

Für Herdegen hat mit den Gliflozinen, den hochgelobten antidiabetischen Wunderwaffen gegen das metabolische Syndrom, das pharmakothera­peutische Prinzip der Ausscheidung als Therapieoption einen neuen Höhepunkt erreicht. Resorptionshemmer von energiereichen Nahrungszuckern wie Acarbose oder Phytopharmaka aus der Guarbohne oder Metformin waren vorausgegangen. Diese Folge, die dem Werdegang von interessanten pharmakologischen Wirkstoffen und Ideen nachspürt, beschreibt die Entwicklung und den Stellenwert von antiresorptiven Therapien am Beispiel des Diabetes mellitus sowie der Hyperlipidämie (DAZ 23, S. 52).

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„Pharmako-legendär!“ hinterfragt alte besondere Therapieformen, denen aus der Medizingeschichte etwas Legendäres anhaftet. Den Beginn machte Prof. Dr. Thomas Herdegen mit „Cannabis – Zwischen Dichtung und Wahrheit“. Cannabis schickt sich an, mit den enthaltenen biogenen Arzneistoffen seinen Platz in der Schulmedizin zu finden. Zu Recht? Oder bleibt am Ende nur wenig mehr als heiße vaporisierte Luft?

Der Autor ist optimistisch und sieht eine substanzielle therapeutische Sinnhaftigkeit aus alter Vorzeit in die Zukunft hineinwachsen. So zum Beispiel im Rahmen der Schmerz­therapie. Hier fordert Herdegen, dass sich medizinische Cannabinoide mit den etablierten (pharmakologischen) Therapien messen und an ihnen orientieren müssen. Sie sind keine Option bei akuten Schmerzen und sollten erst eingesetzt werden, wenn eine an Leitlinien orientierte Schmerztherapie durchgeführt worden ist. Bei unzu­reichender Schmerzlinderung sollten sie dann jedoch schnell und nicht erst Jahre später in Erwägung gezogen werden. Sie ersetzen jedoch keinesfalls die Opioide als Analgetika der 1. Wahl. Es ist vor allem eine therapeutische Wirkung bei Insomnie, Angstsyndromen und pathologischen Stressreaktionen zu erwarten, so Herdegen.

Mit einer solchen medizinisch kontrollierten Zielsetzung können nach Meinung Her­degens auch Blüten und Extrakte in begründeten Fällen als Therapeutika eingesetzt werden (DAZ 36, S. 48).

Die zweite „Pharmako-legendär!“-Folge widmet sich der Pharmakologie der Cannabis-Inhaltsstoffe und deren Folgen für die Wirkung und Sicherheit. Dabei werden die „Phytocannabinoide“ mit den „Retorten-Cannabino­iden“ verglichen (DAZ 49, S. 58). |

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