Therapien im Gespräch

Für mehr Arzneimittelsicherheit

Was bei der Abgabe von Metamizol und niedrigdosierter ASS beachtet werden muss

mab | „Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“ Damit auch Sie als Apotheker fit in der Beratung zu Nebenwirkungen bleiben, haben wir zwei häufig verordnete Wirkstoffe unter die Lupe genommen und Sie mit deren potenziellen Nebenwirkungen vertraut gemacht.
Foto: contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung von Metamizol stellt die Agranulozytose dar (DAZ 17, S. 52), bei der es zu einem Abfall der Granulozyten unter 500 Zellen pro Mikro­liter Blut kommt. Dies äußert sich für den Patienten in grippeähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Mundschleimhautentzündungen sowie zum Teil auch Fieber und Schüttelfrost. Auch können Lymphknotenschwellungen und Entzündungen im Genital- und Analbereich bei den Betroffenen zu­tage treten. Sollten solche Symptome unter der Metamizol-Therapie festgestellt werden, muss das Medikament sofort abgesetzt werden und parallel eine Untersuchung des Blutes veranlasst werden. Patienten sollen dem­entsprechend bei der Abgabe des Schmerzmittels informiert werden. Die Symptome der Nebenwirkung können sehr variabel bereits sieben Tage nach Beginn der Metamizol-Therapie auftreten, bei anderen Patienten wiederum erst nach bis zu 42 Behandlungstagen. Außerdem sollten Patienten, die Metamizol bekommen, über potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beraten werden. Beispielsweise sollte die Kombination des Schmerzmittels mit Methotrexat vermieden werden, da sonst die Hämatotoxizität von Methotrexat gesteigert werden kann. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Acetylsalicylsäure (ASS) kann Metamizol die thrombozyten­aggregationshemmende Wirkung von ASS verringern. Indem ASS immer mindestens 30 Minuten vor Metamizol eingenommen wird, kann diese Wechselwirkung umgangen werden. Weiterhin sollte die empfohlene maximale Einzeldosis von 1000 mg und einer Tagesmaximaldosis von 4000 mg bei Patienten ab 15 Jahren nicht überschritten werden und das Schmerzmittel nur in den zugelassenen Indikationen und unter Beachtung der Kontraindikationen eingesetzt werden.

Wann niedrigdosierte ASS gefährlich werden kann

Aber auch mit dem Thrombozytenaggregationshemmer ASS haben wir uns dieses Jahr beschäftigt. So kann er bei älteren Patienten auch in niedrigen Dosierungen Blutungen hervorrufen, welche in einer Studie erstmals quantifiziert wurden (DAZ 46, S. 44). An über 19.000 Probanden über 70 Jahren konnte festgestellt werden, dass das Risiko für Blutungen unter niedrig dosiertem ASS um 60% höher war als bei Probanden, die den Thrombozytenaggregationshemmer nicht einnahmen. Das Blutungsrisiko stieg dabei mit dem Alter der Patienten an. Vor allem traten Blutungen des oberen Gastro­intestinaltrakts auf, was sich durch die ASS-bedingte Herunterregulierung der Mucus- und Bicarbonatproduktion im Magen erklären lässt. Gleichzeitig konnte auch die präventive Einnahme von Protononpumpeninhibitoren keinen ausreichenden Schutz darstellen, die Forscher forderten jedoch weitere Studien hierzu. Insgesamt lag das absolute Risiko für Blutungen unter ASS 100 mg bei 0,4%. Allerdings konnte sich das absolute Risiko eines 80-Jährigen, wenn gleichzeitig andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Niereninsuffizienz und Rauchen vorhanden waren, bis auf über fünf Prozent addieren. Daher schlussfolgern die Studienautoren, dass diese Risikopatienten kein ASS zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereig­nisse einnehmen sollten. |

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