Arzneimittel und Therapie

Hautreaktionen unter Allopurinol

Vorsicht bei Herz- und Nieren-Erkrankungen

Unter der Einnahme von Allo­purinol können schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse auftreten. Welche Faktoren das Risiko er­höhen, wurde im Rahmen einer bevöl­kerungsbasierten Kohortenstudie ermittelt.

Allopurinol wird zur Therapie der Gicht eingesetzt. Der Wirkstoff zählt zu den Urikostatika, welche die Harnsäurebildung reduzieren. Durch Hemmung der Xanthinoxid­ase werden vermehrt Hypoxanthin und Xanthin ausgeschieden – der Harnsäurespiegel sinkt. Allopurinol gilt als Mittel der Wahl bei Patienten mit häufigen Gichtanfällen oder chronischer Gicht und ist im Allgemeinen gut verträglich. Gefürchtet sind jedoch die selten auftretenden lebensgefährlichen Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS).

Im Rahmen einer bevölkerungs­basierten Kohortenstudie wurden die Daten von Einwohnern aus British Columbia, Kanada, ausgewertet. Die Studienautoren konnten dabei auf die Datenbank Population Data BC zurückgreifen, in der sowohl ärztliche Verordnungen als auch Krankenhausbehandlungen zentral erfasst werden.

Zwischen 1997 und 2015 erhielten insgesamt 130.325 Einwohner Allopurinol, davon mussten 109 aufgrund schwerer Hautreaktionen im Krankenhaus behandelt werden. Das Gesamtrisiko lag bei 1 zu 1196. Am häufigsten traten die schweren Hautreaktionen nach etwa einem Monat auf, nach dreimonatiger Behand­lung war das Risiko deutlich geringer.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass Herz- und Nieren-Erkrankungen das Risiko deutlich erhöhen. Bei herzkranken Patienten lag das Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund einer schweren Hautreaktion bei 1 zu 655 gegenüber 1 zu 1548 bei Patienten ohne Herzerkrankung. Auch unter Berück­sichtigung verschiedener Verzerrungsfaktoren wie Alter und Geschlecht war die Assoziation signifikant (Relatives Risiko [RR] 1,55; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,01 bis 2,37). Chronische Nierenerkrankungen (RR 1,88; 95%-KI 1,17 bis 3,02) und eine Initialdosis von Allopurinol > 100 mg/Tag (RR 2,78; 95%-KI 1,75 bis 4,43) gingen ebenfalls mit einem signifikant erhöhten Risiko einher.

Patienten, die sowohl an einer Herz- als auch an einer Nieren-Erkrankung litten und bei Therapiebeginn eine Allopurinol-Dosierung von > 100 mg/Tag erhielten, hatten ein elffach erhöhtes Risiko. Niedrigere Dosierungen (100 mg/Tag oder weniger) waren hingegen nur mit einem etwa doppelt so hohen Risiko verbunden.

Weitere Risikofaktoren waren ein höheres Alter und das weibliche Geschlecht. In der Studie konnte zudem festgestellt werden, dass Diabetes und die Einnahme von Diu­retika das Risiko nicht erhöhen.

Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen die Studienautoren, bei der Verordnung von Allopurinol auf kardiorenale Risikofaktoren zu achten und gegebenenfalls eine niedrigere Dosis zu wählen. |

 

Literatur

Yokoso C et al. Heart disease and the risk of allopurinol-associated severe cutaneous adverse reactions: a general population-based cohort study. CMAJ 2019;191(39):E1070-1077

Fachinformation Allopurinol AbZ Tabletten. Stand November 2017

Mutschler E et al. Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage, 2013. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart

Apothekerin Dr. Martina Wegener

 

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