Pandemie Spezial

Übertragungsweg Touchscreen?

SARS-CoV-2 bleibt bis zu 28 Tage auf Oberflächen infektiös

cel/mab | Das Coronavirus ist hartnäckiger als gedacht: Laut einer im „Virology Journal“ (Impactfactor: 2,464) veröffentlichten Studie bleibt das Coronavirus auf Oberflächen wie Glas von Handybildschirmen und Kunststoff-Geldscheinen bis zu 28 Tage infektiös. Die Studie wurde im Dunkeln durchgeführt, da SARS-CoV-2 ­unter Licht rasch inaktiviert werde, schreiben die Autoren um Shane Riddell. Völlige Dunkelheit ist jedoch kein natürliches Habitat von Viren. Auch waren die Umgebungsbedingungen mit 20 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchte standardisiert. Diese fixen Bedingungen könnten die verlängerte Infektiosität der Coronaviren in dieser Studie verglichen mit früheren Untersuchungen erklären, so die Autoren. Temperatur und Luftfeuchte sind zwei kritische Parameter für die Infektiosität von Viren. Wie stark sich allein die Veränderung der Temperatur auswirkt, haben sie ebenfalls untersucht: Die Erhöhung der Temperatur auf 40 °C bei gleichzeitiger Aufrechter­haltung der Luftfeuchtigkeit reduzierte die Infektiosität des Virus drastisch auf nur 24 Stunden.

Vor allem die Virus-Persistenz auf Glas und Vinyl (beides übliche Bildschirm- und Bildschirmschutzmaterialien) bewerten die Wissenschaftler als „wichtiges Ergebnis“, da es sich bei Touchscreen-Geräten wie Mobiltelefonen, Bankautomaten, Selbstbedienungskassen in Supermärkten und Check-in-Automaten an Flughäfen um Berührungsflächen handele, die möglicherweise nicht regelmäßig gereinigt werden und daher ein Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 darstellten.

Auch auf Edelstahloberflächen zeigte sich SARS-CoV-2 „extrem stabil“ und konnte nach 28 Tagen als infektiöses SARS-CoV-2 zurückgewonnen werden, im Gegensatz zu porösen Oberflächen wie Baumwolle. Die Studie geht auch auf die mögliche Übertragung durch Banknoten ein. Die Daten für Bank­noten zeigten für SARS-CoV-2 eine signifikant längere Infektiosität als die für andere respiratorische Viren wie Influenza A (H3N2), die eine Persistenz von bis zu 17 Tagen bei Raumtemperatur aufweisen.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt es allerdings bislang keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass das Coronavirus durch Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen auf Menschen übertragen wurde und es zu Infektionen kam. ­Allerdings können Schmierinfektionen über kontaminierte Oberflächen auch nicht ausgeschlossen werden. |

Literatur

Riddell S et al. Virol J 17, 145 (2020) https://doi.org/10.1186/s12985-020-01418-7

 

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