Arzneimittel und Therapie

Zweimal gegen MMR und Varizellen impfen

STIKO vereinheitlicht Empfehlungen bei beruflicher Indikation

cel/cst | Bei den Impfempfehlungen zur Immunisierung gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und Varizellen für Personen in bestimmten beruf­lichen Tätigkeitsfeldern gelten zukünf­tig einfachere Regeln. Grundsätzlich gilt: Es sollte zweimal geimpft werden.

Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) beruflich ­indizierte Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und Varizellen. Allerdings waren die Empfehlungen zu den Impfschemata bezüglich der einzelnen Erreger bislang uneinheitlich. So wurde bei beruflicher ­Indikation (seit 2009) zu einer zweimaligen Impfung gegen Varizellen geraten, während ein Masern-Mumps-Röteln-Schutz nur einmal vorgesehen war. Auch im Hinblick auf die Indikationsgruppen gab es Unterschiede – beispielsweise war die Empfehlung für die Masern-Impfung recht allgemein gehalten, die Impfempfehlung für Röteln hingegen deutlich enger gefasst. Mit den nun im Epidemiologischen Bulletin 2/2020 veröffentlichten Impfempfehlungen soll dies vereinheitlicht werden. Die MMR-Impfung ist demnach für nach 1970 ge­borene Personen (einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studie­rende und ehrenamtlich Tätige), eine Varizellen-Impfung unabhängig vom Geburtsjahr bei seronegativen Personen in folgenden beruflichen Tätig­keitsbereichen indiziert:

  • Medizinische Einrichtungen, inklusive Einrichtungen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe
  • Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem Material
  • Einrichtungen der Pflege
  • Gemeinschaftseinrichtungen
  • Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern
  • Fach-, Berufs- und Hochschulen
Foto: DragonImages – stock.adobe.com

Durch einfache und einheitliche Impfschemata für alle vier Infektionskrankheiten sollen Hürden abgebaut und die Impfquoten erhöht werden.

Für die genannten Indikationsgruppen sollte mindestens eine zweimalige Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln dokumentiert sein. Dies gilt auch für die Varizellen-Impfung von seronegativen Personen. Eine Ausnahme gibt es: Die Röteln-Impfung bei Männern. Hier bewertet die STIKO eine einmalige Impfstoffdosis prinzipiell als ausreichend. Die Impfung gegen MMR sollte mit einem MMR-Kombinationsimpfstoff durchgeführt werden. Die Zahl der notwendigen Impfstoffdosen richtet sich nach der Komponente mit den bisher am wenigsten dokumentierten Impfungen. Die STIKO ­betont: „Es existieren keine Sicherheitsbedenken gegen weitere MMR-Impfung(en) bei bestehender Immunität gegen eine der Komponenten.“ |

 

Literatur

Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlung und wissenschaftliche Begründung für die Angleichung der beruflich indizierten Masern-Mumps-Röteln-(MMR-) und Varizellen-Impfung. Epidemiologisches Bulletin 2/2020. www.rki.de

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